Betonierung des status quo

Von Thierry Chervel
22.06.2011. Die FAZ und die SZ klagen ja schon seit Jahren kreuz und quer durch die Gegend - gegen alles, was ihnen im Internet nicht behagt, zuerst gegen den Perlentaucher (seit sechs Jahren dauert der Prozess und geht gerade von der höchsten Instanz zurück in die zweithöchste, mehr hier), aber sie bedrohen auch Studenten, die sich für ihre Leitartikel interessieren und darauf verlinken wollen. Bei allem, was sie in ihrer Herrlichkeit stört, rufen sie: "Ih, das lebt. Mach' tot, mach' tot." Nun klagen sie also, gemeinsam mit dem Springer-Verlag und anderen wichtigen Akteuren, gegen die Handy-App der Tagesschau. "Durch gebührenfinanzierte Texte und durch Sender, die im Internet Zeitung machen, ist die weltweit einmalige Vielfalt der Qualitätszeitungen in ihrer Existenz bedroht", schreibt Michael Hanfeld in der FAZ.

Verweigerung von Trauerarbeit

Von Thierry Chervel
08.06.2011. Ende der neunziger Jahre zerriss eine Debatte über den Kommunismus die französische Öffentlichkeit Anlass war das von Stéphane Courtois herausgegebene "Schwarzbuch des Kommunismus", das die Verbrechen sämtlicher kommunistischer Regimes im 20. Jahrhundert bilanzierte. Noch 1997/98 konnte diese Bilanz einen Sturm der Entrüstung in Frankreich entfesseln. Die Kommunisten waren unter Premierminster Jospin (und Päsident Chirac) in der Regierungskoalition. Jospin trat vor die Assemblée nationale und verteidigte die kommunistische Utopie. Ich war damals Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in Paris. Michi Strausfeld, die Entdeckerin der großen lateinamerikanischen Literatur für Suhrkamp, und eine enge Freundin Sempruns, lebte damals ebenfalls in Paris und vermittelte mir damals den Kontat zu Jorge Semprun, dessen scharfe Intelligenz und zugleich Gelassenheit mich in diesem Gespräch über das "scheußliche Geheimnis" der intellektuellen Sympathie mit dem Kommunismus tief beeindruckten. Aus Anlass seines Todes habe ich es nochmal aus meinem Archiv geholt.Thierry Chervel

Lasst uns den 4. Juni vergessen

Von Ai Weiwei
06.06.2011. Lasst uns den 4. Juni vergessen, diesen Tag, der keine besondere Bedeutung hat. Das Leben hat uns gelehrt: In einem totalitären Regime sind alle Tage gleich, alle totalitären Tage sind ein einziger Tag, es gibt keinen Tag Zwei, kein Gestern und kein Morgen. Weil das so ist, brauchen wir nur das Kontinuum und keine speziellen Abschnitte der Wirklichkeit, keine Phasen der Gerechtigkeit oder Gleichheit.

Betonierung des status quo

Verweigerung von Trauerarbeit