9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2023 - Kulturmarkt

Der Absatz der Buchbranche sank um 4,6 Prozent, meldet die FAZ unter Bezug auf Äußerungen Peter Kraus vom Cleffs vom Börsenverein. Die Branche sieht sich dennoch gezwungen, die Preise zu erhöhen. "Der durchschnittliche Buchpreis stieg dem Börsenblatt zufolge deutlich an: insgesamt um 4,9, in der Belletristik um 5,9 Prozent. Vor allem Kinder- und Jugendbücher wurden demnach deutlich teurer, Vorlesebücher um siebzehn, Bilderbücher um dreizehn Prozent. Wie schon im Vorjahr ist der entscheidende Kostenfaktor der gestiegene Papierpreis. Papier wird unter anderem deshalb knapp, weil laut Bundesverband Druck und Medien viele Hersteller inzwischen auf Kartonagen umgestellt hätten."
Stichwörter: Buchbranche

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2022 - Kulturmarkt

Ein für die Kulturbranchen eher deprimierendes Jahr geht zu Ende, und der Buchreport präsentiert wie zum Hohn noch die Jahresbestsellerliste des Spiegel:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2022 - Kulturmarkt

Der stationäre Buchhandel braucht neue Strategien, um mit seinem Publikum zu kommunizieren. Maria-Christina Piwowarski von der Berliner Buchhandlung Ozelot preist im Gespräch mit Carolina Schwarz von der taz Instagram: "Die Frage ist für mich nicht, ob man Instagram braucht, sondern warum man etwas nicht nutzen sollte, was so gut funktioniert. Es hält eine Community zusammen, die literarisch interessiert ist. Wenn man es schafft, seinen eigenen Ton und einen Wiedererkennungswert zu schaffen, dann ist ein Instagram-Account wie ein Schaufenster nach draußen. Warum sollte man das nicht nutzen? Klar muss man sich überlegen, wie viel Persönliches man teilen möchte. Aber alle, die ich überzeugt habe, sich dort anzumelden, sind begeistert. Denn die Buch-Community ist wahnsinnig sympathisch und es macht einfach Spaß sich mit den superbibliophilen Menschen auszutauschen."
Stichwörter: Buchhandel, Instagram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2022 - Kulturmarkt

Die "Sozialistische Verlagsauslieferung" hat Pleite gemacht, berichtet Josef-Otto Freudenreich in kontext. Für kleine und sehr kleine Verlage klingt das wie eine mittlere Katastrophe, denn die "Sova" sorgt dafür, dass ihre Titel noch in den Buchläden zirkulierten. Aber "auch die Linken bestellen heute bei Amazon, kaufen bei Wittwer/Thalia & Co. ein, wo sie die Kleinen meist nicht finden. Zu winzig für die Großen, kein Platz mehr neben der Spiegel-Bestsellerliste. Bürgerliche Auslieferer wie die Stuttgarter Koch, Neff & Oetinger, heute 'Zeitfracht', nehmen die kleinen Chargen nicht mit. Der ökonomische Druck ist gewaltig, Lager-, Papier- und Energiekosten fragen nicht nach der Gesinnung, der Kampf um Aufmerksamkeit wird immer teurer, das Budget der Lesenden geringer." Zu den betroffenen Verlagen gehören zum Beispiel Konkursbuch oder die Edition Tiamat.
Stichwörter: Buchhandel, Verlagsbranche

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2022 - Kulturmarkt

Für S. Fischer Verleger Oliver Vogel steppt in Berlin der Bär, schreibt Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt am Main in der FAZ über den Umzug in die Hauptstadt, den Vogel als Eröffnung eines  "richtigen zweiten Standorts" angekündigt hat. Für Bär ist das Vortäuschung falscher Tatsachen. Für ihn kehrt nach Suhrkamp ein zweiter großer Verlag Frankfurt den Rücken. Obwohl, bedauert Bär, man an Main, Rhein, Elbe und Isar mindestens genauso erfolgreich Bücher machen könne. Bär trauert: "Ende der Geschichte. Frankfurt verliert seine Vorteile aus der deutschen Teilung und aus der Geschichte der Bonner Republik" und teilt gehörig aus:"Konzentration und Zentralisierung sind Folge von Anpassung, nicht Quell von Selbstbehauptung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2022 - Kulturmarkt

Bertelsmann wollte die amerikanische Verlagsgruppe Simon & Schuster übernehmen und in seine Randomhouse-Gruppe eingliedern (unser Resümee) und damit endgültig zu einem Mammut werden. Aber nun wendet sich die amerikanische Regierung mit kartellrechtlichen Argumenten gegen die Fusion und wird sie wohl verhindern, meldet der Spiegel mit Agenturen. Die Begründung ist interessant: "Im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbsstreitigkeiten, bei denen es um die Kosten für die Verbraucher geht, ging es in diesem Fall um die Einnahmen der Autorinnen und Autoren. Die US-Regierung argumentierte bei ihrer Klageeinreichung, dass der Kauf verhindert werden müsse, weil er zu weniger Wettbewerb bei Bestsellern und geringeren Vorschüssen für Autorinnen und Autoren führen würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2022 - Kulturmarkt

