Die Todesmärsche aus den Konzentrationslagern kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren das letzte nationalsozialistische Gesellschaftsverbrechen. Martin Clemens Winter stellt die Rolle der deutschen Bevölkerung bei den Räumungstransporten in den Mittelpunkt seiner Studie, die sich auf zahlreiche neu erschlossene Quellen aus internationalen Archiven stützt. Dabei untersucht er nicht nur den ländlichen Raum, die maßgeblichen Akteure und typische Situationen während der Todesmärsche, sondern auch die Nachgeschichte dieser Massenverbrechen vor der Haustür: die juristische Ahndung durch alliierte und deutsche Behörden, die Suche nach den Opfern sowie Formen der Erinnerung in der DDR und in der Bundesrepublik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.10.2018
Die Historikerin Barbara Distel lobt Martin C. Winters Dissertation in den höchsten Tönen. Ihrer Meinung nach legt der Autor ein Buch vor, das unbedingt breitere Rezeption verdient, da es nicht nur zur Aufklärung historischer Fakten über die Verbrechen der Nationalsozialisten kurz vor Kriegsende beiträgt, sondern auch zur Sozialgeschichte der Deutschen im ländlichen Raum, wie sie findet. Über den Ablauf und den geografischen Raum der Todesmärsche, die Akteure, die Ahndung der Verbrechen und ihre Erinnerung erfährt Distel viel Wissenswertes. Ebenso kann ihr der Autor das Scheitern der strafrechtlichen Ahndung dieser Verbrechen und seine Gründe vermitteln, differenziert und empathisch. Ein äußerst lesenswertes Lehrstück über die Macht der Vergangenheit, meint Distel.
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