Die wahren Phoben sind die Philen

Von Daniele Dell'Agli
23.05.2011. Danke für die notwendigen perspektivischen Richtigstellungen, Thierry Chervel, und da sich die Stimmen offenbar wieder mehren, die jede Form von Islamkritik desavouieren möchten, ergreife ich die Gelegenheit, ein paar Ergänzungen anzumerken, die bislang eher unter vorgehaltener Hand diskutiert werden.1. Wenn man das von Richard Herzinger skizzierte Szenario, das schneller von der Realität eingeholt wird, als Beobachter analysieren können, weiterspinnt, so begreift endlich jeder, warum der Iran um jeden Preis am Bau oder Erwerb einer Atombombe gehindert werden muss: es war bislang einzig die Macht der nuklearen Abschreckung, die Israel in den vergangenen Jahrzehnten davor bewahrt hat, in einen gegenseitigen Vernichtungskrieg mit seinen islamischen Nachbarn verwickelt zu werden. Paradoxerweise funktionierte hier die Abschreckung asymmetrisch: die 150 Millionen Ägypter, Perser und Araber, die Israel mit konventionellen Kriegsmitteln - darunter mehr Soldaten als das kleine Land Einwohner zählt - hätten sehr wohl auslöschen können (und wollen), wurden von der unausgesprochenen Drohung der israelischen Regierung in Schach gehalten, auf die Bombe zurückzugreifen, wenn es zum Äußersten käme. Sollte der Iran seinerseits nuklear aufrüsten, wäre diese Drohung hinfällig, die Schwelle für eine "konventionelle" Auseinandersetzung von bislang noch nicht dagewesenen Ausmaßen würde gegen Null sinken. Die historisch verbürgte Logik, dass der Ausgang eines Weltkrieges die Bedingungen für den nächsten schafft - eine Logik, die nur mit unendlich viel Geschick und ein bißchen Glück in Europa erstmals 65 Jahre lang ausgehebelt werden konnte - würde sich dann ebenso bewahrheiten wie die seit langem kursierende Prognose, daß der dritte Weltkrieg im Nahen Osten beginnen wird.
Zu den bislang kaum - jedenfalls in Deutschland - nicht diskutierten Bedingungen islamischen Judenhasses gehört, dass Hitlers "Mein Kampf" sich seit den vierziger Jahren größter Popularität im arabischen (auch türkischen, auch persischen) Sprachraum erfreut, es gilt als das nach dem Koran am meisten gelesene Buch überhaupt, was den antisemitischen Furor von Muslimen, die noch nicht einmal wissen, wo Palästina liegt, aber in Pakistan und Bangladesh an jedem Kiosk die Hetztiraden des Führers erwerben können, zur Genüge erklärt. Auch diesen Zusammenhang findet man in dem zitierten Buch von Jeffrey Herf hinreichend dokumentiert. Weniger bekannt dürfte sein, dass im deutschen Sprachraum der Kulturphilosoph Jochen Hörisch bereits 2007 die "unheimlichen Verwandtschaften" von Islamisten und Faschisten in einem ebenso souveränen wie unaufgeregten Rundfunkessay analysiert hat, den es als Manuskript beim SWR2 immer noch online zu lesen (hier als rtf-Dokument).
2. Was Seyla Benhabib betrifft, so hat sie sich nicht nur aktuell diskreditiert durch die Beschwörung überholter politischer Schemata in einem Diskurs, der sich Zuschreibungen wie "rechts" oder "links" längst entzogen hat. Ihr Pseudoargument einer angeblichen "Spurenverwischung" an die Adresse der Islamkritiker erweist sich näher besehen selbst als eine vernebelnde Vorwärtsverteidigung. Denn wenn es ein epochales Versagen der Gender Studies gibt, dann doch dieses: zu dem Grund- und Hauptkonflikt in der islamischen Welt geschwiegen zu haben, der darin besteht, dass hier ein despotisches Patriarchat Amok läuft, weil es sich mit der ultimativen Drohung konfrontiert sieht, die Kontrolle über den weiblichen Körper zu verlieren.
