Magazinrundschau - Archiv

Corriere della Sera

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 31.01.2017 - Corriere della Sera

Antonio Ferrari e Alessia Rastelli haben für die Online-Ausgabe von La Lettura, einer Beilage zum Corriere, eine Webreportage zusammengestellt, die von einem düsteren Ort im Kellergeschoss des gigantischen Mailänder Hauptbahnhofs handelt. Dort gibt es eine Gedenkstätte für die Mailänder Juden, die hier -  verborgen vor den Blicken ihrer Mitbürger - in Güterwaggons verladen und nach Auschwitz verfrachtet wurden. Heute steht an der Wand des riesigen Raums ein einziges Wort: "L'indifferenza" - und doch ist er heute ein sehr belebter Ort, weil die Leitung der Gedenkstätte hier Flüchtlingen aus Syrien und Äthiopien eine provisorische Bleibe gegeben hat. Die Autoren zitieren Roberto Jarach von der Leitung der Gedenkstätte: "Die Gedenkstätte liegt unterhalb der Gleise. Die Räume dienten ursprünglich der Beladung von Postwaggons, die dann mittels eines riesigen Fahhrtuhls nach oben gebracht wurden, wo man sie an die Züge hängte. Dieses für die damalige Zeit höchst moderne System aus dem Jahr 1931 diente tragischerweise keine zehn Jahr später dazu, Hunderte von Personen zu deportieren. Hier unten waren die Schreie nicht zu hören, und man konnte im Geheimen agieren. Zeugen sprechen von großer Gewalt." 21 Transporte sollen von hier abgegangen sein. Von 774 bekannten Personen kehrten 27 zurück.
Stichwörter: Mailand, Holocaust, Ferrari

Magazinrundschau vom 09.05.2014 - Corriere della Sera

Der Corriere bringt ein Gespräch zwischen Hans Ulrich Obrist und Gerhard Richter. Unter anderem kommen sie auf den RAF-Zyklus Richters zu sprechen. Richter erzählt, dass ein Gefühl der Befremdung am Anfang stand: "Wir kamen aus dem Osten, und wir waren glücklich, in den Westen gelangt zu sein. Wir waren überwältigt von der Freiheit, die es da gab. Und dann kam die sogenannte 68er-Generation und sagte, das ist gar keine Freiheit, das ist Faschismus. Ich kam aus einem quasi faschistischen Staat und war erstaunt über ihre Konsequenz und darüber, wie mächtig ein Glaube werden kann."

Magazinrundschau vom 25.06.2013 - Corriere della Sera

Serena Danna führt für den Corriere eines der höchst seltenen Interviews mit Gianroberto Casaleggio, dem geheimnisumwitterten "Guru" von Beppe Grillos Cinque-Stelle-Partei, der durch einige etwas sektenhaft wirkende Videos zur kommenden direkten Netzdemokratie und zu anstehenden Weltkriegen auf sich aufmerksam machte. Heute sagt er: "Das Netz erlaubt zwei Extreme - die direkte Demokratie mit kollektivem Zugang zu direkt vermittelten Informationen, oder eine Orwellsche Neodiktatur, in der man nur glaubt, die Wahrheit zu kennen und frei zu sein, während man unbewusst den Regeln einer übergeordneten Organisation folgt. Es kann auch sein, dass beide Modelle entstehen werden. Natürlich ist es wahrscheinlich, dass die totale Kontrolle der Information und der persönlichen Nutzerdaten eher in den diktatorischen oder halbdiktatorischen Staaten entstehen, während sich die direkte Demokratie eher in westlichen Ländern entwickelt, so dass zwischen den beiden Gebieten auch Konflikte entstehen können." Schön wärs!