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Michael Burleigh

Irdische Mächte, göttliches Heil

Die Geschichte des Kampfes zwischen Politik und Religion von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Binder und Bernd Leineweber. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts kehrten viele Europäer Gott und der Kirche den Rücken und wandten sich stattdessen anderen Götzen zu. Jakobiner, Kommunisten oder Nationalsozialisten - sie alle suchten ihr Heil in neuen politischen Religionen. Mit blutigen Folgen. Michael Burleigh analysiert in diesem Standardwerk den Kampf zwischen Politik und Religion und zeigt, wie messianischer Eifer die europäische Geschichte bestimmte. In Analysen und Beispielen erklärt er die Entstehung der politischen Religionen aus dem Untergang alter Machtverhältnisse und Glaubensvorstellungen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2008

Schwer genervt, fast schon ein bisschen entsetzt ist der Rezensent Otto Kallscheuer vom tiefkatholischen Kulturpessimismus und Antiliberalismus, mit dem der britische Historiker Michael Burleigh seine dreibändige Studie zur "Geschichte des Kampfes zwischen Politik und Religion von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart" enden lässt. Das Abendland droht, so Burleighs Diagnose, an seinem "Kulturrelativismus" und Liberalismus, wenn nicht Atheismus, unterzugehen. Wenn man genauer hinsieht, lässt sich ein solches reaktionäres Ende schon bei der Lektüre des Vorangegangenen ahnen, stellt Kallscheuer fest. Allgegenwärtig sind des Historikers Vorurteile zugunsten des Katholizismus, zuungunsten des Protestantismus. Und leider biete diese Geschichte, die gut geschrieben ist, an neuen Erkenntnissen außerordentlich wenig. Die "biografischen Miniaturen" zu Joseph de Maistre oder Paul de Lagarde sind "lesbar", wenngleich aus anderen Darstellungen kompiliert und durchweg "veraltet". Nein, der Rezensent kann diese voluminöse Geschichte im Grunde keinem empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2008

Einen "großen Wurf" sieht der Berliner Religionshistoriker Heinz Schilling in Michael Burleighs Werk über die Geschichte des Verhältnisses von Politik und Religion. Fasziniert zeigt er sich von der Darstellung des britischen Historikers, die ihm überaus konkret und lebendig erscheint und mit einer Fülle von Beispielen aufwartet. Zudem schätzt er dessen höchst profunde Kenntnisse der internationalen Forschung und ihrer Quelleneditionen. Er attestiert ihm, ein "ebenso differenziertes wie klar konturiertes Panorama des Zusammenspiels von Religion und Politik in Europa und Amerika vom späten 18. bis ins frühe 21. Jahrhundert" zu zeichnen. Ausführlich geht Schilling in seiner langen Besprechung auf die einzelnen Epochen ein, wobei er besonders die Kapitel über die atheistischen Ideologien des 19. und die totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunders hervorhebt. Allerdings kann er dem Autor eine Reihe von kritischen Einwänden nicht ersparen: So wird in seinen Augen der innere Gestaltwandel, den die Religion durchlaufen hat, im Blick auf Qualität und systematische Positionen nicht "hinreichend klar" bestimmt. Auch kommt für ihn die Vorgeschichte des Verhältnisses Religion-Politik zu kurz. Außerdem scheint ihm dieses Verhältnis bei Burleigh zu sehr auf den Kampf zwischen "Macht und Heil" eingeengt. Nichtsdestoweniger würdigt er das Werk als "großes Buch".
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