9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1327 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 133

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.02.2025 - Internet

Auch die großen wirtschaftlichen Entwicklungen laufen im Moment nicht unbedingt zu Europas Gunsten, stellen Holger Schmidt und Hamidreza Hosseini auf der "Digitalwirtschaft"-Seite der FAZ fest: "Die KI hat in dieser Zeit nicht nur neue Unternehmen wie Open AI, xAI oder Perplexity hervorgebracht, sondern auch die großen Plattform-Betreiber wie Amazon, Microsoft oder Meta um mehrere Billionen Dollar wertvoller gemacht, zeigt unsere Analyse der Top-100-Plattformen. Infolgedessen ist auch die Dominanz Amerikas in der digitalen Welt weiter gestiegen: Der Börsenwert-Anteil der amerikanischen Plattformen am Weltmarkt ist auf den Rekordwert von 86 Prozent gestiegen, während auf Asien nur noch elf Prozent der Werte entfallen. Europa und Afrika spielen in der Plattform-Welt weiterhin keine Rolle: Europas Anteil liegt unverändert bei zwei Prozent; Afrika kommt nur noch auf ein Prozent."

Man darf soziale Medien nicht einfach aufgeben, denn sie sind heute der Ort der Debatte, sagt Björn Staschen, der die Initiative "Save Social" mit begründet hat. Alternativen zu Twitter und Tiktok wie Bluesky oder Mastodon wirken heute zwar noch wie politisch homogene Kuschelecken, aber das muss sich ändern - im Zuge eines Open-Source-Denkens, so Staschen im Gespräch mit Inga Barthels vom Tagesspiegel: "Wir fordern, dass mit öffentlichen Geldern finanzierte Medien und Einrichtungen denselben Aufwand in alternative Plattformen investieren wie in herkömmliche: vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk über die Bibliothek an der Ecke bis zum Bundeskanzleramt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2025 - Internet

Ist das Feuilleton mal langweilig, blättert man in der FAZ einfach in den Wirtschaftsteil. Hier wird ein Problem thematisiert, das zu den vielen Schweigezonen im Wahlkampf gehört, die komplette Abhängigkeit Deutschlands von amerikanischer Digitaltechnologie. Stephan Finsterbusch und Maximilian Sachse legen hier eine Art Anklageschrift vor, die man von vorne bis hinten zitieren möchte, zum Beispiel: "Heute liegt die globale digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nach Angaben des Schweizer IMD-Instituts auf Rang 23. Im Glasfaser-Ranking der OECD belegt es Platz 37, auf der Liste der schnellsten Internetverbindungen Rang 50." Deutschland, so die Autoren, sei heute von amerikanischer Technologie abhängig, wie vor kurzem noch von russischem Gas. Und das wird wohl so bleiben: "Google wird in diesem Jahr 75 Milliarden Dollar für die Entwicklung neuer Technologie ausgeben. Meta und Microsoft stecken zusammen 140 Milliarden Dollar in die Entwicklung neuer KI-Datenzentren; das entspricht den gesamten privaten und staatlichen Ausgaben für Wissenschaft und Forschung in Deutschland. Die Bandbreite der 400 Tiefseekabel, durch die 95 Prozent der globalen Internetdaten fließen, wird zur Hälfte von amerikanischen Konzernen genutzt. Europas Abhängigkeiten sind heute schon so groß, dass in der deutschen IT-Szene der Begriff der 'digitalen Kolonie' kursiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.02.2025 - Internet

Netzpolitik veröffentlicht die Ergebnisse einer groß angelegten Recherche über "Databroker", die massenhaft Handydaten, zum Teil inklusive konkreter Standorte, verkaufen: "Eine Expedition im Dschungel beginnt oft damit, dass man sich langsam per Hubschrauber nähert und das Ökosystem von oben betrachtet. So ähnlich machen wir das auch mit dem Dschungel der Databroker. Schon beim Überfliegen der Datenschutzerklärungen bekannter Apps zeigt sich: Potenzielle Datensammler sprießen an jeder Ecke. Viele Apps nennen Dutzende bis Hunderte 'Werbepartner', an die Daten fließen können. Die Branche wuchert üppig. Viele Databroker schöpfen die Daten aber nicht selbst ab, sondern erhalten sie wiederum von anderen Databrokern. Auf dem Weg von Broker zu Broker werden Daten aus allerlei Quellen miteinander verrührt. So entstehen riesige Pakete mit oftmals unklarer Herkunft - und unklarer Qualität."
Stichwörter: Datendiebstahl

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2025 - Internet

Sam Altman, Geschäftsführer von Open AI, ist von der TU Berlin empfangen worden - und wurde von den anwesenden Studenten begeistert gefeiert, staunt Gerald Wagner in der FAZ. Obwohl er zu jenen Tech-Oligarchen gehört, die neuerdings einen Stau in Trumps Allerwertestem verursachen, konnte er ungestört reden und wurde von TU-Vizepräsidentin Fatma Deniz "nicht über Gebühr" kritisch befragt: "Sein technologischer Messianismus gewinnt seine Überzeugungskraft dabei aus der permanenten Selbstreferenz seiner Wissenschaft und ihrer wichtigsten Schöpfung: Ja, die KI stelle Herausforderungen und berge immanente Risiken, die uns vor Probleme stellen könnten, aber diese würden bald gelöst sein, und zwar von einer noch besseren KI. Die KI werde es quasi nicht dulden, sich selbst als fehlerhaft zu erkennen und diesen Makel nicht abzulegen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.02.2025 - Internet

Der Bewusstseinsphilosoph Jeff Sebo erklärt im SZ-Interview, dass er es nicht für ausgeschlossen hält, dass KI-Systeme in Zukunft Bewusstsein entwickeln werden: "Das Bewusstsein ist eines der größten wissenschaftlichen und philosophischen Rätsel. Selbst bei uns Menschen tun wir uns schwer, es zu erklären. Gleichzeitig steht ungemein viel auf dem Spiel: Entwickeln wir bewusstseinsfähige KI-Systeme, besteht die Gefahr, dass wir fühlende Wesen in unvorstellbarer Zahl erschaffen und es womöglich nicht einmal merken. Das wäre verheerend. Aber auch das Gegenteil birgt Risiken: Vermuten wir bei KI-Systemen ein Bewusstsein, wo keines ist, könnten wir Ressourcen auf sie verschwenden, die wir besser Menschen oder Tieren zukommen lassen sollten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.02.2025 - Internet

Nach Elon Musks Übernahme von Twitter (jetzt X) ist die Plattform nicht nur nach rechts gerückt, auch gewalttätige Inhalte sind präsenter als je zuvor, konstatiert Philipp Bovermann in der SZ. So kommen vor allem Kinder dort ohne viel Suche direkt mit Videos, in denen andere Menschen getötet werden, in Kontakt. KI kann da wenig helfen. "KI-Filter dürften kaum erkennen, ob Videos von Kämpfen, Anschlägen und Unfällen aus dokumentarischen Gründen gepostet werden - oder um des Schockeffekts willen von Kanälen mit Namen wie 'Wildest & Craziest Videos' oder 'Dead People Shit'." Ob der Plattform politische Grenzen gesetzt werden, ist fraglich. "In Brüssel wird schon jetzt gemunkelt, es sei gar nicht absehbar, ob ein neues Gesetz zur Regulierung digitaler Plattformen je zum Einsatz kommen wird. Es soll den Nutzern mehr Kontrolle über ihre Online-Erfahrungen geben und schreibt unter anderem auch ein 'hohes' Maß an Schutz für Kinder und Jugendliche vor. Musk hält Tech-Regulierung für 'Zensur'. Und so könnte das Gesetz zur Verhandlungsmasse mit der Trump-Regierung werden."
Stichwörter: Twitter, X, Musk, Elon, Kinderschutz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.02.2025 - Internet

Der Informatiker Antonio Krüger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) wird in der FAZ nochmal von Alexander Armbruster auf den Deepseek-Schock befragt (unser Resümee) - Chinesen haben mit dieser App bewiesen, dass KI mit sehr viel weniger Aufwand funktionieren kann.  Aber zugleich sind laut Krüger die "von Deepseek verwendeten Modelle und Ideen augenscheinlich nicht wirklich neu - die haben aber diese ganz offenkundig erstmals geschickt kombiniert und ein Verfahren hinbekommen, dass das auch wirklich brauchbar funktioniert." Für Krüger ist das eine "sehr gute Nachricht": "Der Kreis derjenigen, die so ein Modell entwickeln und betreiben können, wird deutlich größer. Bislang ist das eben denjenigen vorbehalten geblieben, die über Milliardenmittel verfügen, die diese riesige Recheninfrastruktur haben, die großen Tech-Konzerne. Das könnte sich ändern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2025 - Internet

