Rebekka Habermas

Skandal in Togo

Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft
Cover: Skandal in Togo
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783103972290
Gebunden, 400 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

1900 soll der Kolonialbeamte Geo Schmidt eine junge Afrikanerin vergewaltigt haben. Doch solche Übergriffe waren in den Kolonien nahezu alltäglich, warum also die Aufregung? Hier erfahren wir, worum es wirklich ging: Der Kolonialbeamte, eigentlich der mächtigste Mann vor Ort, rang nicht nur mit der afrikanischen Bevölkerung. In Togo waren auch christliche Missionare tätig, die vor allem Gottes Wort verbreiten wollten und ihre Bemühungen durch Geo Schmidt gefährdet sahen. Ihre unzähligen Briefe nach Berlin, in denen sie Schmidts Treiben schildern, sind beredte Zeugnisse eines grundlegenden Konflikts im kolonialen Raum. Und sie führten dazu, dass im Berliner Reichstag Abgeordnete wetterten, die Mission der Zivilisierung in Afrika werde durch brutale Kolonialbeamte gefährdet. Lebendig schildert Rebekka Habermas die Beziehungen, Interessen und Motive der Beteiligten, den Rassismus und Alltag vor Ort und die kolonialen Echos, die der Skandal in der Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs hervorrief. Damit bietet sie neue, erstaunliche Einblicke - eine glänzend erzählte Mikrogeschichte des Kolonialismus und ein wichtiger Beitrag zur Kolonialgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.11.2016

Mit ihrem Buch "Skandal in Togo" gelingt Rebekka Habermas mehr als nur eine "koloniale Mikrogeschichte", jedenfalls meint man das aus Sabine Fröhlichs wohlwollender Rezension herauszuhören. Am Beispiel des Skandals, der sich um die Vergewaltigung einer minderjährigen Afrikanerin durch den Distriktleiter Geo Schmidt aufbaute, wird der Rezensentin veranschaulicht, wie wenig die koloniale Realität mit den in Deutschland und Europa vermittelten Vorstellungen und Bildern zu tun hatte. Durch die kritische Begutachung einer Vielzahl von Quellen entsteht ein relativ klares Bild der Geschehnisse und deren Folgen 1906 in Atakpamé, in der deutschen Kolonie Togo, lobt die Rezensentin und stellt mit der Autorin fest, dass die "beschwiegene Seite des Skandals" - der generelle Rassismus, der diesem vermeintlichen Einzelfall zugrunde alag - schon immer ein offenes Geheimnis war, das jedoch niemand ansprechen konnte, weil dies direkt zur Infragestellung der angeblichen Überlegenheit der Kolonialherren geführt hätte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2016

Als Materialsammlung allein ist das Buch der Göttinger Historikerin Rebekka Habermas über die deutsche Kolonialverwaltung "bahnbrechend", meint Rezensent Markus Schwering. Sehr detailliert, dabei aber "gut lesbar" gehe es der Frage nach, warum sich auch nach Bekanntwerden des "exzessiven Machtmissbrauchs" durch deutsche Kolonialbeamte nichts änderte. Habermas nennt dafür mehrere Gründe, so Schwering: Vieles kam in Berlin gar nicht an oder wurde als bedauerlicher Einzelfall abgetan, und Rassismus und wirtschaftliche Ausbeutung wurden gewissermaßen als natürliches Recht der deutschen Herren angesehen. Soweit so interessant für den Rezensenten, der sich von der Autorin allerdings eine deutlichere Ablehnung des Kolonialismus an sich und die ein oder andere "imperialismustheoretische Weiterung" gewünscht hätte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.10.2016

Mit der Studie "Skandal in Togo" hat Rebekka Habermas einen wichtigen, geradezu "bahnbrechenden" Beitrag zur deutschen Kolonialismusgeschichte vorgelegt, verkündet Micha Brumlik. Dass die Historikerin ihre präzise und klare Fallstudie als "Microstoria" anordnet, findet der Kritiker klug: Mehr noch als eine großangelegte Gesamtdarstellung vermittelt ihm Habermas die tatsächlichen, ambivalenten Züge des Herrschaftsmodells. Und so erfährt der Rezensent hier nicht nur, wie wenige weiße deutsche Männer, die ihr rassistisches Sexualregime über schwarze Frauen ausübten, mit gebildeten und humanitär gesinnten Missionaren konkurrierten, sondern auch, dass die von den Missionaren verteufelte Polygamie den Frauen stabile Lebensverhältnisse garantierte. Darüber hinaus liest der Kritiker bei Habermas nach, dass Entkolonialisierung und Kolonialismuskritik bereits während der deutsch-britischen Konkurrenz zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzte.