Marci Shore

Der Geschmack von Asche

Das Nachleben des Totalitarismus in Osteuropa
Cover: Der Geschmack von Asche
C. H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406654558
Gebunden, 376 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf. Die Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft in den osteuropäischen Ländern haben in praktisch jeder Familie Fragen aufgeworfen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs irgendwie beantwortet werden müssen. Diese "posttraumatischen" Störungen in Ländern und Gesellschaften, die nach ihrer Identität suchen, sind das Thema dieses Buchs. Es ist eine Reise in die Seelenlandschaften der Menschen und die Summe einer zwanzigjährigen Beschäftigung. Marci Shore spürt den Geistern des Kommunismus im gegenwärtigen Osteuropa nach, vor allem in Polen, Tschechien, der Slowakei und Rumänien. Sie interessiert sich für das, was Geschichte aus den Menschen und ihren Leben gemacht hat. Sie hat Menschen in Prag, Krakau, Warschau, Vilnius, Kiew, Moskau, Bukarest besucht, aber auch in der Provinz und in den jeweiligen Enklaven in New York, Jerusalem und Wien.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2014

Rezensentin Katharina Bader findet Marci Shores Buch "Der Geschmack von Asche" durchaus lesenswert - als "Werkstattbericht" einer amerikanischen Historikerin, die auszog, in Osteuropa Helden zu finden und keine fand. Interessant ist das vor allem, so Bader, weil Shore über Jahre den Kontakt zu Dissidenten und Bekannten hielt, man also erfährt, wer nach der Wende Karriere machte und wer unterging. Auch entwickelt Shore ihn ihrem sehr schönen, intellektuellen Reisebericht durch die ehemalige Sowjetunion, ein feines Gespür für die "Grautöne des realen Lebens", fasst die Rezensentin zusammen. Ärgerlich findet Bader allerdings den Untertitel, der ein eher wissenschaftliches Buch verspricht. Das wird hier nicht eingehalten, warnt die Rezensentin, die überdies gern gewusst hätte, wie Shore eigentlich den umstrittenen Begriff "Totalitarismus" definiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2014

Als Beitrag zu einer Neuvermessung nicht nur Mittel- und Osteuropas, sondern des ganzen Kontinents liest Karl Schlögel das Buch der in Yale lehrenden Historikerin Marci Shore. Shore, in den späten 80ern und frühen 90ern rastlos unterwegs zwischen Bratislava, Prag, Stanford, Boston und Wien und immer darauf aus, Milieus, Schicksale und die Umbrüche in Osteuropa zu verstehen, legt laut Schlögel ein intellektuelles Roadmovie vor, das ihm in seiner Detailliertheit zwar mitunter zu weit geht, aber aus der Nahperspektive einer Wissenschaftlerin im Zeitalter der Globalisierung erzählt, die Schlögel bemerkenswert erscheint. Großartige Funde gelingen der Autorin laut Rezensent in Prager Archiven. Marxismus einmal nicht als Idee, sondern als gelebte Erfahrung - das ist, was der Band Schlögel zufolge anbietet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014

Zunächst noch sehr begeistert von Marci Shores Spurensuche im Osteuropa des 20. Jahrhunderts, wandelt sich Jens Biskys Enthusiasmus in Enttäuschung und sogar Ärger. Die amerikanische Autorin erzählt in ihrem jüngsten Buch von den historischen Verwerfungen des letzten Jahrhunderts, spürt den Folgen von Holocaust, Zweitem Weltkrieg, Stalinismus und dem Ende des Kommunismus nach, so der Rezensent, der Shore als "mitreißende Erzählerin" lobt. Insbesondere die Atmosphäre im postkommunistischen Polen und Tschechien sieht er eindrücklich und erhellend eingefangen. Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf exemplarische Lebensläufe wie den des Holocaust-Überlebenden Arnost Lustig, der Kommunist wird, später in die USA emigriert und in den 90er Jahren Chefredakteur des "Playboy" in Prag wird. Doch hier steckt für Bisky auch der Knackpunkt des Buches, denn Shore verzettelt sich in seinen Augen in unzähligen Biografien und so verschwindet seiner Ansicht nach das große Ganze schließlich im Privaten. Was fehlt sind Analysen, Überblicke oder Vergleiche und so legt der Rezensent schließlich das Buch enttäuscht zur Seite.
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