Im SZ-Interview mit Andrian Kreye warnt der Tech-Kritiker Tristan Harris davor, dass Elon Musk jetzt auch noch TikTok übernehmen könnte. Dies würde nämlich zu einer massiven Konzentration der Kommunikationsplattformen in wenigen Händen führen. "Eigentlich sollte die amerikanische Verfassung dafür sorgen, dass es keine unkontrollierten, asymmetrischen Machtkonzentrationen gibt. Dafür hat man die checks and balances erfunden, die Gewaltenteilung. Ironischerweise hat sich Elon Musk einen anderen Grundwert der Verfassung auf die Fahnen geschrieben: die Meinungsfreiheit. Aber wir brauchen jetzt erst einmal checks and balances. Und deswegen können wir nicht zulassen, dass die reichsten Personen der Welt nicht nur eine, sondern gleich mehrere der wichtigsten Kommunikationsplattformen besitzen."

In der FR sieht Michael Hesse Parallelen zu dem "Sputnik-Schock" von 1957 und der Panik, die das chinesische Sprachmodell DeepSeek (unser Resümee) jetzt in den USA verbreitet hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2025 - Internet

Die neue chinesische KI-App deepseek hat den Wert des KI-Riesen Nvidia an den amerikanischen Börsen mal eben um 500 Milliarden Dollar reduziert: Die FAZ-Wirtschaftsseiten, aber auch praktisch alle anderen Medien in der Welt, widmen der App ihre Aufmacher. Ganz einfach, warum: deepseek zeigt, dass die Chinesen die amerikanischen Sanktionen als Ansporn begriffen habe, künstliche Intelligenz mit sehr viel natürlicher Intelligenz effizienter zu machen. Deepseek braucht nur einen Bruchteil der Rechenkapazität von Open AI mit ChatGPT und anderen Angeboten - und darum auch weniger Nvidia-Chips der letzten Generation. "Deepseek hat keinen Zugang zu den besten und teuersten Chips von Nvidia, sondern verwendet eine ältere Generation von Computerchips", erläutert die FAZ. "Für ein im Dezember veröffentlichtes Modell verwendete das Unternehmen nach eigenen Angaben nur gut 2.000 Chips, ein Zehntel oder noch viel weniger dessen, was US-Unternehmen benötigen. Die Kosten wurden mit umgerechnet rund 5,5 Millionen Euro beziffert, auch das nur ein Bruchteil."

Und Deepseek selbst ist "kein großer Tech-Konzern, sondern ein kleiner, in Peking ansässiger Spin-off eines Hedge Funds namens High Flyer", schreibt Eflamm Mordrelle in der NZZ. "Er wird vom Unternehmer Liang Wenfeng geleitet. Laut Medienberichten kommt Deepseek mit 200 Mitarbeitenden aus. Die Entwicklungskosten des KI-Modells R1 sollen nur 6 Millionen Dollar betragen haben." Die Entwicklung von Chat-GPT um die 100 Millionen (sagt zumindest Chat-GPT).

Auf manche Fragen hat deepseek allerdings noch keine Antwort:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.01.2025 - Internet

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Die Ökonomin Shoshana Zuboff hat den "Überwachungskapitalismus" früh thematisiert. Nun erzählt sie im Gespräch mit Lars Weisbrod von der Zeit, wie sie mithelfen will, den bisher leider noch etwas langweiligen Twitter-Clon Bluesky durch Open-Source-Protokolle gegen Manipulation zu schützen. Durch Trump ist zugleich eine Situation eingetreten, die sie an die Symbiose der chinesischen Regierung mit Tiktok erinnert: "Trumps Wahlsieg hat die Fusion von Staatsmacht und Privatmacht noch einmal beschleunigt, die Überwachungskapitalismus-Oligarchen setzen ihre Fähigkeiten zur Informationsgewinnung und zur Verbreitung von Desinformation im Dienst der neuen Regierung ein. Im Gegenzug verspricht Trump ihnen, sie mit Regulierungen zu verschonen - und andere Regierungen zu bestrafen, die Regulierungen erlassen."