Dirk Stolper

Eichmanns Anwalt

Robert Servatius als Verteidiger in NS-Strafverfahren
Cover: Eichmanns Anwalt
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783593517131
Gebunden, 498 Seiten, 49,00 EUR

Klappentext

Der Kölner Rechtsanwalt Robert Servatius erlangte 1961 weltweite Bekanntheit: Er verteidigte im Prozess in Jerusalem Adolf Eichmann, der während des Zweiten Weltkriegs aus dem Berliner Reichssicherheitshauptamt die Deportation der europäischen Juden in die deutschen Vernichtungslager im östlichen Europa organisiert hatte. Dirk Stolper untersucht in seiner Studie nicht nur die Biografie und die öffentliche Wahrnehmung von Servatius, sondern beleuchtet insbesondere die von ihm entwickelten und angewandten Verteidigungsstrategien in NS-Prozessen zwischen 1945 und 1975 sowie deren Rezeption in der Öffentlichkeit. Das Buch leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der juristischen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und den NS-Verbrechen, insbesondere der Rolle der Strafverteidiger in diesem Kontext.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2025

Dirk Stolpers Biografie über Robert Servatius, den Verteidiger prominenter NS-Verbrecher in Nürnberg und später Adolf Eichmanns in Jerusalem, liest Rezensent Knud von Harbou mit großem Interesse. Stolper arbeitet drei Schwerpunkte heraus: Lebensweg, Verteidigungsstrategien und öffentliche Wirkung, fasst der Kritiker zusammen. Servatius' Denken war "zeitlebens militaristisch orientiert", sein Ziel der "starke Führerstaat". In allen NS-Prozessen, an denen er als Verteidiger teilnahm, nutzte er Argumente wie den "Befehlsnotstand" oder den Vorwurf der "Siegerjustiz" als Verteidigungsstrategie - selbst wenn Rechtsprechung und Gesetzgebung längst dagegenstanden, lesen wir. Im Eichmann-Prozess provozierte mit Aussagen wie dem Hinweis, das Vergasen sei eine "medizinische Angelegenheit" gewesen. Stolpers Studie liefert nicht nur biografische Details, sondern auch einen dichten Blick auf Prozessdokumente und Verteidigungslinien - bleibt in der Wertung jedoch zurückhaltend, wundert sich der Kritiker zuletzt. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2025

Viel lernt man aus diesem Buch nicht nur über den Strafverteidiger Robert Servatius, so Rezensent Daniel Siemens, sondern auch über die Zeit, in der er lebte und arbeitete. Servatius wurde als Verteidiger mehrerer Nazigrößen in spektakulären Prozessen der Nachkriegszeit bekannt, immer wieder argumentierte er in seinen Plädoyers, dass die Angeklagten nur Befehle ausgeführt hatten, liest der Kritiker. Servatius, 1894 geboren, zeigte früh Interesse an der extremen Rechten und begrüßte auch den Nationalsozialismus, lernt Siemens. Nach dem Krieg gehörten unter anderem NS-Ärzte und vor allem auch Adolf Eichmann zu seinen Klienten, keineswegs ist klar, erkennt der Kritiker, ob die teils direkt Nazivokabular aufgreifenden Verteidigungsstrategien des Anwalts ideologischer Überzeugung oder Prozesskalkül entsprangen. Nicht zuletzt erfährt der Rezensent allerhand über die Wirtschaftswunder-BRD und erschrickt über Passagen, die zeigen, wie Eichmanns Äußerungen in der Öffentlichkeit vermarktet wurden, während die Opferperspektive keine Rolle spielte. Mit Wertungen hält sich Stolper Siemens zurück, sein Buch leistet jedoch durchaus eine kritische Neubetrachtung einer komplexen Juristenlaufbahn, entnehmen wir seiner Kritik.

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