gailus, manfredDer Alldeutsche Verband ließe sich kurz mit diesen Attributen beschreiben: antiliberal, antisemitisch, völkisch-nationalistisch, radikal. "Deutschland den Deutschen!" - so lautete die von ihm ausgegebene unglückselige Parole. Eine Gruppe von z.T. bizarren Figuren war in diesem 1890/91 gegründeten Verband versammelt, doch ihr Einfluss war nicht zu unterschätzen. Denn die Mitglieder des Alldeutschen Verbandes rekrutierten sich aus dem Besitz- und Bildungsbürgertum und nahmen nicht selten gesellschaftliche Schlüsselpositionen ein. Unter den rechtsextremen Organisationen spielte dieser Verband eine zentrale Rolle. Dabei war die Hamburger Ortsgruppe sogar die zweitgrößte des Reiches - ein zweifelhafter "Rekord" für die Hansestadt, die stets als so weltoffen gehandelt wird. Neben der Geschichte des Gesamtverbandes widmet sich Rainer Herings Studie deshalb besonders der Hamburger Gruppierung.
Endlich eine "umfassende Untersuchung" über den Einfluss des Alldeutschen Verbandes auf die Entwicklung des Nationalsozialismus fand Rezensent Volker Ullrich in dem aus einer Habilitationsschrift hervorgegangenen Werk des Historikers Rainer Hering. Der in der deutschen Geschichtsschreibung oft unterschätzte und "verniedlichte" Verband wird, lobt der Rezensent, nicht nur in seiner Rolle als "Wegbereiter Hitlers" klar herausgearbeitet, sondern der Autor zeigt auch, dass die Alldeutschen keineswegs nur ein "Häuflein von Narren und Fantasten" darstellten - vielmehr stammten die Mitglieder, wie Hering "sorgfältigst" belege, größtenteils aus "akademischen Eliten". Wenn man sich durch den hundert Seiten starken "umständlichen" konzeptionellen Teil des Werkes "gequält" hat, erwartet einen, versichert Ullrich, eine "hoch interessante, quellengesättigte Darstellung", die Einblick in Historie und Struktur des Verbandes gewährt, seine zunehmend antisemitische Prägung nachvollzieht, aber auch erstmalig detailliert die weitreichenden Verbindungen der Alldeutschen zu den rechten politischen Parteien der Weimarer Republik rekonstruiert. So zeichnet die Arbeit das Bild einer Organisation, die trotz gewisser Spannungen mit der NSDAP, einen "wesentlichen Teil der Saat ausgestreut" hat, "die die Nationalsozialisten im 'Dritten Reich' ernten konnten".
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