Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.04.2026 - Musik

Ueli Bernays hat sich für die NZZ in der Welt der KI-generierten Musik auf Streamingdiensten umgesehen: Die Zahl entsprechender Uploads nimmt ständig zu, für traditionelle Musiker erhöht sich damit der Druck im Hauen und Stechen um die spärlichen Tantiemen nochmals, während etwa Spotify darin ein Mittel zur Kostenersparnis sieht: "Es geht um den Zusammenhalt eines Publikums, das sich um ein Idol schart, das menschliche Empfindungen weckt und verarbeitet - fast wie ein Therapeut. So entsteht eine Art Intimität zwischen Musikern und den Zuhörern. Aber welch eine Irritation, wenn man plötzlich merkt, dass die Melancholie, die Euphorie oder Verletzlichkeit, die einen berührt, von einer Maschine simuliert ist. ... Wahrscheinlich aber ändert sich mit der Musik auch die musikalische Sensibilität. Kommende Generationen werden die Songs aus dem Computer genießen wie den Kaffee aus dem Automaten."

Die türkische Justiz geht derzeit gegen den Rapper Mabel Matiz vor - zunächst wurde sein Liebeslied "Perperişan" auf staatlichen Druck in der Türkei aus den Streamingangeboten entfernt und wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, drohen ihm nun wegen "Obszönität" auch noch drei Jahre Haft. Da Matiz homosexuell ist, wird ihm auch sein Song entsprechend homoerotisch ausgelegt. Es ist "eine weitere Station im jüngsten Feldzug der türkischen Justiz gegen die Popkultur des Landes: Sänger, Tänzerinnen, Influencer und Komiker werden mit den absurdesten Vorwürfen vor Gericht gestellt", schreibt Susanne Güsten im Tagesspiegel. "Staatsanwaltschaft und Familienministerium nahmen besonderen Anstoß daran, dass in dem Lied ein 'bebe', ein 'Baby', angesprochen wird - als würde das Wort 'baby' nicht so oft in Popsongs vorkommen wie 'yeah'. ... Dass die Gerichte solche Anklagen nicht aus dem Saal lachen, können die sechs Sängerinnen der Band Manifest bezeugen. Sie wurden kürzlich zu dreimonatigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil Regierung und Richter ihre Tanzbewegungen auf der Bühne 'unanständig' und 'exhibitionistisch' fanden."



Weitere Artikel: Wie bereits der Schauspieler Matthew McConaughey hat nun auch Taylor Swift anhand von Soundschnippsel und ikonischen Fotos ihre Stimme und ihr Aussehen beim US-Patentamt als Marke gesichert, um gegenüber KI-Gebrauch und Deepfakes juristisch eine stärkere Position zu haben, meldet Inga Barthels im Tagesspiegel. "Diese in den USA als 'Trademark yourself'-Strategie bezeichnete Vorgehensweise ist kein Garant, um in Urheberrechtsprozessen zu gewinnen", kommentiert David Steinitz in der SZ, "aber helfen könnte sie vor Gericht schon". Christine Lemke-Matwey schreibt auf ZeitOnline einen Nachruf auf den Dirigenten und Musikgelehrten Peter Gülke. Im ND staunt Florian Schmid darüber, wie viele gute neue Punkbands es in Deutschland gibt. Irland bleibt bei seiner antisemitischen Haltung und will den ESC wegen der israelischen Beteiligung nicht übertragen, meldet die Jüdische Allgemeine. Peter Blaha (FAZ) und Egbert Tholl (SZ) gratulieren dem Dirigenten Zubin Mehta zum 90. Geburtstag.

Besprochen werden Paperclip Minimisers Album "II" (FR), ein Konzert des London Symphony Orchestras in Wien (Standard) und ein gemeinsames Album von Nine Inch Nails und Boys Noize ("ein fulminantes, völlig unerwartet veröffentlichtes Album", staunt Max Dax in der FR).




