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Essay

Man muss sie nicht hassen

Von Katja Kullmann
22.11.2011. Die Piraten sind ein Interessenclub für das neue WLan-Bürgertum. Ihr Wahlerfolg in der "Kreativhauptstadt" Berlin ist plausibel. Ein neues Bürgertum auf der Suche nach sich selbst.
Der folgende Text ist ein Essay aus dem Band "Die Piratenpartei - Alles klar zum Entern?", der nächste Woche im Bloomsbury Verlag erscheint. Wir danken für die Abdruckgenehmigung. D. Red.


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Bei der Piratenpartei handelt es sich um eines der fas­zinierendsten Missverständnisse unserer aufgeregten Tage. Und das Missverständnis basiert ganz wesent­lich auf der Betrachtungsweise. Denn wer sich mit den Piraten beschäftigt, hat es nicht mit einem neuen poli­tischen, sondern mit einem neuen sozialen Typus zu tun. Nicht als Partei im ureigentlichen Sinne des Wortes sind die Piraten interessant, sondern als Speerspitze einer bestimmten Klasse, einer neu sich definierenden Ge­sellschaftsschicht, die sich gerade erst selbst kennen­lernt, die augenblicklich ihre Reichtümer, Schwächen und Chancen sortiert, und die - vorläufig noch etwas stümperhaft, niedlich bis kindisch, womöglich unschul­dig - nun erstmals über sich und ihre Interessen spricht.

Die einen verklären sie zu Rebellen: "Endlich ein paar Leute, die sympathisch sind und es anders machen wollen!" Die anderen schimpfen die Piraten eine Hor­de von Blendern. Und einige der begabtesten Piraten bekennen sich ganz offen, beinahe schon entwaffnend zugänglich, zu beidem - sowohl zur performativen Au­thentizität als auch zum programmatischen Vakuum: "Bin ich ehrlich und sage, dass ich keine Idee habe, oder stelle ich mich vor die Presse und sondere Sprach­regelungen ab?"1 Und: "Wir haben noch keine endgül­tige Antwort. Der Unterschied zu anderen Parteien ist: Wir stehen dazu."2 Der achselzuckend vorgetragene Piraten-Stolz wurzelt in der Formel: "Na und? Wir sind noch jung! Guckt euch doch selber an!" Eben jener Trotz grundschülerhaften Stils kennzeichnet das piratistische Wutbürgertum. Er findet seinen Resonanz­raum in einem nicht unbedeutenden Teil der Neuen Mitte - in jener sagenumwobenen Masse, die zwar via Flatrate jederzeit an Aberbillionen Gigabytes von Wis­sen angeschlossen ist, aber mit ihrer eigenen Begriffs­stutzigkeit ringt. Es ist eine Masse, die sich als Zufallshorde funkelnder Voll-Individualisten begreift - und die man in ihrer Massenhaftigkeit vielleicht nicht un­terschätzen sollte.

Die Piraten verweisen auf das große, gemeine Frage­zeichen, das derzeit über allem zu schweben scheint - über den Lebensläufen wie über der Weltwirtschaft. Sie loten einen ideellen Hohlraum aus, sie leuchten mitten hinein in das Identitäts-Vakuum, das die vielen Verdat­terten umtreibt, diejenigen, die gerade nicht so richtig zu wissen scheinen, wer sie sind und was sie wollen, und die, obwohl sie im Weltvergleich noch ganz gut dran sind, sich neuerdings als "die hier unten" begrei­fen - im Gegensatz zu "denen da oben".

Man muss die Piraten entzaubern beziehungsweise entdämonisieren, um sie zu verstehen. Und das geht ziemlich einfach. Weder sind sie Rebellen noch Blen­der. Weder sind sie wild, noch lügen sie. Strategische Schärfe ist von ihnen nicht zu erwarten, sie sind nicht intellektuell, eher kaufmännisch gepolt. Sie sind auch keine "Protest-Partei". Sie sind im strengen Sinne nicht einmal eine Partei-an-sich, jedenfalls nicht im politi­schen Sinne, denn sie haben keine originären Inhal­te zu bieten. Sie kümmern sich um "kein Erkenntnis­problem, keine moralische Frage, keine Bestimmung der Vernunft".3 Was ihnen zu komplex erscheint, wird mit der Vorsilbe "post-" versehen und für überholt er­klärt und heißt dann zum Beispiel "post-gender". Es geht ihnen vorrangig um Verfahrensweisen, Techniken, Distributionsvarianten, ganz im Stile einer übereifrigen Abteilungsleitung - nicht um Ideen, sondern lediglich um Transportwege für Ideen. Und schon gar nicht - das ist das größte Missverständnis, das um die Piraten wa­bert - sprechen hier "die da unten" oder gar das "An­ti-Establishment"4. Im Gegenteil, es meldet sich das next Oben zu Wort, das mutmaßliche Establishment von Morgen. Es ist die aufziehende neue (Klein-)Unterneh­mer-Elite, die leading class der Zukunft, die sich hier erst­mals unter einem allgemeinverständlichen Logo ver­sammelt.

