Georg Bollenbeck

Tradition, Avantgarde, Reaktion

Deutsche Kontroversen um die kulturelle Moderne 1880-1945
Cover: Tradition, Avantgarde, Reaktion
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1999
ISBN 9783100048035
Gebunden, 463 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Angriffe auf die Avantgarden und Abgrenzung gegenüber den Populärkünsten gehören zum Erscheinungsbild aller europäischen Bildungsschichten. Doch in Deutschland fielen die Kontroversen um die künstlerische und kulturelle Moderne besonders heftig und vor allem politisch folgenreich aus. Georg Bollenbeck verfolgt den Bedeutungswandel bildungsbürgerlicher Argumentationsfiguren, in deren Zentrum die Ausrichtung an einer nationalen Tradition, die Betonung der bildenden Funktion und die Beschwörung des schönen Kunst-scheins stehen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.1999

Rüdiger vom Bruch nutzt dieses Rezension vor allem dazu, seinen eigenen weiten feuilletonistischen Horizont zu unterstreichen. Der Leser jedoch sieht die Vorzüge und Schwächen des Buches zwar wortreich umschrieben, dennoch bleiben diese Beschreibungen bisweilen etwas unscharf. Deutlich wird, dass vom Bruch das "Kernstück" des Buches in den Abschnitten über die Weimarer Republik sieht, in dem Aufeinandertreffen zahlreicher politischer, kultureller und gesellschaftlicher Debatten. Bollenbeckes Leistung sieht er dabei vor allem im "aufregend-schillerndem Facetten- und Verweisreichtum" und in seiner Fähigkeit, die verschiedenen Debatten, Strömungen und Dimensionen "scharfsinnig in Beziehung" zu setzen. Summa summarum empfindet der Rezensent das Buch als eine Provokation - im positiven Sinne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999

Patrick Bahners hat einen bitterbösen Verriss geschrieben. Autor Georg Bollenberg nennt die Idee einer "direkten Linie" von Herder zu Hitler "verführerisch", was Bahners absurd findet. Wie könne man so etwas verführerisch nennen? So geht es weiter: Bei Bollenbecke finde sich "bornierter" Realismus. Außerdem ignoriere er jede sozialhistorische Forschung. Für Bahners liefert Bollerbeck mit seinen Büchern den unfreiwilligen Beweis für den Niedergang des Bildungsbürgertums, den er gerade zu konstatieren vorgibt. Der Rezensent lässt kein gutes Haar an dem Buch, versäumt aber in seiner Attacke, klar darzustellen, was Bollerbeck eigentlich will und inwiefern er daran scheitert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999

H. D. Kittsteiner zeichnet in seiner Rezension ausführlich Bollenbecks Argumentationsweg nach: Da speziell in Deutschland die Kultur eng verknüpft war mit dem politischen und nationalen Selbstverständnis, habe der Nationalsozialismus mit dem deutschen Bildungsbürgertum leichtes Spiel gehabt. Bollenbeck zeige, wie das deutsche Selbstverständnis durch Angriffe seitens der modernen Kunst in Frage gestellt wurde und in Zeiten eines angeschlagenen nationalen Selbstwertgefühls zu drastischen Reaktionen gerade auch im Bildungsbürgertum führte. Kittsteiner hebt besonders hervor, dass Bollenbeck aufzeigt, welche bildungsbürgerlichen Aspekte die nationalsozialistische "Breitbandsemantik" absorbieren konnte. Schwerpunkt und Stärke dieses "flüssig geschriebenen Werkes" sind nach Kittsteiner der "Kommunikationszusammenhang", die "Argumentationsweisen und die darin aufscheinenden Mentalitäten". Allerdings merkt Kittsteiner an, dass Bollenbeck ein Grundwissen über die Kunst dieser Zeit voraussetzt.

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