Die wahren Phoben sind die Philen

Von Daniele Dell'Agli
23.05.2011. Danke für die notwendigen perspektivischen Richtigstellungen, Thierry Chervel, und da sich die Stimmen offenbar wieder mehren, die jede Form von Islamkritik desavouieren möchten, ergreife ich die Gelegenheit, ein paar Ergänzungen anzumerken, die bislang eher unter vorgehaltener Hand diskutiert werden.1. Wenn man das von Richard Herzinger skizzierte Szenario, das schneller von der Realität eingeholt wird, als Beobachter analysieren können, weiterspinnt, so begreift endlich jeder, warum der Iran um jeden Preis am Bau oder Erwerb einer Atombombe gehindert werden muss: es war bislang einzig die Macht der nuklearen Abschreckung, die Israel in den vergangenen Jahrzehnten davor bewahrt hat, in einen gegenseitigen Vernichtungskrieg mit seinen islamischen Nachbarn verwickelt zu werden. Paradoxerweise funktionierte hier die Abschreckung asymmetrisch: die 150 Millionen Ägypter, Perser und Araber, die Israel mit konventionellen Kriegsmitteln - darunter mehr Soldaten als das kleine Land Einwohner zählt - hätten sehr wohl auslöschen können (und wollen), wurden von der unausgesprochenen Drohung der israelischen Regierung in Schach gehalten, auf die Bombe zurückzugreifen, wenn es zum Äußersten käme. Sollte der Iran seinerseits nuklear aufrüsten, wäre diese Drohung hinfällig, die Schwelle für eine "konventionelle" Auseinandersetzung von bislang noch nicht dagewesenen Ausmaßen würde gegen Null sinken. Die historisch verbürgte Logik, dass der Ausgang eines Weltkrieges die Bedingungen für den nächsten schafft - eine Logik, die nur mit unendlich viel Geschick und ein bißchen Glück in Europa erstmals 65 Jahre lang ausgehebelt werden konnte - würde sich dann ebenso bewahrheiten wie die seit langem kursierende Prognose, daß der dritte Weltkrieg im Nahen Osten beginnen wird.

Er hat die Flugzeuge gestoppt

Von Thekla Dannenberg
20.05.2011. Vor knapp zwei Wochen gaben die Berliner Philharmoniker ein Konzert unter Christian Thielemann, auf dem Programm standen zwei Stücke von Richard Strauss, die aus gutem Grund lange nicht gespielt werden: die "Festmusik der Stadt Wien", die Strauss zum fünften Jahrestag des Anschluss Österreichs an das Dritte Reich komponiert hatte, und ein "Festliches Präludium", das sie 1943 schon zum Geburtstag Adolf Hitlers dargeboten hatten. Mit "Lieder, Lärm und Lustigkeit" pries das Programmheft diesen "Strauss für alle Gelegenheiten" an. Allerdings entlockte dieses gruselige Ereignis nur Manuel Brug in der Welt die entsprechenden Schauder. Wenige Tage später gaben die Philharmoniker bekannt, dass sie statt in Salzburg zu Ostern nun lieber in der Kur- und Casino-Idylle Baden-Badens aufspielen. Deprimierende Nachrichten für die Musikkultur.Angesichts von Claudio Abbados aktuellem Gastspiel in Berlin staunt man, welche Bandbreite zu bedienen sich das Orchester in der Lage sieht. Führt ein solcher Spagat nicht zu Rückgratschmerzen? Vorgestern führte es mit seinem früheren Chefdirigenten zu Gustav Mahlers hundertstem Todestag dessen Zehnte und "Das Lied von der Erde" auf. arte hat das Großereignis live übertragen, die Aufzeichnung kann man sich hier ansehen.

Wer ist hier rechts?

Von Thierry Chervel
19.05.2011. Seyla Benhabib, grande dame der Gender und Cultural Studies, liest den Perlentaucher. In den Blättern zitierte sie einen Artikel, den der Welt-Redakteur Richard Herzinger uns gegeben hatte, als ein "besonders krasses" Beispiel für "rechte" Denkungsart. "Die Journalisten und Intellektuellen der europäischen Rechten haben lang und breit darüber diskutiert, ob 'Islamophobie' rassistisch ist oder nicht", schreibt sie, "nun bemühen sie sich, ihre Spuren zu verwischen, während die 'Pseudofreunde' Israels unter europäischen Konservativen vor Weltuntergangsszenarien warnen, die sie durch angeblich drohende Angriffe auf den Norden Israels seitens der Hisbollah und auf den Süden durch Ägypten im Bündnis mit der Hamas heraufziehen sehen."

Die wahren Phoben sind die Philen

23.05.2011. Danke für die notwendigen perspektivischen Richtigstellungen, Thierry Chervel, und da sich die Stimmen offenbar wieder mehren, die jede Form von Islamkritik desavouieren möchten, ergreife ich die Gelegenheit, ein paar Ergänzungen anzumerken, die bislang eher unter vorgehaltener Hand diskutiert werden.1. Wenn man das von Richard Herzinger skizzierte Szenario, das schneller von der Realität eingeholt wird, als Beobachter analysieren können, weiterspinnt, so begreift endlich jeder, warum der Iran um jeden Preis am Bau oder Erwerb einer Atombombe gehindert werden muss: es war bislang einzig die Macht der nuklearen Abschreckung, die Israel in den vergangenen Jahrzehnten davor bewahrt hat, in einen gegenseitigen Vernichtungskrieg mit seinen islamischen Nachbarn verwickelt zu werden. Paradoxerweise funktionierte hier die Abschreckung asymmetrisch: die 150 Millionen Ägypter, Perser und Araber, die Israel mit konventionellen Kriegsmitteln - darunter mehr Soldaten als das kleine Land Einwohner zählt - hätten sehr wohl auslöschen können (und wollen), wurden von der unausgesprochenen Drohung der israelischen Regierung in Schach gehalten, auf die Bombe zurückzugreifen, wenn es zum Äußersten käme. Sollte der Iran seinerseits nuklear aufrüsten, wäre diese Drohung hinfällig, die Schwelle für eine "konventionelle" Auseinandersetzung von bislang noch nicht dagewesenen Ausmaßen würde gegen Null sinken. Die historisch verbürgte Logik, dass der Ausgang eines Weltkrieges die Bedingungen für den nächsten schafft - eine Logik, die nur mit unendlich viel Geschick und ein bißchen Glück in Europa erstmals 65 Jahre lang ausgehebelt werden konnte - würde sich dann ebenso bewahrheiten wie die seit langem kursierende Prognose, daß der dritte Weltkrieg im Nahen Osten beginnen wird. Von Daniele Dell'Agli

Er hat die Flugzeuge gestoppt

Wer ist hier rechts?

19.05.2011. Seyla Benhabib, grande dame der Gender und Cultural Studies, liest den Perlentaucher. In den Blättern zitierte sie einen Artikel, den der Welt-Redakteur Richard Herzinger uns gegeben hatte, als ein "besonders krasses" Beispiel für "rechte" Denkungsart. "Die Journalisten und Intellektuellen der europäischen Rechten haben lang und breit darüber diskutiert, ob 'Islamophobie' rassistisch ist oder nicht", schreibt sie, "nun bemühen sie sich, ihre Spuren zu verwischen, während die 'Pseudofreunde' Israels unter europäischen Konservativen vor Weltuntergangsszenarien warnen, die sie durch angeblich drohende Angriffe auf den Norden Israels seitens der Hisbollah und auf den Süden durch Ägypten im Bündnis mit der Hamas heraufziehen sehen." Von Thierry Chervel