Besprochen werden das Livealbum "Building Babylon Live At The Bayou" mit bislang verschollen geglaubten Aufnahmen aus der Frühzeit der legendären Hardcore-Punk-Pioniere BadBrains (taz), "Nachtschicht", das zweite Album von LuiseMatthes' Soloprojekt bauSTELLE (taz), MariáPortugals und FredFriths gemeinsames Album "Matter" (FR) und das neue Album des russischen Rappers Husky, der 2014 zwar die Besetzung des Donbass unterstützte, nun aber offenbar von den Schrecken des Kriegs erzählt (FAZ).
Im Stadtarchiv Leipzig entdeckte Akten zur Leipziger Kirchenmusik, darunter ein Zeugnis, das Johann Sebastian Bach seinem Bassisten Gottlob Friedrich Türsch 1740 ausgestellt hat, "belegen erstmals, dass der Leipziger Rat studentische Sänger und Instrumentalisten gezielt durch Stipendien förderte", schreibt Jan Brachmann in der FAZ: "So schlecht, wie 2024 in dem ARD-Film 'Bach - Ein Weihnachtswunder' behauptet, kann das Verhältnis Bachs zum Leipziger Rat also nicht gewesen sein." Anna Schors recherchiert in VAN dazu, dass beim Gesangsstudium viele Studierende heimlich Privatunterricht nehmen, da dies an den Ausbildungsorten üblicherweise als Tabu gilt. Adrian Schräder wärmt in der NZZ Zürich für das anstehende Konzert von EarlSweatshirt auf.
"Es ist, als würde hier das ganze Genre des Hip-Hops auseinandergeschraubt - und in seinen absurdesten Ausformungen wieder zusammengesetzt", staunt Luca Viglahn (SZ) glücklich überfordert über das neue Album "My Ghosts Go Ghost" des experimentellen Hip-Hop-Duos ByStorm, das darauf den frühen Tod eines dritten Mitglieds betrauert und verarbeitet. Es "klingt wütender, brutaler und chaotischer als ihre bisherigen Projekte. Ritchie rappt oft hektisch, mantraartig, getrieben, wiederholt sich immer wieder, als sei er in unendlichen Gedankenspiralen gefangen. Ein introspektives Chaos. Und eine Art Ausweg: schreien, abdrehen und in Emotionalität und Schmerz völlig zerfließen. Insgesamt bekommt das so viel von der modernen Internetästhetik anderer Experimental-Rapper wie JPEG Mafia oder Death Grips, behält aber auch immer wieder seine ganz eigene, herausragendemusikalischeVorstellungskraft."
Dass BadBunny - in Deutschland wohl erst seit seiner Grammy-Rede vom vergangenen Samstag einem größeren Publikum bekannt, international aber seit Jahren der absolute King im Streaming - kommendes Wochenende die Halbzeit-Show beim SuperBowl bestreiten wird, "bringt Konservative in den USA auf die Palme", schreibt Elena Panagiotidis in der NZZ. Was nicht wundert, denn "der Super Bowl ist in den USA der Fernseh-Event mit der höchstenEinschaltquote. In der Halftime-Show treten bekannte Künstler auf. ... Der Auftritt ist ein Ritual, bei dem die USA sich und dem Rest der Welt erzählen, wer sie sind. ... Bad Bunnys Super-Bowl-Auftritt verspricht in dem aufgeheizten Klima zusätzliche Reibung. Das zeigt sich auch darin, dass nun die Organisation Turning Point USA - die vom im vergangenen Jahr ermordeten rechten Aktivisten CharlieKirk gegründet wurde - eine parallele 'All-AmericanHalftimeShow' angekündigt hat."
Weiteres: Julian Zwingel berichtet in der taz von der Pleite des Berliner Musiksoftware-Herstellers NativeInstruments. Josef Engels spricht für die Welt mit dem Jazzmusiker NilsWülker. Besprochen wird Max Jaffes Album "You Want That Too!" (FR).