So neu ist diese Elite, dass man sie noch nicht an­fassen kann, so neu, dass sie sich selbst (noch) nicht als solche erkennt oder benennt, so neu, dass sie auch von anderen (noch) nicht als solche gelesen wird. Die aufkommende Elite ist jung, derzeit nicht erkennbar wohlhabend, gibt sich hierarchiemüde, zeigt sich her­vorragend ausgebildet und virtuos im Bastler-Business. Sie wirkt studentisch, also auf plausible Art unerfah­ren, und herzergreifend fehlerhaft. Selbstbestimmung ist ihr Abendgebet, wobei sie sich allerdings oftmals mit mehr oder minder bequem geerbten Ressourcen fi­nanziert, über die alt-mittelständische Eltern-Kohorte, über das Sponsoring von aufgeschlossenen Großkon­zernen oder über die Rudimente des Sozialstaats. Es ist eine zwischenfinanzierte, jung-erwachsene Übergangs-Mitte in Lauerstellung.

Statt Utopien (sie hassen dieses Wort) zu entwerfen oder die unterschiedlichen sozia­len Räume zu vermessen, die der neoliberale Brachial-Kapitalismus in überraschender Klarheit freigelegt hat, interessieren sie sich überwiegend für ihren eigenen (medien-)belesenen Raum, den sie folgerichtig zum Hauptthema und zum place to be erklärt haben. Dort, im eigenen Raum, sammeln sie sich in scheinbar vielfälti­gen, jedenfalls unterschiedlich benannten Netzwerken. Beta Häuser, augmented reality und Psychotherapien sind ihre natürliche Umgebung, und wer von ihnen ernst ge­nommen werden möchte, tut gut daran, sich zügig ähn­liche Gerätschaften und Accounts zuzulegen, mindes­tens einen Highspeed-Anschluss. Sonst setzen sie zu ihrem Schlachtruf an, der aller Wahrscheinlichkeit nach auf irgendwie darwinistische Art vernichtend wirken soll und der da lautet: "Ihr seid alt! Ihr seid alt!"

Es sind die Blogger, Twitterer, DaWanda-Kunsthandwerker, Flickr-Meister-Fotografen, Programmie­rer, Online-Händler, -Journalisten und -Berater, das eBay-Kleingewerbe und das freigesetzte digitale Pro­jektmanagement, die scheinselbstständigen Social­Media-Beauftragten, die Stütze beziehenden Remix-Komponisten und Video-Cutter, Fern-Studenten und App-Entwickler, die die Piraten im Visier haben. Zwar leiden all diese Leute aktuell noch unter einem gewis­sen Prekariats-Trauma, doch ahnen einige von ihnen sehr präzise, dass sie eines Tages zu einem erst noch zu bildenden neuen satten Mittelstand der Gesellschaft gehören könnten, womöglich gar zu den ganz großen Gewinnern der kommenden Zeit - und wenn sie selbst es zu Lebzeiten nicht mehr ganz schaffen, so doch mit einiger Gewissheit ihre tipptopp ausgebildeten Pekip-Kinder. Es ist, in Geist und Seele, dieselbe Klientel, die einst, in den 1980er Jahren, als die Automobilindustrie boomte, Kraftfahrzeugerlebnishäuser gegründet, zehn Jahre später Werbeagenturen und Marktforschungs­büros und weitere zehn Jahre später die ersten Coffee-­to-go-Theken eröffnet hat, exakt die Schicht, die einen untrüglichen Riecher für Chancen hat und darauf aus ist, ihre Schäfchen alsbald ins Trockene zu bringen - was ein durch und durch legitimes Ziel in der freien Marktwirtschaft ist. Man muss sie dafür bestimmt nicht hassen.

Es sind die Leute, die der amerikanische Wirtschafts­wissenschaftler Richard Florida vor knapp einem Jahr­zehnt als creative class bezeichnet hat, sozusagen der Bobo-Nachwuchs - eine Schicht, die kein historisches Image-Vorbild hat und noch dabei ist, sich zu sammeln und zu formieren, oder vielmehr: sich zu formatieren. Man könnte, wenn man versuchen wollte, die künfti­ge Bedeutung dieser Kohorte zu antizipieren, von ei­nem neuartigen Bürgertum sprechen, das noch nicht eindeutig als solches identifiziert werden kann. Es ist längst gezeugt, aber es liegt als unterernährtes Früh­chen noch im Brutkasten. Nun ringt es um die Lebens­bedingungen, die es endlich zu Kräften kommen las­sen.

