Aus dem Französischen von Sabine Müller und Holger Fock. Eine junge Frau steht auf einem Bahnsteig und wartet auf ihren Zug. Sie will nach Osten reisen, nach Polen, in jene Stadt, die ihre Großeltern einst verlassen hatten und die für sie nur mehr eine ferne Abstraktion ist. Dort hofft sie, Licht in die von Leid geprägte und später verdrängte Geschichte ihrer Familie zu bringen. Doch bald schon melden sich in ihrem Innern die Stimmen der Vergangenheit und beginnen einen schmerzvollen Dialog mit der Gegenwart. Cecile Wajsbrot beschreibt das Schicksal einer Frau, die sich nicht damit abfinden will, dass ihren Fragen nach früher stets mit Schweigen begegnet wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2008
Rezensent Steffen Richter hat Cecile Wajsbrots Buch "Aus der Nacht", in dem eine Ich-Erzählerin, Tochter von Holocaust-Überlebenden, begleitet von Stimmen aus der Vergangenheit an den Herkunftsort der Familie in Polen reist, als literarische Trauerarbeit gelesen. Der Rezensent weiß, dass der handlungsarme Roman einem autobiografischen Hintergrund entspringt und er glaubt, dass der Versuch, die Vergangenheit erzählerisch zu bewältigen und mit Sinn zu erfüllen, sich auch in der spezifischen Form des Romans als "Poeme en Prose" niederschlägt. Hier spendet Richter noch ein dickes Lob an die beiden Übersetzer Holger Fock und Sabine Müller, denen es gelungen sei, die Eindringlichkeit, die Wajsbrots Sprache auszeichnet, ins Deutsche hinüberzuretten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2008
Niklas Bender kann sich mit Cecile Wajsbrots Roman, in dem eine junge Journalistin, Enkelin von Schoa-Überlebenden, mit dem Nachtzug von Paris in ein kleines Nest nach Polen reist, um dort nach der totgeschwiegenen und verdrängten Geschichte ihrer Familie zu forschen, nicht recht anfreunden. Dass der Roman die Handlung ganz in imaginäre Dialoge der Reisenden mit Vater und Tante legt, während äußerlich kaum etwas geschieht, findet der Rezensent durchaus reizvoll. Allerdings moniert er bei aller Hochachtung für den "eleganten" Stil der Autorin, dass die Vergangenheitserforschung und -bewältigung allzu reibungslos und "glatt" vonstatten geht und so gehe dieser Roman als Erinnerungsarbeit einfach zu "restlos" in der Selbstfindung der Heldin auf.
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