Jan-Werner Müller

Das demokratische Zeitalter

Eine politische Ideengeschichte im 20. Jahrhundert
Cover: Das demokratische Zeitalter
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518585856
Gebunden, 509 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Adrian Mit zahlreichen Abbildungen. "Das demokratische Zeitalter" ist die erste umfassende Studie des politischen Denkens in Europa, die seit dem Ende des Kalten Krieges erschienen ist und den ganzen Kontinent in den Blick nimmt. Sie setzt 1918 ein und reicht bis zum Zusammenbruch der kommunistischen bzw. realsozialistischen Staaten Osteuropas Ende der 1980er Jahre. In einer Mischung aus Geistes- und Kulturgeschichte, angereichert durch eine Fülle von biografischen Skizzen einflussreicher, heute zum Teil vergessener Denker aller Couleur, zeichnet Jan-Werner Müller nach, welche politischen Ideen und Köpfe das Zeitalter der ideologischen Extreme bis 1945 geformt und welche das Schicksal Europas danach maßgeblich bestimmt haben. Max Weber wird ebenso behandelt wie die Vordenker des Faschismus, die Frankfurter Schule und "1968" ebenso wie neoliberale Denkfabriken, etwa die Mont Pelerin Society. Dass sich die Christdemokratie als die prägende politische Strömung in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg erweist, gehört zu den spannendsten Erträgen dieses Buches, das mehr bietet als eine fulminante Ideengeschichte Europas im Zeitalter der Ideologien: Es liefert auch die Vorgeschichte des heute vieldiskutierten postdemokratischen Status quo, ohne die sich dieser nicht verstehen lässt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2013

Schön, wie der Autor, ein Ideenhistoriker immerhin, die Klippen einer immer schon sukzessive Lernprozesse voraussetzenden Wissenschaft umschifft, meint Herfried Münkler in seiner Besprechung von Jan-Werner Müllers Reise durch die Geschichte des politischen Denkens im 20. Jahrhundert. Dass Müller stattdessen von einer permanenten Suchbewegung ausgeht, scheint Münkler nicht nur ein gelungener Gegenentwurf zu Francis Fukuyamas bekannter These zu sein, sondern auch eine adäquate Beschreibung für das unscharf konturierte liberaldemokratische Politikmodell, zu dem totalitäre Bewegungen, aber auch eine starke politische Zuversicht gehören, wie Münkler, hiermit dem Autor zustimmend, erklärt. Wenn ihm auch Müllers Gewichtungen nicht immer einleuchten (1914 als Beschleuniger demokratischer Bewegungen hätte Münkler stärker hervorgehoben), so sieht er in dem Band doch eine pointierte Darstellung der Thematik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013

Höchste Anerkennung zollt Martin Bauer dieser politischen Ideengeschichte des 20. Jahrhundert von Jan-Werner Müller. Das Vorhaben des Politologen, die großen Linien, Ideen und Protagonisten der europäischen Demokratie zu erfassen, scheint ihm überaus ambitioniert, das Ergebnis hat ihn rundum überzeugt. Er attestiert dem Autor erstaunliche Belesenheit und profunde Kenntnisse der Materie sowie den Mut, den überreichen historischen Stoff in einem großen Überblick zu fassen. Bauer geht ausführlich auf diverse Themenbereiche von Müllers Problem- und Bewusstseinsgeschichte der Demokratisierung in Europa ein: die Frage nach der Sicherung und Vertiefung demokratischer Partizipation etwa, das Entstehen der demokratischen Gemeinwesen nach 1945 oder den Aufbruch von 1968. Schließlich hebt er Müllers kritische Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus hervor, der zu einem Ende des demokratischen Zeitalters führen könnte.

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