Jenes neue Bürgertum ist noch nicht als solches er­kennbar, weil es andere Formen sucht und findet als das alte. Das erstarkende "Piraten"-affine Bürgertum rekurriert nicht auf Abklatsche einer untergehenden Oldschool-Bourgeoisie, wie es die herkömmliche Führungsklasse noch tut, Finanz-Top-Tausend, Profes­soren, analoge Medien-Mogule. Jagdschlösschen-Ro­mantik oder Budapester Schuhe sind der Piraten Sache nicht. Stattdessen sprechen sie ein herrlich augenzwin­kerndes Business-English - "long story short"1 - oder Gymnasiasten-Deutsch für Eingeweihte - "prokrastinieren"2 - und kokettieren auf Sascha-Lobo-eske Art und Weise mit vierundvierzigmal ironisch gebrochenen Widerstandssymbolen, dem Boheme-Begriff oder eben dem Freibeuter-Signet. (Und so mancher mag im Signal "Pirat" einen Hauch von quasi-linker Alternative sehen und schon von selbst verwalteten Mirabellen-Plantagen mit Grill-Rost-Kartoffeln für umsonst und für alle träu­men; die Piraten sind schlau genug, solcherlei Wähler-Illusionen nicht vorschnell zu zerstören.) Jenes neue Bürgertum wirkt auf den ersten Blick roher, ungeschlif­fener, uneindeutiger als das alte, auch, weil es sich mit verhältnismäßig neuen Produktionsweisen beschäftigt, die bis heute ein Hauch von Abenteuer umweht: das Micro-Preneurwesen, das share-ware-Prinzip, die digi­talisierte Manufaktur-Wirtschaft. Und es verfügt eben (noch) nicht über den ökonomischen Unterbau, der ihm einen Elitenrang unzweifelhaft zuweisen würde. Sein Rohstoff, sein Reichtum und sein Know-how sind weich, bislang schwer fassbar und noch nicht kosten­deckend entlohnt: Bildung und Benehmen, Codes und Charme, Distinktionsgeschick und Ad-hoc-Cleverness. Auf bis zu 40 Prozent der europäischen Erwerbsfähi­gen schätzt Richard Florida das Potenzial der "kreativen Klasse". Der belgische Kunst-Kurator Chris Der­con spricht von einem "Heer kreativer Dienstleister, die nicht wissen, welcher gesellschaftlichen Gruppe sie an­gehören, für die es keine parteipolitischen Programme gibt. Diese Gruppe wächst an, und man hofft, dass sie selbst nicht erkennt, wie groß sie ist."7

Und ganz wie es einst das Handels-Bürgertum im 15. bis 17. Jahrhundert getan hat, eine zu Beginn der Re­naissance noch unterschätzte gesellschaftliche Grup­pe und Kraft, so formuliert das neue digitale Bür­gertum jetzt erst einmal noch etwas ungewiss und stotternd die Bedingungen, die es zu seinem Aufstieg braucht. Damals, vor vier-, fünfhundert Jahren, waren es im Wesentlichen die Zollfreiheit und der Ausbau der Handelswege - heute sind es, so wie es das Grund­satzprogramm der Piraten umreißt, die Abschaffung des Urheberrechts und ein "freies" Internet. "In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können"8, heißt es bei den Piraten. Die creative class will nicht mehr nur spielen, sie will die Geschäfte nun in vollem Umfang aufnehmen und Geld verdienen. Vor allem deshalb will sie "die Monopole brechen", das "Patentrecht" und die "Bevormundung" abschaffen. Sie will ihr Kapital end­lich gewinnbringend einsetzen. Die Forderung hinter allen "Transparenz"-Parolen und allem "Nachhaltig­keits"-Tüll lautet im Kern: Freie Fahrt für freie Bürger. Die Piraten sind, wenn überhaupt, eine Wirtschafts­partei.

Das, was früher einmal "Aufsteigertraum" genannt wurde, steht auch für die Nachfahren unverändert als Hoffnung am Horizont - nur dass die Hoffnung sich heute auf die Formel "digitales Existenzgründerwun­der" konzentriert. Es ist nicht weniger, aber auch nicht mehr als die post-angestellte Variante der klassischen Mittelstandsvision. Eine beeindruckend widerspruchs­freie Anpassungsleistung an das Diktat der Verhältnis­se findet hier statt. Biederkeit und Bürgerfleiß tragen heute keine standardisierten Gabardineanzüge, sie kommunizieren über benutzerfreundliche User-Ober­flächen. Und sie setzen darauf, dass endlich lohnende Geschäftsmodelle gefunden werden für ihr Streben.

