Golo Maurer

Olevano

Als ein paar romantische Aussteiger in Italien die deutsche Kunst erfanden
Cover: Olevano
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406842894
Gebunden, 384 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Olevano: Deutscher Sehnsuchtsort und erste Künstlerkolonie Olevano - ikonischer Sehnsuchtsort einer Gruppe junger deutscher Romantiker, die auszogen, um in der Einsamkeit und Ursprünglichkeit des abgelegenen Bergdorfes nahe Rom die Kunst neu zu erfinden. Das eigentliche Wesen der deutschen Romantik wird an kaum einem anderen Ort so greifbar wie hier, wo aus der Zivilisationsflucht in eine Mittelalter-Märchenwelt eine einflussreiche Avantgarde entsteht. Um 1800 gab es viele deutsche Künstler, aber noch keine deutsche Kunst. Die musste erst erfunden werden. Und das geschah nicht in Deutschland, sondern in Italien, und zwar in Olevano, wo um 1820 eine kleine Gruppe romantischer Aussteiger die Zukunft in der Vergangenheit suchte. Dort oben, in der Einsamkeit der Eichenwälder, entstand fern vom römischen Trubel die erste deutsche Malerkolonie der Geschichte. Wandern und Zeichnen, Diskutieren und Phantasieren, Freundschaft und Konkurrenz, Hoffen und Verzweifeln - es ist der Traum von einer neuen deutschen Kunst, nachdem aus einem einig-deutschen Vaterland nach 1815 nichts geworden war. Viele unserer jungen Helden sterben früh, ihre Bilder aber sind geblieben - als Zeugen des Mythos von Olevano.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2026

Rezensent Clemens Klünemann liest das Buch des Kunsthistorikers Golo Maurer und entdeckt darin die ganze Sehnsucht der Romantiker. Wie junge Künstler wie Jakob Philipp Hackert oder Johan Christian Reinhardt einst ins italienische Olevano zogen, um der Zeit zu entfliehen, schildert Maurer laut Klünemann sehr anschaulich anhand des Malers Franz Theobaldy Horny. Der Leser leidet mit, beteuert Klünemann, wird aber ernüchtert, wenn Maurer seinen eigenen Besuch im einst so idyllischen Olevano schildert. Maurers Erkundung dieses Sehnsuchtsort der Romantiker findet Klünemann von so "ernsthaftem Witz", dass er gleich aufbrechen möchte oder wenigstens von Olevano träumen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2026

Rezensentin Andrea Gnam hat das Gefühl, selbst in Olevano im römischen Hinterland gewesen zu sein - so "berückend anschaulich" beschreibt ihr der Kunsthistoriker Golo Maurer nicht nur die Landschaft. Fasziniert folgt die Kritikerin vor allem jener Gruppe romantischer Jünglinge, die sich im 19. Jahrhundert in das malerische Städtchen begaben, das ihnen zum "Projektionsort für Unverdorbenheit und weibliche Anmut" wurde, obwohl schon Zeitgenossen die hohe Kriminalitätsrate der Stadt bekundeten. Auch sonst trafen die Maler es nicht besonders gut an, liest Gnam: Gegen die besser ausgebildeten französischen und italienischen Maler vor Ort konnten sich die jungen Maler nicht durchsetzen, die ohnehin wenig geschätzten Landschaftsmalereien der Deutschen kamen nicht gut an, die Lebensumstände waren schwierig - und schließlich starben die meisten jung, etwa durch Tuberkulose oder Suizid. Dabei war manches Talent unter ihnen, wie Maurer etwa am Beispiel des jungen Malers Franz Horny zeigt. Maurers hinreißende Bildbeschreibungen und Details zu Architektur, Farben und mehr lassen die Rezensentin darüber hinwegsehen, dass manche Passage ein wenig "geschwätzig" gerät. 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.04.2026

Ein schönes, amüsantes Buch über deutsche Künstler in Italien hat Golo Maurer geschrieben, freut sich Rezensent Dirk Schümer. Konkret geht es um Maler, die sich im frühen 19. Jahrhundert in Olevano nahe Rom ansiedelten, den Anfang machte der Tiroler Joseph Anton Koch, es folgten einige weitere, die man heute allesamt kaum noch kennt, unter anderem Carl Philipp Fohr und Ernst Fries. Genies waren das eher nicht und nach Italien verschlug es sie vor allem, weil Deutschland damals schrecklich provinziell war, liest Schümer. Dass die deutsche Kunst des Titels keineswegs Weltklasse hatte und die Maler, über die Maurer schreibt, eher verlotterte Gestalten waren, amüsiert den Kritiker. Letzten Endes ist das gute Leben in Italien für Deutsche vielleicht das wahre Kunstwerk, überlegt sich der Rezensent nach der anregenden Lektüre abschließend.

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