Magazinrundschau - Archiv

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72 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 8

Magazinrundschau vom 10.03.2015 - Tablet

Ben Judah ist nach Bradford gefahren, einer Gemeinde in England, die ihr Bürgermeister George Galloway zur "israelfreien Zone" erklärt hat. Ein Schachzug, der ihm ordentlich Wählerstimmen bescherte hatte. Und er ist nicht der einzige britische Politiker, der das erkannt hat: "Galloway glaubt keine Sekunde daran, dass das Land erfolgreich multikulturell geworden sei, wie die politische Klasse gern behauptet. Darin besteht sein Genie. Unter der Oberfläche haben pakistanische Clans die vernachlässigten lokalen Parteien in Bradford übernommen. Sowohl Labor als auch die konservativen Parteien sind diesen Clanführern entgegengekommen, die ihnen ganze Stimmenblocks anboten. David Goodhart, Vorsitzender des Mitte-Links-Thinktanks Demos und ein führender Experte in Immigrationsfragen, meint dazu: "Die beiden am meisten vernachlässigten großen Minderheitengruppen, Pakistanis aus Kaschmir und Bangladeschis, sind politisch so erfolgreich und gut organisiert wie sie wirtschaftlich erfolglos sind. Und die Art, wie sie Teile der Lokalpolitik erobert haben, gibt Anlass für einige unangenehme Fragen." [...] In Bradford hat der politische Zugriff der Clans eine Kultur der politischen Verwahrlosung, kulturellen Entfremdung und des städtischen Verfalls noch verstärkt. Dieses System hat Galloway gezielt und erfolgreich angegriffen indem er an die "muslimische Straße" appellierte, die nicht von den Clans repräsentiert wurde und die enthusiastisch auf reißerische und hysterisch antizionistische Parolen reagierte - vielleicht die einzige Sache, auf die sich alle Muslim in Bradford einigen können."

Magazinrundschau vom 01.07.2014 - Tablet

Vladislav Davidzon schreibt eine wunderbare Hommage auf die "noble Frechheit" des Bernard-Henri Lévy, der bei näherem Hinsehen wohl als die exotischste Figur des aktuellsten Geisteslebens gelten darf. Er beschreibt ihn als "zeitweiligen Berufsrevolutionär", ja "freelance Stateman", der eine parallele französische Außenpolitik betreibt, und als einen Verteidiger eines altmodischen Ehrbegriffs aus dem 18. Jahrhundert, der unter europäischen Intellektuellen längst démodé ist. Mit Bewunderung schildert er überdies, mit welcher Unbefangenheit sich Lévy (der ja in Algerien geboren wurde und seine Kindheit in Marokko verbrachte) in der muslimischen Welt bewegt: "Erst jetzt bemerkte ich, dass dieser makellose Franzose, und offen bekennende Jude, dieser unerschrockene Bon vivant, auch eine tiefe Verbundenheit zur arabischen Kultur hat. Die meisten seiner Engagements und ganz sicher die leidenschaftlichsten - von Afghanistan bis Libyen und von Pakistan bis Bangladesch - galten muslimischen Ländern. Er war wohl der größte Fürsprecher der Muslime Bosnien-Herzegowinas und ihres Präsidenten Alija Izetbegović.... Während der libyschen Invasion legte er wert darauf, dass alle Rebellen über sein Judentum informiert waren. Er fühlt sich wohl in der muslimischen Welt, weit wohler als die meisten europäischen Intellektuellen, die darüber sprechen, oder dort intervenieren wollen, oder nach Entschuldigungen für sie suchen."