Lidorama
Die Filmfestspiele in Venedig - 1. Tag
Von Sascha Josuweit
29.08.2002. Heute abend werden die 59. Filmfestspiele in Venedig mit Julie Taymors Film "Frida" eröffnet. Und um den neuen Direktor Moritz de Hadeln gab es bereits Streit.Was haben die traurige Tatsache, dass Venedig im Schlick versinkt und der Umstand, dass das Filmfest am Lido einen neuen Direktor hat, gemein? Man merkt es nicht. In diesem Sinne urteilte kürzlich das italienische Wochenmagazin L'Espresso.
Ungnädiger äußerte sich Roberto Silvestri im gleichen Heft. Das Fassbinder-Wort, nach Cannes fahre man, um zu essen, an den Lido, um Filme zu gucken, so Silvestri, gelte nicht mehr. Der Berlinale-geprüfte Realkulturpolitiker Moritz de Hadeln habe in der Rekordzeit von nur 4 Monaten über den Haufen geworfen, was sein Vorgänger Alberto Barbera in drei Jahren aufgebaut habe. Aus einem dynamischen Forum für den jungen, couragierten Film sei eine Oase des schnarchlangweiligen Real-Kinos geworden. Und Agnellis La Stampa gilt de Hadeln als "der Direktor, der aus der Kälte kam", als leidenschaftsloser Technokrat, der jede ernsthafte Auseinandersetzung im Bereich der Kultur für einen Störfaktor hält und sich politisch nicht festlegen lässt, im Guten wie im Bösen nicht.

Foto aus dem Eröffnungsfilm "Frida"
"Berlusconi? Nie gehört", überschrieb La Repubblica einen Beitrag über den Festival-Chef, in dem dieser verlauten ließ, nichts von Belang sei ausgeschlossen worden bloß weil es rechts sei. So weit, so nett. Nur was eigentlich heißt "von Belang"? Wenn der bequeme Dualismus einer linken Hoch- und einer rechten San-Remo-Kultur flöten geht, wird manch einer nervös, und es scheint fast, als wäre einigen ein ordentlicher Rechtsruck in der Lagune lieber gewesen als das de Hadelnsche nicht-Fisch-noch-Fleisch, bloß weil sich dagegen wenigstens streiten ließe.
Andere wieder freuen sich einfach auf das Spektakel, die auf 6 Kategorien verteilten 143 Filme (21 davon im Rennen um den goldenen Löwen) und die vielen Stars, von Clint Eastwood bis Meryl Streep, für die de Hadeln und mehr noch vielleicht der Ort immerhin sorgt. Und warten gespannt auf Filme wie Sam Mendes' "Road to Perdition" (mit einem ausnahmsweise eher unsympathischen Tom Hanks), die beiden deutschen Wettbewerbsbeiträge von Doris Dörrie ("Nackt") und Winfried Bonengel ("Führer Ex"), die außer Konkurrenz laufende Gemeinschaftsproduktion von Mira Nair, Ken Loach, Sean Penn u.a. 11.09"01, September 11 oder die große Antonioni-Retrospektive - die letzte wohl, die der 90-jährige Altmeister erleben dürfte.
Heute abend beginnt die 59. Mostra mit Julie Taymors "Frida", ein Film über die mexikanische Malerin Frida Kahlo. Die Hauptrolle spielt Selma Hayek. Mehr darüber morgen.
Sascha Josuweit
Ungnädiger äußerte sich Roberto Silvestri im gleichen Heft. Das Fassbinder-Wort, nach Cannes fahre man, um zu essen, an den Lido, um Filme zu gucken, so Silvestri, gelte nicht mehr. Der Berlinale-geprüfte Realkulturpolitiker Moritz de Hadeln habe in der Rekordzeit von nur 4 Monaten über den Haufen geworfen, was sein Vorgänger Alberto Barbera in drei Jahren aufgebaut habe. Aus einem dynamischen Forum für den jungen, couragierten Film sei eine Oase des schnarchlangweiligen Real-Kinos geworden. Und Agnellis La Stampa gilt de Hadeln als "der Direktor, der aus der Kälte kam", als leidenschaftsloser Technokrat, der jede ernsthafte Auseinandersetzung im Bereich der Kultur für einen Störfaktor hält und sich politisch nicht festlegen lässt, im Guten wie im Bösen nicht.

Foto aus dem Eröffnungsfilm "Frida"
"Berlusconi? Nie gehört", überschrieb La Repubblica einen Beitrag über den Festival-Chef, in dem dieser verlauten ließ, nichts von Belang sei ausgeschlossen worden bloß weil es rechts sei. So weit, so nett. Nur was eigentlich heißt "von Belang"? Wenn der bequeme Dualismus einer linken Hoch- und einer rechten San-Remo-Kultur flöten geht, wird manch einer nervös, und es scheint fast, als wäre einigen ein ordentlicher Rechtsruck in der Lagune lieber gewesen als das de Hadelnsche nicht-Fisch-noch-Fleisch, bloß weil sich dagegen wenigstens streiten ließe.
Andere wieder freuen sich einfach auf das Spektakel, die auf 6 Kategorien verteilten 143 Filme (21 davon im Rennen um den goldenen Löwen) und die vielen Stars, von Clint Eastwood bis Meryl Streep, für die de Hadeln und mehr noch vielleicht der Ort immerhin sorgt. Und warten gespannt auf Filme wie Sam Mendes' "Road to Perdition" (mit einem ausnahmsweise eher unsympathischen Tom Hanks), die beiden deutschen Wettbewerbsbeiträge von Doris Dörrie ("Nackt") und Winfried Bonengel ("Führer Ex"), die außer Konkurrenz laufende Gemeinschaftsproduktion von Mira Nair, Ken Loach, Sean Penn u.a. 11.09"01, September 11 oder die große Antonioni-Retrospektive - die letzte wohl, die der 90-jährige Altmeister erleben dürfte.
Heute abend beginnt die 59. Mostra mit Julie Taymors "Frida", ein Film über die mexikanische Malerin Frida Kahlo. Die Hauptrolle spielt Selma Hayek. Mehr darüber morgen.
Sascha Josuweit