Jurij Mamlejew

Jurij Mamlejew, 1931 in Moskau geboren, war Sohn eines Psychiaters, der 1937 während des Großen Terrors, der stalinistischen Säuberungen, verhaftet wurde und verschwand. Mamlejew studierte am forstwissenschaftlichen Institut und arbeitete danach als Mathematiklehrer. In den 60er Jahren begann er zu schreiben.
Seit Ende der fünfziger Jahre war seine Wohnung Treffpunkt eines literarisch-philosophischen Geheimzirkels, dessen Mitglieder sich "sexuelle Mystiker" nannten und okkulte Lehren, indische Philosophie, Psychoanalyse und Theosophie erforschten. In den Erzählungen und dem 1966-68 entstandenen Hauptwerk "Der Mörder aus dem Nichts" entwickelte Mamlejew seinen "metaphysischen Realismus", wonach "die Kenntnis des sichtbaren Lebens (eine weit profundere Kenntnis als die, über die ein Realist des 19. Jahrhunderts verfügen musste) nur der erste Schritt ist; danach gilt es, zu einer weit schrecklicheren Realität vorzustoßen".
In der Sowjetunion konnte keine Zeile dieses Autors erscheinen, die Prosatexte kursierten nur im Untergrund. Mamlejew ist ein polemischer Vertreter einer Ästhetik des Bösen, die in grellen Farben die finstere, vernunftabgewandte Seite der menschlichen Seele beleuchtet: "Gerade eine Welt des Leiden und der Verneinung ermöglicht den Durchbruch zum Abgründigen."
1974 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, wo er an der Cornell University als Nachfolger von Vladimir Nabokov Literatur lehrte. 1983 ging er nach Paris. In Russland wurde er erst im Zuge der Perestroika einem breiteren Publikum bekannt. 1991 folgte er der Einladung Gorbatschows, nach Russland zurückzukehren. Er lehrte indische Philosophie an der Moskauer Staatsuniversität. Heute lebt er als freier Autor in Moskau und Paris. Mamlejew erhielt im Jahr 2000 den Puschkin-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung.

Jurij Mamlejew: Die irrlichternde Zeit. Roman

Cover: Jurij Mamlejew. Die irrlichternde Zeit - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2003.
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
Aus dem Russischen von Gabriele Leuplod. Auf Einladung eines alten Herrn namens Beslunnyj (dt. Mondlos), der ihm am "sitzenden" Gogol-Denkmal in Moskau begegnet, besucht Pawel Dalinin ein Fest bei unbekannten…