Herausgegeben im Auftrag der Karl Jaspers-Stiftung von Matthias Bormuth, Carsten Dutt, Dietrich von Engelhardt, Dominic Kaegi, Reiner Wiehl und Eike Wolgast. Der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers hinterließ eine große fachliche und persönliche Korrespondenz, die historisch vom Untergang des Kaiserreichs bis in die Zeit der Notstandsgesetzgebung in der Bundesrepublik reicht. Aus den etwa 35.000 überlieferten Briefen von und an Jaspers fügt die dreibändige kritische und kommentierte Edition die wichtigsten epistolarischen Gespräche zu einem Mosaik der jüngeren Philosophie-, Psychiatrie-, Politik- und Kulturgeschichte zusammen und vermittelt ein umfassendes Bild dieses Denkers.
Die Briefwechsel mit Hans-Georg Gadamer, Karl Löwith und Rudolf Bultmann stehen neben den Korrespondenzen, die Jaspers mit Heinrich Rickert und Helmuth Plessner führte. Für die Psychiatrie und Psychotherapie herausragend ist der Austausch, den Jaspers - teilweise über Jahrzehnte - mit Ludwig Binswanger, Alexander Mitscherlich, Kurt Schneider und Viktor v. Weizsäcker pflegte. In den politisch-kulturellen Debatten nach 1945 stand Jaspers in gedanklich besonders enger Fühlung mit Dolf Sternberger, Benno Reiffenberg, Golo Mann und Rudolf Augstein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2017
Ludger Lütkehaus entdeckt in Karl Jaspers Korrespondenz neue Abgründe unter der Person Martin Heidegger. Dessen Sympathien für die völkische Blut-und-Boden-Politik der Nazis werden in den laut Rezensent vorzüglich edierten und kommentierten drei Bänden abermals deutlich, meint Lütkehaus. Umso mehr, als sie hier vor dem Hintergrund von Jaspers Noblesse und moralischer Strenge erscheinen, wie Lütkehaus erläutert. Eine "publizistische Großtat" ist die Edition für den Rezensenten aber auch aufgrund der weiten thematischen Felder, die hier abgesteckt werden: Philosophie, Psychiatrie, Medizin, Naturwissenschafteb, Politik, Universität. Jaspers Bedeutung und seine menschliche Loyalität (etwa gegenüber dem mit Berufsverbot belegten Mathematiker Emil Julius Gumbel) wird Lütkehaus durch die Briefe eindrucksvoll in Erinnerung gerufen.
Dieser Briefband schreit geradezu nach Aufmerksamkeit für den Philosophen Karl Jaspers, der einst zu den "Star-Intellektuellen" der Bundesrepublik zählte, versichert Rezensent Thomas Meyer. Die überwiegend aus Archiven gehobenen Korrespondenzen laden zur Wiederentdeckung und Revision des Philosophen ein, dessen Bedeutung heute unterschätzt wird, meint der Kritiker. In den Briefen mit Korrespondenten aus den unterschiedlichsten ideologischen, religiösen und politischen Lagern lernt der er Jaspers als geduldigen, wenn auch eitlen Gesprächspartner kennen. Während Meyer insbesondere die Briefwechsel mit Dolf Sternberger und Golo Mann hervorhebt, liest er vor allem den Band mit großem Interesse, der Jaspers enge Verknüpfung mit der Mediziner- und Psychiaterszene der zwanziger bis sechziger Jahre dokumentiert. Nicht zuletzt lobt der Rezensent die kluge Kommentierung dieser schönen und lehrreichen Edition.
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