Bei der Grammy-Verleihung wurde in diesem Jahr "ordentlich etwas geboten", schreibt Jens Balzer auf Zeit Online: Politische Statements, in die Luft gejagte Tankstellen, und und und. Das mit den Statements gelang den Künstlern "auf gleichsam fröhliche, kluge, entschiedene Weise. Es war dies nämlich vor allem ein Abend, der auf die versöhnende Kraft der Musik setzte." Beeindruckend findet Balzer BadBunny, der als erster für eine spanischsprachige Platte die Trophäe "Bestes Album des Jahres" davon tragen konnte. In den USA gab Bad Bunny zuletzt keine Konzerte mehr, auch "aus Sorge darum, dass dessen ICE-Milizionäre seine Konzerte nutzen könnten, um Menschen aus seinem Publikum gefangenzunehmen und zu deportieren. In seiner Heimat Puerto Rico hat Bad Bunny hingegen gerade eine Reihe von 30 Konzerten gespielt, dabei hat er darauf geachtet, dass die örtliche Tourismusindustrie davon profitiert und dass die Eintrittspreise für die lokale Bevölkerung erschwinglich bleiben (weswegen er sich, das erwähnt Trevor Noah nicht, auch noch mit dem Monopolisten Ticketmaster anlegte)." Und mit seiner "Ice out"-Dankesrede wurde Bunny gar zur "Stimme einer ganzen Generation".
Joachim Hentschel von der SZ war indessen sehr genervt von dieser "TV-ShowallerspeckigsterMachart" und der "der äußerst mediokren, fast bürokratischen Manier, in der im Februar 2026 bei der weltweit wichtigsten Musikpreisverleihung die Stellungen bezogen wurden". Denn "während in Minneapolis Tausende auf den Straßen sind, um Widerstand gegen die Willkür und Gewalt der aus Washington geschickten Abschiebungs- und Grenzschützertrupps zu leisten, erschöpften sich die Solidaritätsbekundungen der Grammy-Gäste im Tragen von Buttons und ein paar pflichtschuldig wirkenden 'Fuck ICE'- oder 'ICE Out!'-Rufen." Carolina Schwarz wünscht sich derweil im taz-Kommentar, dass sich deutsche Promis an ihren Kollegen in den USA ein Beispiel nehmen und ähnlich gegen die AfD austeilen. In der NZZresümiert Rahel Zingg mit zahlreichen Videos die Grammy. Vom Thema Iran ganz zu schweigen, das bei den letztes Jahr noch so palästinasolidarischen Stars (Bilder) keinerlei Regung auszulösen scheint.
Außerdem: In der tazerzählen Beate Scheder und Julian Weber von ihren teils abenteuerlichen Klang-Expeditionen beim CTM-Festivalin Berlin. Besprochen wird ein Konzert von DanielKahn in Frankfurt (FR).
ChristianThielemann dirigiert auch ohneTaktstock, PultundPartituren. So beobachtet von ZeitOnline-Kritiker Florian Zinnecker am Samstagabend beim Brahms-Konzert mit der Berliner Staatskapelle in der Elbphilharmonie (hier das Programmheft als PDF). "Was hier passiert, ist schon psychologisch nicht zu verachten: Ein Mensch ordnet das Chaos der Welt mit bloßen Händen, nicht mit physikalischer, sondern rein metaphysischer Kraft, und macht daraus Rhythmus, Harmonie und Schönheit, sodass sich alle danach ganz aufgeräumt fühlen. Auch das machen alle Dirigenten, klar. Nur sind bei Thielemann sogar die Teppichfransen besonders schön gekämmt. ... Und man hört und sieht, dass Thielemann selbst dieses Requiem als keineswegs vergeistigte, sondern als höchst körperliche Veranstaltung, ja: begreift. Er scheint die Töne aus der Luft zu pflücken, manche löst er sorgsam heraus, einige reißt er mit Gewalt an sich. Einen Kontrabasseinsatz greift er sich mit der gestreckten Linken, einen anderen wirft er in Richtung tiefes Blech."
