Leonhard Harding

Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert

Oldenbourg Verlag, München 1999
ISBN 9783486562736
Broschiert, 272 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

In diesem Buch werden Veränderungen beschrieben, die im 19. Jahrhundert, der Zeit der Staatsbildung und des Übergangs vom Sklavenhandel zum Warenhandel, in der Kolonialzeit, dem "Goldenen Zeitalter der Fremden", und seit dem Schritt in die Freiheit afrikanische Gesellschaften und Staaten umgestaltet haben. Es werden große politische und ökonomische Transformationen vorgestellt und ihre Auswirkungen auf die gesellschaftliche Hierarchie und Struktur sowie auf das kulturelle Selbstverständnis afrikanischer Völker. Im Vordergrund stehen nicht Einflüsse von außen, sondern die interne Dynamik afrikanischer Gesellschaften.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2001

Zwei Jahrhunderte auf 272 Seiten: Das scheint auf den ersten Blick eine arg gestauchte Betrachtung Afrikas zu sein. Der Rezensent mit dem Kürzel "ach" findet den ersten Teil dieses Buches dann auch allgemein und vage: Dort würden die wichtigsten Daten und Fakten dargestellt. Der zweite Teil jedoch sei ein "Resümee des heutigen Forschungsstandes", das der Rezensent "konkret" und "lehrreich" findet. Afrikanische Verhältnisse würden oft mit europäischen Vorstellungen untersucht. Dabei seien Begriffe wie Staat und Nation nun mal nicht oder nur eingeschränkt auf afrikanische Strukturen anwendbar. Außerdem decke der Autor auf, dass "Ereignisse ... der modernen afrikanischen Geschichte" immer noch kontrovers bewertet würden. Als Beispiel nennt der Rezensent hier die unterschiedliche Beurteilung der Sklaverei. Insgesamt sei der zweite Abschnitt ein ausführlicher Forschungsbericht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2000

"Blutleeres Afrika" heißt die Überschrift zu dieser Besprechung eines Sammelbandes: eine kleine freche Bemerkung über eine wohl blutleere Wissenschaft, der es gelingt, aus der blutigen Geschichte des afrikanischen Kontinents sturzlangweilige papierne Analysen zu machen. Analysen, die dem Rezensenten "ach" zufolge, nicht einmal richtig hinhauen, da sie zu großzügig und ungenau mit Begriffen wie "System" und "Struktur" operieren, um die komplizierte afrikanische Wirklichkeit begreiflich zu machen. (Die Herausgeber des Bandes, so erfährt man, sind Afrikanisten der Uni Wien.) Stattdessen wimmele es vor Allgemeinplätzen und Abstraktionen, die eindeutig "auf Kosten der Lebendigkeit und Anschaulichkeit" gingen. Einzige und um so lobenswertere Ausnahme bildet für "ach" der Beitrag von Albert Wirz über den Sklavenhandel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2000

Helmut Heinzlmeir hat vor allem nacherzählt, so scheint es, was er aus diesem Buch gelernt hat: vor allem, dass es früher nur sehr wenige Menschen gab in Afrika, weshalb in den vorkolonialen Systeme "Sklaverei und Sklavenhandel fest verankert" waren; dass dann aber aus zweihundert Millionen Menschen (1960) zur Zeit der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Staaten inzwischen sechhundert Millionen geworden sind, und die "bedrückende Lage" der Menschen in Afrika durch die "abgrundtiefe" Enttäuschungen der Unabhängigkeit noch verstärkt werden. Kein Wort darüber, wie und mit welcher Gewichtung der Autor die Geschichte des Kontinents erzählt, ob es Karten gibt, Detailfragen erörtert werden, die Beziehungen zu den alten Kolonialmächten thematisiert werden etc... Nur, dass Harding am Ende doch noch, angesichts jüngster "Demokratisierungsversuche", eine "bescheidene Hoffnung" für Afrika äußert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.04.2000

Andreas Eckert ist dankbar und froh über diese ?kompakte Einführung in die Geschichte Afrikas?. Er lobt nachdrücklich die Darstellung des Autors, der es verstehe, komplexe Zusammenhänge auch für Laien verständlich darzustellen und weist auf das ausführliche Quellen- und Literaturverzeichnis hin. Der Rezensent, offenbar selbst Historiker mit dem Schwerpunkt Afrikaforschung, erhofft sich von diesem ?wichtigen, lange überfälligen Buch? eine Anerkennung der Afrikaforschung in seiner Zunft. Die werde in seiner Zunft nämlich immer noch als ?exotisches Laster? angesehen.