Die steigenden Preise machen auch vor der Buchbranche nicht Halt. Die Produktionskosten dürften im kommenden Jahr rund um ein Drittel höher ausfallen, schreibt Richard Kämmerlings im Aufmacher der Literarischen Welt, die morgen der WamS beliegt. "Die Verlagsbranche, die in den letzten Jahren auf die Digitalisierung und E-Bookisierung gestarrt hat wie das Kaninchen auf die Schlange, wird in diesen Monaten von der Materie eingeholt. 'Papier ist ein energieintensives Material, das lernen wir gerade deutlicher als wir es jemals wollten', sagt Jo Lendle, der Verleger des Hanser Verlags." Hinter den Kulissen wird gerade händeringend nach Möglichkeiten gesucht, die Preise nicht allzu schmerzhaft an die Kunden weiterzugeben. "Einen Grund für die lange Zurückhaltung bei den Preisen sieht Lendle im 'Sendungsbewusstsein' der Branche. 'Wir wollen niemanden ausschließen, der es sich nicht leisten kann.'" Im englischsprachigen Raum ist im übrigen zu beobachten, dass E-Books in der Regel deutlich günstiger sind als die Printbücher - während sie in Deutschland meist marginale Preisunterschiede aufweisen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2022 - Kulturmarkt

Die SZ widmet ihren Feuilleton-Aufmacher der Papierknappheit und den damit verbundenen steigenden Preisen, die auch vor der Buchbranche nicht halt machen wird. Lothar Müller hat mit Vertretern der Branche gesprochen, darunter mit Hanser-Verleger Jo Lendle: "Buchverlage haben es versäumt, die Preise mit der Inflation Schritt halten zu lassen. Das lag an der Angst, irgendjemanden zu verlieren. Inzwischen steht der Buchhandel vor uns und fordert: Macht unsere Bücher teurer!" Manfred Metzner vom Verlag das Wunderhorn, wendet allerdings ein: "'Wir können (…) die Verkaufspreise nicht so weit erhöhen, wie wir eigentlich müssten, um kostendeckend zu werden.' Und fügt eine eher bittere Bemerkung hinzu: 'Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist eine strukturelle Förderung von unabhängigen Verlagen festgeschrieben worden. Davon haben wir nichts mehr gehört.'" Der Anteil der E-Books an den Gesamtverkäufen hat sich bei den Publikumsverlagen bei zehn, elf Prozent eingependelt, bei einigen liegt er höher, informiert Müller. Vielleicht würde sich das ändern, wenn E-Books nicht fast so teuer wären wie gebundene Bücher?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.09.2022 - Kulturmarkt

Siv Bublitz verlässt den Fischer Verlag, an ihrer Stelle soll Oliver Vogel verlegerischer Geschäftsführer werden, meldet Felix Stephan in der SZ. Stephan versteht den Wechsel als "programmatische Kehrtwende": "Siv Bublitz... war vor allem als streng betriebswirtschaftlich denkende Saniererin und Change Managerin bekannt. Unter ihrer Führung reduzierte der Verlag die Zahl seiner Veröffentlichungen und fuhr das ruhmreiche Sachbuchprogramm zurück. Der Katalog wurde handlicher, das literarische Programm unterhaltsamer und das messbare Publikumsbedürfnis rückte ins Zentrum der publizistischen Tätigkeit. Langjährige Hausautoren wie Monika Maron und Thomas Brussig verließen den Verlag im Streit, andere, wie die spätere Buchpreisträgerin Anne Weber, gingen lautlos. Jetzt geht auch die Verlegerin, 'wegen unterschiedlicher Auffassungen über die weitere Entwicklung der Verlage', wie es in der Mitteilung heißt. Oliver Vogel war mehr als zwei Jahrzehnte Lektor für deutsche Gegenwartsliteratur bei S. Fischer, davon lange Programmleiter. In dieser Zeit hat er sich den Ruf erworben, den Bedürfnissen der Autoren und der Literatur jenen des Marktes im Zweifel stets den Vorrang einzuräumen."

In der FAZ sieht Andreas Platthaus das ähnlich, betont aber, dass die mit der Person Bublitz verbundenen wirtschaftlichen Erfolge ausblieben: "Stattdessen litt der Ruf des Hauses, vor allem durch die von Bublitz betriebene Trennung von der langjährigen Fischer-Autorin Monika Maron im Herbst 2020. Man muss dieses breit kommentierte Ereignis wohl als Beginn der Entfremdung von Bublitz und der Konzernspitze in Gestalt von Monika Schoellers Halbbruder Stefan von Holtzbrinck sehen, die dort ein abermaliges Umdenken auslöste: volle Fahrt zurück zur Zeit vor Bublitz. Das ist das Eingeständnis eines Irrwegs. Nicht Siv Bublitz ist gescheitert, sondern die Konzernvorstellung eines gewandelten S.-Fischer-Verlags. Angesichts von dessen großer Vergangenheit ist das erfreulich, ein Zugeständnis an literarische Qualität."

In der FAS springt Julia Encke der zuletzt in die Kritik geratenen Transformationsforscherin Maja Göpel zur Seite, sie kann an ihr nichts Anstößiges finden, im Gegenteil: "Wer die öffentlichen Auftritte von Maja Göpel seit einigen Jahren verfolgt, kann feststellen, dass sie in Konfliktsituationen besonders brillant ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2022 - Kulturmarkt

Tobias Timm und Stefan Koldehoff erzählen in der Zeit "Tim und Struppi"-hafte Geschichten um verschwundene Mumien, Goldsärge und hieroglyphenverzierte Stelen,die im arabischen Frühling bei Raubgrabungen entdeckt worden waren und über einen Hamburger Galeristen und verschiedenene deutsche Museen liefen, bevor sie bei der Polizei aktenkundig wurden: "Mit deutschen Museen hatte der Galerist über Jahrzehnte offenbar ein System aufgebaut, das für ihn und die Museen in vielerlei Hinsicht vorteilhaft war: Der Galerist lieh seine Ware oder Teile seiner Sammlung an verschiedene ägyptische Museen in Deutschland aus, die sich mit den Stücken schmücken und an ihnen forschen konnten." Die Affäre hat internationale Weiterungen, auch ein hoher Louvre-Beamter kam in Haft.