Weitere Artikel: Nadine Lange resümiert im Tagesspiegel die Grammy-Awards, bei denen mit BadBunnys "Debí Tirar Más Fotos" erstmals ein spanischsprachiges Album als das beste des Jahres ausgezeichnet wurde und die ganz im Zeichen der Proteste gegen ICE standen. In der tazfreut sich Tim Caspar Boehme über die (wenn auch postume) Grammy-Auszeichnung für FelaKuti fürs Lebenswerk. Im Entsetzen über NickiMinajsTrump-Bekenntnis verrät sich mal wieder das Missverständnis, "Rapper und Rapperinnen seien in ihrer rüpeligen Unangepasstheit grundsätzlich Rebellen, die die Umstände ändern oder gar stürzen wollten", schreibt Jakob Biazza in der SZ. Italien feiert mit einer Ausstellung und einem Biopic den vor fünf Jahren gestorbenen Cantatore FrancoBattiato, berichtet Marc Zollinger in der NZZ. Michael Stallknecht erinnert in der NZZ an die Karriere des Kastraten GiovanniBattistaVelluti. In der Weltärgert sich Julian Thellen, dass HarryStyles zwar gerne in Berlin lebt, feiert und den Marathon läuft, hier auf seiner angekündigten großen Tournee aber kein Konzert geben will.
Besprochen werden ein Mozart-Konzert der WienerPhilharmoniker mit DanielOttensamer unter RobinTicciati (Standard), Melanes Konzert in Frankfurt (FR) sowie KaliMalones und DrewMcDowalls Drone-Album "Magnetism" (Jungle World).
Robin Passon wundert sich in der FAZ, dass es beim Basler KammermusikfestivalMizmorim schwerpunktmäßig zwar um Jerusalem und dessen muskalische Kulturen geht, aber niemand so richtig die aktuellen Ereignisse in Nahost ansprechen will: "Können wir dann einfach so das Zusammenleben der Kulturen feiern, während in den palästinensischen Flüchtlingslagern der Winter wütet und die israelische Gesellschaft selbst gespalten ist wie selten?" Passon stört sich daran, dass man "kommentarlos Grußworte des israelischen Botschafters ins Programmheft aufnimmt und auf Stiftungsgelder mit israelischen Anteilen baut". Das fühle sich "zwischen Falafel und Sekt beim heiteren Apéro beklemmend an, zumal inzwischen auch der Dirigent ZubinMehta, ein langjähriger Freund Israels, alle Konzerte in diesem Land aus Protest gegen die Politik Netanjahus abgesagt hat." Im Podcast von Backstage Classicalkommt die israelische Sopranistin ChenReiss auf Mehtas Entscheidung zu sprechen: Für Kritik an Netanjahu ist sie jederzeit zu haben, aber ein Boykott Israels treffe nur die falschen, aber gewiss nicht die politischen Führer.
Weitere Artikel: Lucien Scherrer (NZZ) und Julia Encke (FAS) hören MichelHouellebecqs erste Single als, nunja, "Chansonnier". Beate Scheder und Julian Weber berichten in der taz vom Berliner Avantgarde-Elektro-FestivalCTM, bei dem "der alte Menschheitswunsch, Sound zu visualisieren ... Wirklichkeit geworden" ist. Dass die US-Rapperin NickiMinaj seit kurzem an der Seite von DonaldTrump steht, "erstaunt nicht nur ihre zu großen Teilen queere und migrantische Fangemeinschaft", schreibt Leonie Charlotte Wagner in der NZZ, denn schließlich hatte die US-Rapperin in Trumps erster Amtszeit diesen noch schwerkritisiert. In der FAZ gratuliert Jan Wiele Ur-Punk JohnLydon zum 70. Geburtstag.
