Aus dem Englischen von Claudia Campisi. Ein Faktenthriller von der Entstehung und Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus mit Hilfe Nazi-Deutschlands und der CIA. Als der Journalist und Pulitzer-Preisträger Ian Johnson 2003 eine Londoner Buchhandlung betritt, macht er eine sensationelle und unheimliche Entdeckung: Als wichtigste Moscheen werden Mekka, Jerusalem, Istanbul und eine Moschee in München genannt. Warum München? Welche Moschee? Das islamische Zentrum von München wurde seit dem Dritten Reich und dem Kalten Krieg von Nazis, Agenten, gestrandeten Muslimen, islamistischen Fanatikern,von Akteuren aller Couleurs zum Bollwerk gegen die Sowjetunion aufgerüstet. Die CIA und andere Geheimdienste spinnen Intrigen, steuern Machtkämpfe und unterstützen radikale Islamisten der Moslembruderschaft - immer hinter dem Rücken der Öffentlichkeit. Das Drama, das sich in München abspielte, reichte vom politischen Skandal bis zur Schizophrenie der Ideologen und mündet in der jüngsten Zeitgeschichte: In der vierten Moschee wurde der Westen zum Paten des 11. September 2001.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.02.2011
Informativ findet Rezensent Martin Zähringer dieses Buch über die Geschichte der Moschee des Islamischen Zentrums München in München-Freimann, das er Reporter Ian Johnson vorgelegt hat. Wie er berichtet, war diese Moschee ursprünglich als Anlaufstelle für ehemalige muslimische Überläufer aus dem Zweiten Weltkrieg gedacht, die sich der Wehrmacht und auch der SS angeschlossen hatten, entwickelte sich aber ab den 1970er Jahren zu einem Zentrum des internationalen politischen Islam. Zähringer attestiert dem Autor eine ambitionierte Darstellung der geheimdienstlichen Verstrickungen der "vierten Moschee" sowie ihrer Wirkungsgeschichte im Kontext des internationalen Islamismus. Als Ergänzung zu Johnsons Buch empfiehlt er Stefan Meinings Buch "Eine Moschee in Deutschland", das dasselbe Thema behandelt, aber andere Schwerpunkte setzt.
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