Bezeichnend ist insofern auch der Zeitpunkt von Benhabibs Attacke auf Richard Herzingers Artikel: denn allmählich zeichnet sich ab, wer die eigentlichen Verlierer der nordafrikanischen Aufstände sind: die Frauen. So wie in Ägypten jetzt die Scharia in die Verfassung festgeschrieben wurde (hier der Text der provisorischen Verfassung als englischsprachiges pdf-Dokument, der Bezug steht in Artikel 2), müssen sie auch in Tunesien und Libyen damit rechnen, dass ihnen selbst die minimalen Freiheiten, die ihnen in den säkularen Diktaturen gewährt wurden, wieder abgesprochen werden. Revolution sieht anders aus. Der gesellschaftspolitische Teufelskreis im Islam lässt sich so nüchtern wie fatalistisch so beschreiben: solange eine Religion sich anmaßt, als totalitäre Ideologie jeden Atemzug der in einem Land lebenden Menschen zu maßregeln und diese von Anbeginn auf Unterwerfung unter Autoritäten - Familienvater, Clan, Staat, Mullah/Imam, Allah - zu konditionieren, solange wird es weder Demokratie noch Menschenrechte geben, am allerwenigsten für die Frauen; denn das würde ja die Entmachtung des Patriarchats bedeuten, die wiederum Bedingung für die religiöse Herrschaft ist - und so weiter. Aufstände - man höre endlich auf, den historisch und utopisch hochbesetzten Begriff der Revolution zu entwerten - gab es und gibt es nur, weil die Machthaber es zu weit getrieben haben mit Korruption, Ausbeutung des Volkes und Bespitzelung, Verfolgung und Ermordung aller, die das kleptokratische System gefährden konnten. Ein bisschen Mäßigung an der Spitze, etwas mehr Umverteilung von Privilegien, rudimentäre Pressefreiheiten - und islamische Diktaturen können sich ganz entspannt auf ein weiteres Jahrtausend unter dem Schutz Allahs einrichten (wenn die Frauen nicht endlich aufwachen).
3. Ein letzes Wort in Sachen "Islamophobie". Wie der Begriff besagt, kann als "islamophob" nur bezeichnet werden, wer Angst vor dem Islam hat. Lassen wir einmal beiseite, dass Phobien grundsätzlich Ekel-, Lähmungs- und Fluchtreflexe hervorrufen und insofern mangels Agressionspotenzial nicht einmal der diffus mitgemeinte Sinn von "Islamhass" oder "Rassismus" getroffen wäre: Wenn jemand keine Angst vor dem Islam hat, dann doch wohl Publizisten, die dessen sozialen Fallout unbeirrt kritisieren, wie zum Beispiel die Protagonistinnen eines denkwürdigen Themenabends bei Arte (also einer Hochburg des massenmedial forcierten Multikulturalismus), der sich vor kurzem unter dem harmlosen Titel "Rock oder Hose" zweieinhalb Stunden lang mit dem absurden Kampf deutscher und französischer Mädchen um das Recht, in Schulen und anderswo Röcke tragen zu dürfen, beschäftigen durfte - also mit der Frage, wie es passieren konnte, dass eine religiös fanatisierte Minderheit von Jugendlichen ungehindert der Gesamtgesellschaft eine Sexualmoral aus dem Mittelalter diktiert.
Nein, wenn jemand Angst vor dem Islam hat und insofern semantisch korrekt als "islamophob" bezeichnet werden darf, dann sicher nicht die als Geisteskranke diffamierten Herzinger, Broder, Kelek, etc., sondern umgekehrt genau jene, die aus lauter Angst vor - ja wovor eigentlich? Vor der moralischen Verpflichtung unserer Grundwerte? Vor der vormodernen Unantastbarkeit einer Religion? Vor einer erstarkenden Minderheit eingefleischter Demokratiefeinde? Wie auch immer: die jede Kritik am Islam - sofern wir unter diesem Begriff einen Korpus von Einstellungen und Verhaltensweisen verstehen, die definitiv nicht zu Deutschland, Frankreich oder Europa gehören - mit infamen Unterstellungen zu diskreditieren versuchen, wenn sie sie schon nicht verbieten können.
Daniele Dell'Agli