Besprochen werden MabeFrattis und TitanicsAlbum "Hagen" (taz), ein Jazzkonzert von LarsDanielsson, JohnParricelli und Verneri Pohjola in Frankfurt (FR) und MakayaMcCravens neues Doppelalbum "Off the Record" (FR).
"Dieser Song ist nicht nur ein gutes, angemessen zornig vorgetragenes Statement gegen dieautoritäre und tödliche Politik des aktuellen US-Präsidenten und seiner Schergen", schreibt Jens Balzer auf Zeit Online über BruceSpringsteens unter den Eindrücken der ICE-Exzesse in den USA entstandenes Stück "Streets of Minneapolis", er ist auch "als Protestsong ... geradezu idealtypisch gelungen". Dies nicht zuletzt darin, wie es Woody Guthrie als Stichwortgeber aufruft. Und es ist "ein zutiefst patriotisches Lied. Es verteidigt ein richtiges gegen ein falsches Verständnis von Patriotismus." Denn die Menschen auf der Gegenseite "sind ebenso falsche Christen, wie sie falsche Patrioten sind. ... 'ICE out / ICE out', lässt Bruce Springsteen am Schluss seines Songs einen Demonstrationschor skandieren. Es klingt wie eine Teufelsaustreibung."
"Offensichtlich sieht Springsteen die Zeit gekommen, um eine breitere Widerstandsbewegung gegen die Politik Donald Trumps zu formieren", schreibt Ueli Bernays in der NZZ. "Subtil" ist die Lyrik zu diesem Zweck zwar nicht gerade, "aber in der gegenwärtigen Situation muss man eben direkt sein", kommentiert Dirk Knipphals in der taz. Nicht nur Springsteen ruft zum Protest auf, auch im eher Trump zugeneigten Country zeigen sich insbesondere unter jüngeren Musikern kritische Stimmen, schreibt Gerrit Bartels im Tagesspiegel und hebt hier JesseWelles und ZachBryan hervor.
Weitere Artikel: Christoph Irrgeher fragt sich im Standard, ob das millionenschwere Strauss-Jahr der Stadt Wien nicht eine große "Geldvernichtung" war. Anastasia Zejneli stellt in der taz die polnischenHiphop vor. Einst als feministische Ikone zur Queen of Rap geadelt, ist NickiMinaj jetzt, da sie mit Trump küngelt, höchstens noch die Queen of Cringe, ärgert sich Alice von Lenthe in der taz. Lotte Thaler berichtet in der FAZ vom Streichquartettfestin Heidelberg.
Besprochen werden ein gemeinsames Konzert von MarthaArgerich und den Brüdern Renaud und Gautier Capuçon in Wien (Standard), ein von Santtu-MatiasRouvali dirigiertes Gastspiel des Londoner PhilharmoniaOrchestra in Wien (Standard) und das Debütalbum der Leipziger Indie-Band FrauLehmann (SZ).
Hartmut Welscher beugt sich für VAN über die alle zwei Jahre veröffentliche Planstellenstatistik, die einen Überblick über Stellenabbau und -wachstum an deutschenOrchestern liefert. Dass sich an der Gesamtzahl nur sehr wenig getan hat, sollte einen nicht beruhigen, da diese Statistik "traditionell nur begrenzt die Realität abbildet. Die Träger der Orchester besetzen in der Praxis oft weniger Stellen als offiziell vorgesehen." Bei manchen Orchestern sei die Vakanzquote gar zweistellig, das seien "echteWarnsignale. Für hohe Vakanzen gibt es vielfältige Ursachen wie Fachkräftemangel, regionale Standortnachteile und teils langwierige Einstellungsverfahren. Wo Unterbesetzung jedoch über längere Zeiträume hingenommen werde, entstehe der Eindruck eines 'stillen Personalabbaus, ohne eine politische Debatte, ohne transparenten politischen Beschluss und vor allem auf Kosten der Beschäftigten', so Unisono-Co-Geschäftsführerin Julia Hofmann."