Und dies hier ist ganz klar das Musikvideo der Saison (wie die Macher auf Twitter auch gleich selbst behaupten).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.04.2026 - Musik

Leonard Bernsteins Spätwerk "The Dybbuk" wird selten gespielt und war in Deutschland bislang nur ein einziges Mal und damals auch nur in Auszügen zu hören. Jetzt dirigiert Kent Nagano, selbst ein später Bernstein-Schüler, das Werk mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin in voller Länge. "Wie bei anderen Künstlern, denen früh Erfolg beschieden war, wurde dies für ihn bisweilen zur Herausforderung", sagt der frühere Leiter des Orchesters im Tagesspiegel-Interview. "Manchmal scheint das Publikum einem Künstler nicht zugestehen zu wollen, sich weiterzuentwickeln." Bernstein "erkundet in 'The Dybbuk' seine eigene Musiksprache, bindet komplexe rhythmische Strukturen ein und experimentiert mit Zwölftontechniken. Man hört einen raffinierten Kontrapunkt, freie Tonalität und rhythmische Raffinessen, die die Exotik der Dämonen verdeutlichen. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Klangspektrum. Vielen, die Bernsteins frühere Musik liebten, war das wohl zu schwierig. Mich fasziniert nicht zuletzt sein Mut."

Weitere Artikel: Beim Debüt des japanischen Dirigenten Kazuki Yamada beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, das er ab Herbst leiten wird, war "tatsächlich ein Gefühl von Aufbruch" zu spüren, hält Ulrich Amling im Tagesspiegel fest. Bernhard Uske resümiert in der FR das "Festival der Jugendorchester" in Frankfurt. "Schon lang hat kein Hype mehr so viel Spaß gemacht" wie der um das kanadische Math-Rock-Duo Angine de Poitrine, schreibt Max Fellmann in der SZ (mehr dazu bereits hier und dort). Christian Schachinger stimmt im Standard aufs Donaufestival in Krems ein. Und Helene Slancar porträtiert im Standard das österreichische Schrammelindie-Trio Lovehead, das aus weiblicher Perspektive übers Teeniedasein und Erwachsenwerden singt.



Besprochen werden Jan Wehns Geschichte des Deutschraps (Standard), Stefan Hentz' Biografie von Miles Davis (FAZ) und Irmin Schmidts Komposition "Requiem" (The Quietus).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.04.2026 - Musik

"Nur Rhythmus und Richtung - sonst nichts, weder Farbe noch Linie, noch Melos: Musik als reine Bewegung, als nackter Kraftakt": FAZ-Kritiker Jan Brachmann ist schwer beeindruckt von der deutschen Erstaufführung von Beat Furrers neuem Klavierkonzert bei der Musica viva in München. Es spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit dem Pianisten Francesco Piemontesi. Worum ging's? Um das Klavier als Schlagzeug. Denn: "Gesanglichkeit auf dem Klavier ist eine Illusion, die nur aus dem Zusammenspiel unseres traditionellen Tonalitätsdenkens und der Eigenresonanzanregung durch Obertonverstärkung bei diesem Instrument entsteht. Was bleibt, wenn ohne den alten Tonalitätsbegriff nur noch die akustischen Bedingungen fortexistieren, das hat Furrer hier kompositorisch zu zeigen versucht. Er selbst hielt einen langsamen Satz aus einer Mozart-Sonate für die beste Zugabe zu seinem Konzert. Und als Piemontesi, perfekt ausbalanciert, das B-Dur-Adagio aus Mozarts Sonate KV 332 als Zugabe spielt, wird der Gegensatz aus Schlagen und Singen auf dem Klavier auch als geschichtlicher entfaltet." Bei BR Klassik kann man sich den Abend noch fünf Tage lang anhören.

