Zwei Stimmen, eine Berufung: die junge Wienerin Rosi Schmieg verschlägt es auf der Suche nach ihrer Bestimmung nach Leipzig, wo sie das Fleischerhandwerk erlernt, denn an die "Fleischerei Schlingel" hat sie die schönsten Kindheitserinnerungen. Und auch ihr Großvater war schließlich Metzger gewesen. Er fiel im Zweiten Weltkrieg, getötet von einem Amerikaner. Dessen Enkelsohn will ebenfalls Fleischhauer werden und reist nach Europa, nach Frankreich und Deutschland, auf den Spuren des Großvaters, der einst aus der Tschechoslowakei emigriert war. In Leipzig begegnen sich die beiden jungen Metzger, in Rosis Fleischerei, auf einer modernen Antirutschmatte- und spätestens dann wird klar, was es mit den Großvätern auf sich hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.01.2014
Ganz hingerissen ist Rezensent Christoph Schröder nach der Lektüre von Michael Stavaric' neuem Buch "Königreich der Schatten". Schon Worte wie "Kotelettklopfer" oder "Fleischsignierstift" verzaubern den Kritiker ganz durch ihre Schönheit und führen ihn auf direktem Wege ins Fleischerei-Gewerbe, in dem auch die beiden Protagonisten Rosi Schmieg und Danny Loket tätig sind. Der Rezensent verirrt sich hier nicht nur auf Fleischereimessen und erlebt Abstrusitäten wie die Wahl zur "Miss Fleisch", sondern beobachtet auch vergnügt und gespannt, wie sich die beiden Hauptfiguren aufeinander zu bewegen, bis sie sich schließlich begegnen - nicht ahnend, dass Dannys Großvater Rosis Großvater im Zweiten Weltkrieg getötet hat. Dieser wunderbar "groteske" und satirische Roman oszilliert nicht nur zwischen Ernst und "Überzeichnung", sondern verquickt auch Themen wie Massentierschlachtung mit dem Dritten Reich. Neben diesem scharfsinnigen Text erscheinen dem Kritiker die Illustrationen von Mari Otberg allerdings ein wenig zu "harmlos".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2013
"Ein literarisches Schlachtfest!" ruft Rezensent Ernst Osterkamp nach der Lektüre von Michael Stavarics neuem Roman "Königreich der Schatten" aus. Damit spielt der Kritiker auf die Handlung an, die sich zwischen Metzgerei-Theken und dem Zweiten Weltkrieg abspielt. Er folgt hier dem jungen Metzger Danny und der ebenso jungen Metzgerin Rosi, die aus wechselnden Perspektiven und mit grotesk anmutendem Unschuldsblick auf die mörderische Vergangenheit ihrer Großeltern - ebenfalls Metzger - im Nationalsozialismus zurückschauen. Amüsiert erfährt Osterkamp, welche erotischen Reize sich in Fleischereien verbergen, zugleich vertieft er sich in die nahezu "tarantinoesken" Visionen Dannys, der sich immer weiter in der Angst vor einer nahenden Apokalypse verliert. Während der Kritiker die Illustrationen Mari Otbergs lobt, beklagt er, dass sich der Autor nicht zwischen Satire auf den Fleischerei-Betrieb und Parabel auf die Epoche des Zweiten Weltkrieges entscheiden kann. Darüber hinaus erscheinen ihm nicht alle Handlungsstränge ganz plausibel - und so legt er das Buch schließlich "ratlos" zur Seite.
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