Im Kommentar auf Backstage Classicalfindet es die Komponistin Kathrin Denner zwar grundsätzlich richtig, dass die GEMA auf veränderte Gegebenheiten mit einer Strukturreform ihrer Kulturförderung reagieren will. Sie warnt aber vor einer Verschiebung zuungunsten von Künstlern "mit mittlerer oder niedriger Aufführungsdichte", bei denen laut ihrer Analyse "deutliche Einnahmeverluste zu erwarten sind, teils in erheblichem Umfang. Auch Studierende verlieren in vielen Fällen, während Berufsanfänger:innen nur dann Zugewinne erzielen, wenn sie außergewöhnlich hohe Leistungsparameter erreichen. ... Kulturförderung droht so, stärker marktförmig zu wirken, statt ausgleichend und stabilisierend zu funktionieren."
Weitere Artikel: Julian Zwingel ärgert sich in der taz, dass die Berliner Universität der Künste im Zuge von Sparplänen der Berliner Politik die SoundStudies als eigenständigen Studiengang künftig einsparen wird - dabei wurden genau in diesem Studiengang in den letzten zwanzig Jahren zahlreiche Künstler ausgebildet, die es "in die ganz großen Kulturhäuser schafften und wichtige Stipendien und Auszeichnungen erhielten". Weitere Hintergründe dazu liefert Eva Murašov im Tagesspiegel. Mit seinem Saisonmotto "American Dream" will SebastianNordmann gerade auch angesichts aktueller Ereignisse Künstler und Orchester aus den USA unterstützen, erklärt der neue Lucerne-Festival-Leiter im Backstage-Classical-Interview. Eine "schallende Ohrfeige" siehttazler Dirk Knipphals darin, dass PhilipGlass die Premiere seiner Lincoln-Sinfonie im Kennedy-Center aus Protest gegen Trump abgesagt hat. Gregor Dotzauer schreibt im Tagesspiegel einen Nachruf auf den Jazzmusiker RichieBeirach. Hanspeter Künzler schreibt in der NZZ zum Tod des Schweizer Musikers HardyHepp. Der Country-Star ZachBryan gehört zu den wenigen Ausnahmen der ansonsten zum beträchtlichen Teil MAGA-besoffenen US-Countryszene, die aktuell den Mund aufkriegen gegen den momentan grassierenden ICE-Irrsinn, schreibt Ueli Bernays in der NZZ, und auch "der 29-jährige Sänger BryanAndrews hat Trumps Politik jüngst aus christlicher Warte kritisiert".
Die Popkritiker trauern um den jamaikanischen Reggae-Schlagzeuger SlyDunbar. Gemeinsam mit dem Bassisten RobbieShakespeare hatte er insbesondere in den Achtzigern zahlreichen internationalen Pop-Acts - darunter die Dire Straits, Joe Cocker, Mick Jagger, Bob Dylan, Serge Gainsbourg und viele weitere - ein Reggae- und Dub-Gepräge mit auf den Weg gegeben. Mit ihrer "Lässigkeit und Eleganz" konnten "Sly & Robbie jeden noch so banalen Popsong mit einem untergründigenRhythmus zu einer Hymne aufladen", schreibt Andrian Kreye in der SZ. "Dunbar zerlegte jeden Groove in unzählige Arabesken. Die Snare setzte er oft unerwartet zwischen Wirbel und Fills, die sich um die Basslinien seines Weggefährten legten. ... Beide beherrschten es in Perfektion, ihre Schläge und Töne um Sekundenbruchteile zu verschleppen oder auch einfach mal eine Pause stehen zu lassen. Das hat auf der Tanzfläche den Effekt, dass der Leib in einen untergründigen Alarmzustand versetzt wird. Wo isser denn, derBeat?"