Das kanadische Math-Rock-Duo Angine de Poitrine (Bild: ReimsCroixRouge, CC BY-SA 4.0)

Seit Anfang Februar, nachdem der US-Sender KEXP ein Konzertvideo des kanadischen Duos online gestellt hatte (hier hatten wir es Ihnen bereits empfohlen), geht Angine de Poitrine mit seinem mikrotonalen Math-Rock durch jede Social-Media-Decke: die LPs werden zu Höchtspreisen gehandelt und in größere Hallen verlegte Tourneen sind ratzfatz ausverkauft. Und das für zwei vermeintliche Außerirdische in beknackten Polka-Dot-Kostümen, die eine völlig quer zum Mainstream liegende, hochgradig vertrackte, aber dennoch sonderbar tanzbare Musik spielen. Der ganze Hype ist "künstlerisch durchaus berechtigt" stellt Nick Joye in der NZZ fest, die Band zeigt gerade auf der Bühne "eine erstaunliche Virtuosität. Mittels allerlei Loop-Stations und sonstigen Effektpedalen generiert der Gitarrist und Bassist Khn de Poitrine multiple ineinander verschachtelte und übereinander geschichtete Klangschlaufen, die der Schlagzeuger Klek de Poitrine mit wendigen Polyrhythmen nachzeichnet. ... Inzwischen muten einzelne Influencer Angine de Poitrine eine ideologische Gravität zu. Ihre handgespielte Musik sei ein Antidot zum KI-Slop, den die Plattenindustrie in den Mainstream pumpen wolle, so wird behauptet."

Weitere Artikel: Christoph Forsthoff porträtiert in der NZZ das britische Aurora Orchestra. Manuel Brug schreibt in der Welt zum Tod des Dirigenten Michael Tilson Thomas. Rüdiger Görner schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Dirigenten Peter Gülke. Besprochen wird das neue Album von Felix Hauptmanns Trio Percussion (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2026 - Musik

Jakob Biazza staunt in der SZ, wie gut Ringo Starr auf seinem neuen Album "Long Long Road" singt. Für seine Stimme war der Drummer der Beatles bisher nicht bekannt: "Wenn Starr singt, ist das auch weiterhin keine Drahtseilnummer. Keine Aneignung oder gar Eroberung der Worte und Gefühle. Es ist eher ein Rezitieren und dabei bleibt er, zumal für einen Drummer, rhythmisch auch weiterhin seltsam sperrig. Klobig fast. Als würde er im Kopf den Takt mitzählen. Aber: Er hat darin nun tatsächlich einen eigenen Sound gefunden. Ein bisschen wie ein altersgütiger, wohlgenährter Rabe, der den Menschen vom Dach herunter Mut zuspricht, und diese Rolle steht ihm irre gut."



Herbert Blomstedt, 98 Jahre alt, brauchte einen Stuhl, um die Berliner Philharmoniker mit Bruckners Siebter Sinfonie zu dirigieren, aber das Ergebnis war fabelhaft, versichert eine begeisterte Christiane Peitz im Tagesspiegel: "Alles singt, alles schwingt. Blomstedt modelliert die Themen der E-Dur-Symphonie mit minimalen Rubati, lässt Klänge erblühen und ersterben, sorgt zwischen Blech-Fortissimi, der C-Dur-Apotheose des Adagio (mit dem berühmten einzigen Einsatz von Becken und Triangel) und Wagnertuben-Chorälen für Ruhe und weite Spannungsbögen, strahlt noch in cis-Moll Heiterkeit aus. Die Trauermusik des Adagio (Richard Wagner gewidmet, der 1883 während Bruckners Arbeit an der Symphonie starb) wird zur Trostmusik, gelassen, innig, himmelwärts. Je älter er wird, desto mehr erweist sich Blomstedt als Meister der Transzendenz und bleibt doch zutiefst menschlich. Das Pathos interessiert ihn weniger als das Kantable, das tänzerisch Grazile des Scherzos, die hüpfenden Doppelpunktierten im Finale."

