Achille Mbembe

Kritik der schwarzen Vernunft

Cover: Kritik der schwarzen Vernunft
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518586143
Gebunden, 332 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Michael Bischoff. In kraftvollen Linien zeichnet Mbembe die Genese unserer Gegenwart nach, indem er darstellt, wie sich der globale Kapitalismus seit dem Beginn der Neuzeit aus dem transatlantischen Sklavenhandel entwickelt hat. Seit der Aufklärung kommt zwar eine erste globale Welle der Kritik an der Sklaverei und der "schwarzen Vernunft" des Kapitalismus auf. Dieser breitet sich jedoch in seiner neoliberalen Spielart unaufhaltsam weiter aus und überträgt die Figur des "Negers" nun auf die gesamte "subalterne Menschheit". In diesem Prozess des "Schwarzwerdens der Welt", so die radikale Kritik Mbembes, bilden auch Europa und seine Bürger mittlerweile nur noch eine weitere Provinz im weltumspannenden Imperium des neoliberalen Kapitalismus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.08.2015

Ein wichtiges und lehrreiches Buch kann Rezensent Robin Celikates mit Achille Mbembes "Kritik der schwarzen Vernunft" empfehlen. Er liest bei dem in Johannisburg lehrenden Intellektuellen nicht nur nach, dass Sklaverei und Kolonialismus noch lange nicht der Vergangenheit angehören, sondern darüber hinaus in Kriegen und historischem Revisionismus wiederkehren und in verschiedenen, humanistisch scheinenden Diskursen eine subalterne Kategorie von Menschen schaffen: In der Stigmatisierung von Menschen "mit Migrationshintergrund" etwa oder in der Auswahl von Einwanderungswilligen an den Grenzen Europas, erfährt der Kritiker. Dass "Rasse und Klasse" immer noch zusammenhängen, muss der Rezensent feststellen, wenn er in Mbembes verdienstvollem Großessay liest, wie Menschen beispielsweise in Fabriken zur Herstellung von Tablets und Smartphones ausgebeutet werden. Dieses Buch, in dem Mbembe in komplexer, bisweilen poetischer Sprache einen radikalisierten, postkolonialen Humanismus fordert, ist nicht nur ein lesenswerter ethischer Appell, sondern verfügt auch über realpolitische Vorschläge, urteilt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.02.2015

Achille Mbembes neue Perspektive auf die Weltgeschichte liest Detlev Claussen mit Vorbehalten. Wenn der Autor Begriffe wie "Neger" oder "Rasse" einer Revision unterzieht, muss der Rezensent erst einmal verstehen, dass Mbembes Vorgehen bedeutet, sie als "reale Fiktionen" zu behandeln. Claussen folgt dem Autor von der Zeit des Sklavenhandels bis zum Ende des Apartheidsystems und zum "Schwarzwerden" der Welt. Kritisch sieht er Mbembes komplexe akademische Ausdrucksweise, mit der der Autor dem Leser keinen Gefallen tut, wie Claussen findet. Das Fortleben des Rassismus, wie es Mbembe beschreibt, erkennt er zwar, mitunter aber droht Claussen zwischen Schlagwörtern unterzugehen. Hat afrikanisches Selbstbewusstsein das nötig?, scheint der Rezensent zu fragen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2014

Den Zusammenhang von Kapitalismus und Rassismus macht der Autor dem Rezensenten überdeutlich. Andreas Eckert lernt mit Achille Mbembes "scharfsichtigem" Blick auf die Welt aber noch mehr. Wie Rassismus ohne Rassen funktioniert etwa, oder dass der Arbeiter längst nicht mehr existiert und vom Arbeitsnomaden abgelöst wurde. Die Entwicklungsgeschichte dieser unrühmlichen Allianz dokumentiert der Kameruner Historiker und Politikwissenschaftler für den Rezensenten mit spitzer Feder, wuchtigen Thesen und großzügiger Linienführung anhand dreier Stadien. Auch wenn Eckert mitunter den Einzelbeleg vermisst, Mbembes Auseinandersetzung mit zentralen Dichtern und Denkern des Postkolonialismus und seine Einsichten zum Kapitalismus findet er so klug wie beunruhigend.