Er hat die Flugzeuge gestoppt

Von Thekla Dannenberg
20.05.2011. Vor knapp zwei Wochen gaben die Berliner Philharmoniker ein Konzert unter Christian Thielemann, auf dem Programm standen zwei Stücke von Richard Strauss, die aus gutem Grund lange nicht gespielt werden: die "Festmusik der Stadt Wien", die Strauss zum fünften Jahrestag des Anschluss Österreichs an das Dritte Reich komponiert hatte, und ein "Festliches Präludium", das sie 1943 schon zum Geburtstag Adolf Hitlers dargeboten hatten. Mit "Lieder, Lärm und Lustigkeit" pries das Programmheft diesen "Strauss für alle Gelegenheiten" an. Allerdings entlockte dieses gruselige Ereignis nur Manuel Brug in der Welt die entsprechenden Schauder. Wenige Tage später gaben die Philharmoniker bekannt, dass sie statt in Salzburg zu Ostern nun lieber in der Kur- und Casino-Idylle Baden-Badens aufspielen. Deprimierende Nachrichten für die Musikkultur.Angesichts von Claudio Abbados aktuellem Gastspiel in Berlin staunt man, welche Bandbreite zu bedienen sich das Orchester in der Lage sieht. Führt ein solcher Spagat nicht zu Rückgratschmerzen? Vorgestern führte es mit seinem früheren Chefdirigenten zu Gustav Mahlers hundertstem Todestag dessen Zehnte und "Das Lied von der Erde" auf. arte hat das Großereignis live übertragen, die Aufzeichnung kann man sich hier ansehen.
Und gestern Abend erinnerte Abbado in der Humboldt-Universität daran, mit wie viel Engagement, Idealismus und humanistischer Emphase Musik verbunden sein kann. Im Rahmen der Mosse Lecture "Musik und Politik" traf sich Abbado zum freundschaflichen Gespräch mit Bruno Ganz und dem früheren Leiter der Berliner Festspiele Ulrich Eckhardt. Mit Bruno Ganz hat Abbado legendäre Konzerte gegeben wie die Aufführung von Beethovens "Egmont" Silvester 1989 im Deutschen Schauspielhaus, Ausschnitte aus den grandiosesten Konzerten wurden eingespielt.
Aber während bei György Kurtag fünf Soprane in extremer Lage sangen, schlug Abbado keinen einzigen hohen Ton an, man muss sogar sagen, dass der spröde Maestro und der recht umständliche Eckhardt mitunter für einen bizarr-stockenden Gesprächsverlaufs sorgten, der jedoch vom aufmerksamen Bruno Ganz in Schwung gehalten wurde. Trotzdem fanden die Hoch- und die Tiefpunkte der politischen Kultur ihren Platz, vom Geldsammeln für die Vietcong in der Berliner Schaubühne über Luigi Nonos "Canto Sospeso" bis zum jüngsten Protest gegen Berlusconis Kulturpolitik. Aufgeworfen wurden die Fragen, ob politische Manifeste besser vor oder nach einem Konzert verlesen werden, wieviel Dirigismus oder verknöcherte Strukturen man hinnimmt, bevor man einfach ein neues Orchester gründet und ob es nicht auch der künstlerischen Freiheit dient, länger als die gewerkschaftlich vorgegebenen Stundenzahl zu proben. Aus Abbados trickreichem Plan, die Mailand aufzuforsten, ist leider nichts geworden. Er wollte für seine Rückkehr an die Scala die Stadt verpflichten, anstelle eines Honorars 90.000 Bäume zu pflanzen. Nach anfänglicher Zustimmung macht der Stadtrat im entscheidenden Moment einen Rückzieher, natürlich aus Kostengründen.
Im schönsten Schlenker erinnerte Ulrich Eckhardt daran, dass Claudio Abbado vor vielen Jahren vor einem Mahler-Konzert in der Berliner Waldbühne verlangt hatte, dass der Flugverkehr über Berlin für diese Zeit aufgehalten werde. Da zeigt sich die Macht des Dirigenten. Mit einem Wink seiner Hand kann er Flugzeuge stoppen.
Thekla Dannenberg

Wer ist hier rechts?

