"Also sprach Zarathustra" ist das berühmteste und das rätselhafteste Werk Nietzsches. Der Philosoph nahm für sich in Anspruch, der Menschheit mit seiner Dichtung das tiefste Buch gegeben zu haben. Um Klarheit über seine "Gabe", eine Parodie der Bibel, zu gewinnen, lautet die entscheidende Frage: Was ist Nietzsches Zarathustra? Ein Erkennender oder ein Gesetzgeber? Ein Versucher oder ein Religionsstifter? Ein Philosoph oder ein Prophet?
Heinrich Meiers Buch versucht am Leitfaden der Frage, ob Zarathustra ein Philosoph oder ein Prophet ist, zum Kern des Dramas vorzustoßen. Es begreift Nietzsches Buch für Alle und Keinen als ein Unternehmen der Klärung und der Scheidung, der Selbstverständigung und der Selbstvergewisserung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2017
Dieter Thomä rät, die Erwartungen an Heinrich Meiers Zarathustra-Buch erst einmal zurückzuschrauben, dann ließe sich der Band auch mit Gewinn lesen. Dass der Autor sämtliche Deutungen einfach links liegen lässt, nimmt Thomä als Übung in Konzentration. Der Autor krieche förmlich in den Text und seine Rollen hinein, meint Thomä, und erkennt den Text als Drama mit Zwischentönen, mit dem Nietzsche seine Wandlung vom Propheten zum Philosophen einläutet; der Übermensch geht dabei quasi über Bord. Wie bitte? Thomä findet durchaus Gefallen an dieser umstürzlerischen These, gibt aber zu bedenken, dass der Übermensch auch mit dem Philosophen Nietzsche zu tun hat, nicht nur mit dem Propheten, wie Meiers These es voraussetzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.05.2017
Rezensent Johan Schloemann hält sich zunächst nicht für übermenschlich genug für eine Lektüre von Nietzsches "Zarathustra". Dann kommt ihm Heinrich Meiers Buch in die Finger, und siehe da: Mit Meier dabei öffnet sich Nietzsches Text dem Rezensenten, offenbart neben allzu simpel Martialischem auch Zartes und Kluges. Meiers "extrem" textimmanenter Kommentar, laut Rezensent ganz ohne philosophisch-geschichtlichen Kontext und dicht bis zur Dunkelheit, lehrt Schloeman zum Beispiel die Unterscheidung der Sprecherrollen im Text und dass dieser Zarathustra alles andere als eindeutig und schon gar nicht der Autor selbst ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2017
Uwe Justus Wenzel schreibt sehr gelehrt über Nietzsche und das "riskante Leben auf der philosophischen Probebühne". In welcher Verbindung seine Gedanken über den inszenierten Selbstverlust zu Heinrich Meiers Schrift "Was ist Nietzsches Zarathustra?" stehen, ist indes nicht leicht zu erkennen. Wenzel kommt am Ende seines Textes nur kurz auf den Band zu sprechen, attestiert ihm jedoch eine äußerst komplexe Dramaturgie und eine hermeneutische Analyse, die in ihrer Luzidität ihresgleichen suche.
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