"Liquid Democracy" heißt das Schlüssel-Tool der Pi­raten: Es ist ein Softwareprogramm, mit dem akkredi­tierte Nutzer in Themen-Foren diskutieren und über Partei-Anträge abstimmen können. "Liquid Democra­cy" ist grundsätzlich leer. Es ist nichts als eine Online-Pinnwand. Auf ihr kann es um das bedingungslose Grundeinkommen gehen oder um die Abschaffung der Zeitumstellung (zur Abstimmung standen bei den Piraten im Oktober 2011 gleich zwei Varianten: die konstante Beibehaltung der Sommerzeit wie auch die dauerhaft wirksame Winterzeit). "Direkte Demokratie" nennen die Piraten das - und schüren gleichzeitig das Misstrauen an der parlamentarischen Demokratie. Statt "Fraktionsdisziplin" und "Parteiendruck" fordern sie etwa die Stärkung von Einzelpersonen (was Korrup­tion und Lobbyismus selbstverständlich erleichtert). Sie proklamieren eine bürgerliche Gegenwehr gegen den "Überwachungsstaat" - und lesen ihre Berliner Wahlantrittsrede vor der Bundespressekonferenz allen Erns­tes von einem Apple-Computer ab. Sie werden nicht müde, eine "direktere Demokratie" einzufordern, und doch findet sich von den Idealen der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit -, die eigentlich Grundlage einer jeder modernen demokra­tischen Verfassung sind, nur eines in ihrem Grund­satzprogramm. 44 Mal kommt dort der Begriff "Frei­heit" beziehungsweise "Freiheitlichkeit" vor. Immerhin acht Mal ist von den Segnungen der "Individualität" die Rede. Ein einziges Mal taucht das Wort "Solidari­tät" auf.

"Im Netz haben unsere Vorstellungen über elemen­tare Merkmale unserer realen Welt keine Gültigkeit. Be­griffe wie Raum, Zeit, Nähe, Territorium, Identität, Ge­walt, Ressourcen, Freiheit, Arbeit und Eigentum haben im Netz gänzlich andere Bedeutung. Das Netz wird von anderen Gesetzmäßigkeiten bestimmt"9, heißt es bei den Piraten. Ihre Ideologie - die keine sehr neue ist, denn sie stammt aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrtausends - lautet: Die Ära der Ideologien ist vorü­ber. "Where do you want to go today?", fragte Bill Ga­tes in einer Microsoft-Kampagne schon vor ungefähr zwei Dekaden. Nun, endlich, fließen digitaler Marketingsprech und Politik als handliches Mash-up organisch zusammen.

Unterdessen diskutieren, demonstrieren, protestie­ren weltweit gerade die Menschen, viele, überall. Und es sind nicht die Alten, die da auf die sprichwörtliche Straße gehen. Eine große Zahl von ihnen ist sehr jung, manche sogar noch jünger als das allerallerjüngste Pira­ten-Mitglied. Sie streiten um Gerechtigkeit und Fair­ness, sie nehmen ein fürchterlich altmodisches Wort wie "Umverteilung" in ihre Münder, sie wehren sich ge­gen eine Segregation der Städte und ein weiteres Aus­einanderdriften der sogenannten sozialen Schere - es sind wirklich viele, und wirklich überall. Dem WLAN-Bürgertum fällt zu all dem wenig bis nichts ein. Es inte­ressiert sich vor allem für das Zukunftspotenzial seines je individuellen 24-Zoll-Horizonts. Wie gesagt: Man muss sie dafür nicht hassen.

Katja Kullmann

1 Christopher Lauer von den Berliner Piraten im Herbst 2011 bei n-tv, im Gespräch mit dem TV-Journalisten Heiner Bremer und der stellver­tretenden Generalsekretärin der CSU, Dorothee Bär

2 Der Bundesvorsitzende der Piraten, Sebastian Nerz, im Berliner Wahlkampf 2011

3 Roger Behrens in: "Aufklärung statt Transparenz. Die postpoliti­sche Welt der Piraten" (in: Jungle World Nr. 40, 6. Oktober 2011)

4 siehe 1)

5 Aus der Selbstbeschreibung des Berliner Piratenvorsitzenden Chri­stopher Lauer, dessen Blog-"About" entnommen

6 Der Politologe Gerd Langguth, zitiert in: "Unter Piraten" (in: stern 43/2011)

7 Im Interview mit dem Magazin Monopol, Titel: "Das Künstlerpreka­riat sitzt in der Falle" (Juli 2010)

8 Aus dem "Grundsatzprogramm der Piratenpartei Deutschland" (Chemnitz, November 2010)

9 Ebd.

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