Von Thierry Chervel
19.05.2011. Seyla Benhabib, grande dame der Gender und Cultural Studies, liest den Perlentaucher. In den Blättern zitierte sie einen Artikel, den der Welt-Redakteur Richard Herzinger uns gegeben hatte, als ein "besonders krasses" Beispiel für "rechte" Denkungsart. "Die Journalisten und Intellektuellen der europäischen Rechten haben lang und breit darüber diskutiert, ob 'Islamophobie' rassistisch ist oder nicht", schreibt sie, "nun bemühen sie sich, ihre Spuren zu verwischen, während die 'Pseudofreunde' Israels unter europäischen Konservativen vor Weltuntergangsszenarien warnen, die sie durch angeblich drohende Angriffe auf den Norden Israels seitens der Hisbollah und auf den Süden durch Ägypten im Bündnis mit der Hamas heraufziehen sehen."
Herzinger hatte in dem Artikel die israelische Perspektive auf den "arabischen Frühling" beschrieben. Ohne die ermutigenden Aspekte an den Revolten zu verschweigen, schildert er doch die Befürchtung, dass der Iran und Kräfte wie die Muslimbrüder zumindest in einer ersten Etappe von dem Aufbruch profitieren könnten, auch wenn die Jugend der arabischen Länder keineswegs von der Agenda der Bärtigen inspiriert war.
Jüngste Entwicklungen wie die Versöhnung zwischen der Fatah und der Hamas, dem palästinensischen Ableger der Muslimbrüder, geben Herzinger recht. Diese Versöhnung heißt ja auch, dass sich die weltliche Fatah mit dem Programm der Hamas offenbar abgefunden hat. Die Hamas will Israel erklärtermaßen auslöschen. In ihrem Programm bezieht sie sich auf die Protokolle der Weisen von Zion.
Nur die Götter des interreligiösen Dialoges wissen, was an der Benennung solcher Entwicklungen eigentlich "rechts" sein soll. Warum um Himmels willen ist es "konservativ" zu beobachten, dass faschistoide Kräfte sich gegen den ewigen Popanz ihrer Verschwörungstheorien - die Juden, natürlich - verbünden? Warum ist es "krass" daran zu erinnern, dass sich selbst ermächtigende Avantgarden besonders geschickt darin sind, Umbruchsituationen an sich zu reißen?
Jeffrey Herf hat in der New Republic einen sehr interessanten Artikel zu der Frage veröffentlicht: Der Antisemitismus der Muslimbrüder schadet nicht nur Israel, schreibt er, er schadet vor allem den Ägyptern. Er wurde ihnen von ihren religiösen und säkularen Eliten, die sie nun gerade abschütteln wollen, eingeimpft. Sie müssen auch ihn abschütteln: "Antisemitismus beruht auf Lügen und einer tiefen Unfähigkeit die Welt zu sehen, wie sie ist, Er bietet seinen Advokaten einen Vorwand, ihrer Verantwortung für die Probleme ihrer Nation aus dem Weg zugehen. Darum fanden ihre Diktatoren den Antisemitismus so anziehend." Herf ist ein Kenner der Gemengelage. In seinem Buch "Nazi Propaganda for the Arab World " hat er die intensive Nazipropaganda in Arabien und die frühe Kooperation zwischen Nazis und Islamisten, und zwar besonders den Muslimbrüdern, erforscht.
Hamed Abdel-Samad, Boualem Sansal, Najem Wali gehören zu den Arabern, die den befreienden Schritt aus der verzerrten Optik der Verschwörungstheorien gemacht haben. Oder gelten sie Seyla Benhabib als Reaktionäre, weil sie für die Offenheit und gegen den Hass plädieren?

