Rüdiger vom Bruch, Brigitte Kaderas (Hg.)

Wissenschaften und Wissenschaftspolitik

Bestandsaufnahmen zu Formationen, Brüchen und Kontinuitäten im Deutschland des 20. Jahrhunderts
Cover: Wissenschaften und Wissenschaftspolitik
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002
ISBN 9783515081115
Gebunden, 476 Seiten, 96,00 EUR

Klappentext

Dieser Band ist aus einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft initiierten Tagung hervorgegangen: Im Mai 2000 diskutierten rund 150 Wissenschaftler verschiedener Disziplinen in Berlin über Wissenschaften und Wissenschaftspolitik in Deutschland im Kaiserreich, der Weimarer Republik und der NS-Diktatur. Wissenschaftshistoriker vermessen  maßgebliche Kontinuitäten und Brüche von exemplarisch untersuchten natur- und geistes- bzw. sozialwissenschaftlichen Disziplinen in ihrem Verhältnis zu staatlicher Wissenschaftspolitik und zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.08.2002

Der von Rüdiger vom Bruch herausgegebene, auf eine Initiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zurückgehende Band "Wissenschaften und Wissenschaftspolitik" versammelt 38 Referate über Interaktionsmechanismen zwischen Wissenschaften und Wissenschaftspolitik im Deutschland des 20. Jahrhunderts, berichtet Rezensent Frank-Rutger Hausmann. Ehrenwert findet Hausmann, dass sich der DFG seiner Verantwortung stellt, die eigenen Verflechtungen mit dem Nationalsozialismus aufzuklären. Dabei rücken insbesondere die angewandten Wissenschaften in den Vordergrund, während die ebenfalls der NS-Politik zuarbeitenden Geisteswissenschaften ein wenig zu kurz kommen, bemerkt Hausmann. Eine wirkliche Bestandsaufnahme, wie sie der Titel verspricht, nämlich ein ganzes Jahrhundert Wissenschaftsgeschichte darzustellen, kann der Band, der sich in drei Phasen gliedert, die das erste Drittel des 20. Jahrhunderts, die NS-Zeit sowie die Nachkriegsepoche umfassen, nach Ansicht Hausmanns nicht leisten. Immerhin ermöglicht die Lektüre einen "raschen Überblick", konzediert Hausmann. Bedauerlich findet er insbesondere, dass Beiträge zur Rolle der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften im Nationalsozialismus, zur Auslandswissenschaft, zur Westforschung, zu Netzwerken und Gemeinschaftsprojekten, sowie zu völkisch-rassischen Vordenkern wie Günther, Clauss und Rosenberg fehlen. Hausmann hält als Fazit fest, "dass der Band keinesfalls umfassend informiert, was damit zusammenhängt, dass es noch zahlreiche weiße Flecken auf der Landkarte der Wissenschaftsgeschichte gibt."

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