Herausgegeben von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Die 60er Jahre waren von tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft und Kultur und von weit gespannten Hoffnungen auf politische Reformen geprägt in der Bundesrepublik und auch in der DDR. In dreißig Beiträgen wird ein farbiges Panorama dieser "dynamischen Zeiten" gezeichnet. Nicht nur 1968, sondern die gesamten 60er Jahre waren turbulent: Kriegsdrohungen und Friedenshoffnungen wechselten sich ab, der Mauerbau in Berlin sorgte für eine tiefe Kluft, die die Politik der "kleinen Schritte" zur Annäherung zwischen Ost und West wieder schließen sollte. Eine "neue Leichtigkeit" der Alltagskultur stand im Gegensatz zur kritischen Gedankenschwere, die in den intellektuellen Debatten vorherrschte. Rufe nach Überwindung des "Reformstaus" wurden akut, revolutionäre Visionen entwickelt. Wie ein "Katalysator" wirkte nicht zuletzt die Mobilisierung der Gesellschaft: Technik, Verkehr und Kommunikation und die Erhöhung des privaten Wohlstands intensivierten die mit dem Wiederaufbau der 50er Jahre begonnenen Modernisierungen der beiden deutschen Gesellschaften.
"Dynamische Zeiten" wird zum Standardwerk über die 60-er Jahre avancieren, davon ist der Rezensent Philipp Gassert überzeugt. Durchgängig positiv sieht er dieses Werk, dem eine politische Instrumentalisieren ebenso fern liege wie die medienspezifische Betrachtungsweise politischer Zusammenhänge. Das Buch lasse vielmehr den Anspruch erkennen, historische Grundlagenforschung zu betreiben. "Mit archäologischer Feinarbeit" nähern sich die Autoren den gesellschaftlichen Trends, so Gassert. Leicht irreführend empfindet der Rezensent nur den Titel des Bandes, denn er suggeriere einen linearen dynamischen Prozess, den er als fraglich betrachtet. Zu fragen sei auch, ob das Bild von den "dynamischen Zeiten" sich auch auf die Reformdiskurse der späten sechziger Jahre beziehe, da der Band seine inhaltlichen Schwerpunkte eindeutig auf den Wandel der sozialen Strukturen setze. Abschließend bemerkt Gassert, das der Band selbst Ausdruck des historischen Wandels sei, denn das Autorenverzeichnis sei ein Beleg dafür, das hier ein Generationswechsel stattgefunden habe.
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