Auch in den Siebzigern war Dunbar bereits umtriebig. Er "perfektionierte das sogenannte 'Double Drumming', er behielt das Phillysoul-Tempo, aber spielte es mit doppelten Rimshots (Schlägen auf den Blechrahmen der Snare)", schreibt Julian Weber in der taz. "Der Song 'Right Time' von den MightyDiamonds (1972) highlightet seinen Stil. Dunbar ist der pfeilgerade Antreiber, dessen funkyDoubledrumming die Knie stante pede erweicht." Und "wer jemals die Hüften zu 'Padlock' von Gwen Guthrie geschwungen hat, weiß, dass Disco erst durch Dub alle Facetten seiner flamboyanten Persönlichkeit kennenlernen konnte. Auch hier sind Sly und Robbie federführend am Werk." Weitere Nachrufe schreiben Harry Nutt (FR) und Edo Reents (FAZ).
Weitere Artikel: "Man darf nicht mitmachen, muss den Anfängen wehren", schreibt Axel Brüggemann auf Backstage Classical und freut sich über die Konsequenz, mit der PhilippGlass aus Protest gegen Trump die Uraufführung seiner neuen Sinfonie im Kennedy Center abgesagt hat. Jakob Biazza hat für die SZDJHell getroffen, der nicht nur gerade ein neues Album veröffentlicht, sondern aktuell auch an der Musik für ein demnächst in München aufgeführtes, ziemlich abenteuerlich klingendesTheaterstück über Klaus Lemke arbeitet. Christian Wildhagen blickt in der NZZ aufs erste Programm, das der neue Intendant SebastianNordmann für das LucerneFestival zusammengestellt hat: "Zentrale Sparten und Grundstrukturen des Festivals bleiben erhalten", wiewohl sich im Detail "veränderte Akzente" zeigen. NeilYoung hat aus Protest gegen die Küngelei zwischen DonaldTrump und JeffBezos seinen Musikkatalog von Amazon Music abgezogen und außerdem seine Neil Young Archives allen Menschen in Grönland kostenfrei zur Verfügung gestellt, melden Gerrit Bartels (Tsp) und Margarete Affenzeller (Standard).
Besprochen werden eine Netflix-Dokuserie über die Boyband TakeThat (Welt) sowie neue Alben von A$AP Rocky (taz), Robbie Williams (NZZ) und der SleafordMods (Standard).
Leon Frei porträtiert in der SZ die US-Popsängerin EzraFurman, die gläubig jüdisch und trans ist und mit Sorge auf die aktuelle Entwicklung in den USA blickt, von wo aus seit Wochen Horrormeldungen von gewalttätigen ICE-Angestellten das öffentliche Leben bestimmen. "'Bundesagenten mit Masken kommen in die Nachbarschaft und entführen Menschen. ... Man kann das Leuten kaum erklären, dass es so schlimm ist, wie es klingt. Es ist ein verdammter dystopischer Film. ... Und hier bin ich …', der Satz bleibt kurz stehen, er zieht sich bleischwer, 'in Deutschland, wo meine Großmutter gelebt hat. Und vor den Nazis geflohen ist. Unser ganzes Leben haben wir uns gefragt: Was hätten wir damals getan? Das ist unmöglich zu beantworten, bis man in einer Gesellschaft lebt - ich hasse es, das zu sagen, und ich sage es nicht leichtfertig -, in der etwas Vergleichbares passiert."
Weiteres: US-Rapper KanyeWest hat sich mit einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal für seine antisemitischenTiraden und andere politische Fehltritte entschuldigt und sein früheres Verhalten mit einer Gehirnverletzung begründet, die er sich bei einem Autounfall zugezogen haben soll, berichtet Inga Barthels im Tagesspiegel. Besprochen wird ein Konzert der WienerPhilharmoniker unter KarinaCanellakis (Standard),
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