Thierry Chervel

twitter.com/chervel

Die wahren Phoben sind die Philen

23.05.2011. Danke für die notwendigen perspektivischen Richtigstellungen, Thierry Chervel, und da sich die Stimmen offenbar wieder mehren, die jede Form von Islamkritik desavouieren möchten, ergreife ich die Gelegenheit, ein paar Ergänzungen anzumerken, die bislang eher unter vorgehaltener Hand diskutiert werden.1. Wenn man das von Richard Herzinger skizzierte Szenario, das schneller von der Realität eingeholt wird, als Beobachter analysieren können, weiterspinnt, so begreift endlich jeder, warum der Iran um jeden Preis am Bau oder Erwerb einer Atombombe gehindert werden muss: es war bislang einzig die Macht der nuklearen Abschreckung, die Israel in den vergangenen Jahrzehnten davor bewahrt hat, in einen gegenseitigen Vernichtungskrieg mit seinen islamischen Nachbarn verwickelt zu werden. Paradoxerweise funktionierte hier die Abschreckung asymmetrisch: die 150 Millionen Ägypter, Perser und Araber, die Israel mit konventionellen Kriegsmitteln - darunter mehr Soldaten als das kleine Land Einwohner zählt - hätten sehr wohl auslöschen können (und wollen), wurden von der unausgesprochenen Drohung der israelischen Regierung in Schach gehalten, auf die Bombe zurückzugreifen, wenn es zum Äußersten käme. Sollte der Iran seinerseits nuklear aufrüsten, wäre diese Drohung hinfällig, die Schwelle für eine "konventionelle" Auseinandersetzung von bislang noch nicht dagewesenen Ausmaßen würde gegen Null sinken. Die historisch verbürgte Logik, dass der Ausgang eines Weltkrieges die Bedingungen für den nächsten schafft - eine Logik, die nur mit unendlich viel Geschick und ein bißchen Glück in Europa erstmals 65 Jahre lang ausgehebelt werden konnte - würde sich dann ebenso bewahrheiten wie die seit langem kursierende Prognose, daß der dritte Weltkrieg im Nahen Osten beginnen wird. Von Daniele Dell'Agli

Er hat die Flugzeuge gestoppt

20.05.2011. Vor knapp zwei Wochen gaben die Berliner Philharmoniker ein Konzert unter Christian Thielemann, auf dem Programm standen zwei Stücke von Richard Strauss, die aus gutem Grund lange nicht gespielt werden: die "Festmusik der Stadt Wien", die Strauss zum fünften Jahrestag des Anschluss Österreichs an das Dritte Reich komponiert hatte, und ein "Festliches Präludium", das sie 1943 schon zum Geburtstag Adolf Hitlers dargeboten hatten. Mit "Lieder, Lärm und Lustigkeit" pries das Programmheft diesen "Strauss für alle Gelegenheiten" an. Allerdings entlockte dieses gruselige Ereignis nur Manuel Brug in der Welt die entsprechenden Schauder. Wenige Tage später gaben die Philharmoniker bekannt, dass sie statt in Salzburg zu Ostern nun lieber in der Kur- und Casino-Idylle Baden-Badens aufspielen. Deprimierende Nachrichten für die Musikkultur.Angesichts von Claudio Abbados aktuellem Gastspiel in Berlin staunt man, welche Bandbreite zu bedienen sich das Orchester in der Lage sieht. Führt ein solcher Spagat nicht zu Rückgratschmerzen? Vorgestern führte es mit seinem früheren Chefdirigenten zu Gustav Mahlers hundertstem Todestag dessen Zehnte und "Das Lied von der Erde" auf. arte hat das Großereignis live übertragen, die Aufzeichnung kann man sich hier ansehen. Von Thekla Dannenberg

Wer ist hier rechts?

19.05.2011. Seyla Benhabib, grande dame der Gender und Cultural Studies, liest den Perlentaucher. In den Blättern zitierte sie einen Artikel, den der Welt-Redakteur Richard Herzinger uns gegeben hatte, als ein "besonders krasses" Beispiel für "rechte" Denkungsart. "Die Journalisten und Intellektuellen der europäischen Rechten haben lang und breit darüber diskutiert, ob 'Islamophobie' rassistisch ist oder nicht", schreibt sie, "nun bemühen sie sich, ihre Spuren zu verwischen, während die 'Pseudofreunde' Israels unter europäischen Konservativen vor Weltuntergangsszenarien warnen, die sie durch angeblich drohende Angriffe auf den Norden Israels seitens der Hisbollah und auf den Süden durch Ägypten im Bündnis mit der Hamas heraufziehen sehen." Von Thierry Chervel