Gerson Stern

Gerson Stern, geboren am 7. Juli 1874, entstammte einer alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie aus dem an der Weser gelegenen niedersächsischen Städtchen Holzminden. Die Familie zog aber schon 1884 ins Rheinland nach Elberfeld, wo sein Vater Joel Stern Teilhaber an einem Textilunternehmen wurde. Auch Gerson, der zweite Sohn unter fünf Geschwistern, wurde Kaufmann. 1917 heiratete er die zwanzig Jahre jüngere Erna Schwarz, deren Familie aus dem lothringischen Metz kam.
Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit ging Gerson Stern schon früh auch literarischen Neigungen nach. In seinem in der Jewish National University Library (Jerusalem) aufbewahrten Nachlaß finden sich mehrere handschriftliche Sammlungen mit Gedichten, die bis in die 1890er Jahre zurückreichen. An eine Publikation seiner Gedichte hat Stern zunächst nicht gedacht. Ehrgeiziger dagegen waren die beiden dramatischen Versuche "Symphonie" und "Das Ich im Lehnstuhl. Auch ein Totentanz".
Nach eigenen Angaben verlor Stern während der Inflation einen Großteil seines Vermögens. Die Unterstützung durch seine Schwiegereltern, die ein Textilunternehmen in Frankfurt besaßen, an dem er auch selbst bis 1928 Teilhaber war, und eine Hypothek auf das Anwesen in Kiedrich erlaubten aber auch weiterhin eine gewisse Wohlhabenheit. Eine schwere Erkrankung zwang ihn ab 1931 seine kaufmännische Tätigkeit weitestgehend einzustellen.
Stern selbst begann in dieser Zeit mit eingehenden historischen Studien zum jüdischen Leben in Deutschland. Zunächst wandte er sich der Geschichte der eigenen Familie zu und schrieb eine literarisch wenig anspruchsvolle Chronik der Familie Stern aus Holzminden, die er seinem Bruder Emanuel zu dessen 60. Geburtstag im März 1933 und seinem Sohn Joel zur Bar Mizwa im Dezember 1933 dedizierte. Diese Familienchronik gab den Anstoß zu seinem ersten großen Prosawerk, dem Roman "Weg ohne Ende", den er in relativ kurzer Zeit 1933/34 `herunterschrieb.
1934 erschien der Roman im Berliner Erich Reiss Verlag, der ab 1933 und noch vor dem offiziellen Verbot, das es jüdischen Verlegern untersagte, Bücher nicht-jüdischer Autoren zu verlegen, nur noch Bücher jüdischer Autoren herausbrachte. Erich Reiss muß geahnt haben, wie sehr der Roman "Weg ohne Ende" jüdische Leser der Zeit ansprechen würde. Er brachte dieses Erstlingsbuch eines bislang unbekannten Autors in einer in Anbetracht der herrschenden Umstände recht hohen ersten Auflage von 5000 Exemplaren heraus, der er bereits wenige Monate später eine zweite Auflage mit 4000 Exemplaren nachfolgen lassen konnte. Dies war unter den besonderen Zeitbedingungen für ein dezidiert jüdisches Buch ein ungewöhnlicher Erfolg.
Erich Reiss wurde 1938 im Zuge des November-Pogroms für mehrere Wochen im KZ Oranienburg gefangengehalten, bevor er auf Fürsprache von Karin Michaelis und Selma Lagerlöf freigelassen wurde und anschließend in die USA emigrieren konnte. Damit hatte aber auch Gerson Stern seinen Verlag in Deutschland verloren.
1939 wanderte die Familie nach Palästina aus. In Palästina lebte Gerson Stern in Jerusalem. Zu seinem Freundeskreis gehörten Schalom Ben-Chorin, der frühere leitende Redakteur der Jüdischen Rundschau Robert Weltsch und vor allem Else Lasker-Schüler, die dem "Heimatfreund" 1941 den Erstdruck ihres Gedichts Mein blaues Klavier widmete. Bei der Beisetzung der Dichterin 1945 auf dem Ölberg sprachen Samuel Josef Agnon und Gerson Stern das Kaddisch. Wenig später schrieb Stern seine Erinnerungen an sie nieder.

Gerson Stern: Weg ohne Ende. Ein jüdischer Roman

Cover: Gerson Stern. Weg ohne Ende - Ein jüdischer Roman. Carl Böschen Verlag, Siegen, 1999.
Carl Böschen Verlag, Siegen 1999
Nachwort, Glossar und herausgegeben von Friedrich Voit. Mit dem 1934 erstmals erschienenen Roman "Weg ohne Ende" liefert Gerson Stern eine historisch genaue Schilderung jüdischen Lebens in der ersten…