Weiteres: Wolfgang Sandner schreibt in der FAZ den Nachruf auf den Dirigenten Michael Tilson Thomas. Besprochen werden Lala Lalas neues Album "Heaven 2" (FR) und "Your Favourite Toy" von den Foo Fighters (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.04.2026 - Musik

In der Debatte um einen Reformvorschlag für die GEMA sind sich fast immer fast alle einig: Dessen Umsetzung würde der E-Musik erheblichen Schaden zufügen und ihren Fortbestand aufs Spiel setzen. Der Filmkomponist Anselm Kreuzer vertritt auf Backstage Classical eine andere Position: Die Trennung von E- und U-Musik "wirkt heute wie ein Relikt. Die Musiklandschaft hat sich längst verändert: Sie ist vielfältiger, hybrider, diverser, weniger binär. Die Folgen sind gravierend. Während die Zahl der E-Werke sinkt - viele klassische Werke fallen aus der Schutzfrist - bleibt das Fördervolumen konstant. Das führt dazu, dass immer weniger Berechtigte immer größere Anteile aus den sogenannten Wertungsgeldern erhalten. Gleichzeitig bleiben andere künstlerisch anspruchsvolle Bereiche systematisch ausgeschlossen. Die Förderung driftet auseinander - und verliert zusehends ihre Legitimation. ... Der Reformansatz bricht mit der alten Dichotomie und zielt auf eine offenere, gerechtere Förderung. Mehr Genres sollen berücksichtigt werden, mehr junge Urheber:innen, mehr tatsächlich aktive Kreative. Förderung soll nicht länger an historischen Kategorien hängen, sondern an künstlerischer Relevanz und aktueller Praxis."

Für die Idee, das bei Hamburg gelegene Haus der vor einem Jahr verstorbenen Komponistin Sofia Gubaidulina von den Erben abzukaufen und daraus mittels einer Stiftung einen Ort für Stipendiaten zu machen, können sich zwar viele erwärmen - allein, es kommt nichts so recht in Gang, berichtet Jan Brachmann in der FAZ. Ein Mäzen trat zurück, die Kühne-Stiftung hat andere Baustellen und die Politik bewegt sich nur in Zeitlupe. Bei den Enkeln, "die nun schon ein Jahr lang den Unterhalt des Hauses finanzieren" reißt langsam die Geduld. "Sie würden die Immobilie, deren Marktwert auf 400.000 bis 500.000 Euro geschätzt wird, gern verkaufen. Damit wäre das Stiftungsziel aber gescheitert. Laut einem Konzept des Enkels Alexander Alexandrov wäre etwa eine Million Euro nötig für den Kauf von Haus und Instrumenten, die Gründung einer Stiftung und den geringfügigen Umbau zum Wohn- und Arbeitsort für Stipendiaten." Für den Unterhalt "veranschlagt Alexandrov eine weitere Million Euro. ... Private Geldgeber mit Herz für die Musik sind wieder einmal dringend gesucht." 

Weiteres: Auf ihrem neuen Album will die deutsche Popmusikerin Christin Nichols wirklich nur das Gute, aber gerade bei dieser Eindeutigkeit packt ZeitOnline-Rezensentin Juliane Liebert einfach nur das kalte Grausen: Alles klingt hier so, "als sei der Therapiesprech ihre einzige verfügbare Wahrheit." Helmut Mauró schreibt in der SZ zum Tod des Dirigenten Michael Tilson Thomas. Die neue Pro7-Show "Staying Alive - Stars singen mit Legenden", bei der Kandidaten mit per KI wiederbelebten Stars auf der Bühne um die Wette singen, ist ein "Sendung gewordener Moralspagat", findet Johanna Schmidt in der taz. Im zweigeteilten Reflektor-Podcast spricht Jan Müller von Tocotronic hier und dort mit Benjamin von Stuckrad-Barre über Udo Lindenberg.

Besprochen werden ein neues Album von Ringo Starr (Welt) und das Debütalbum des HipHop-Duos Tape Head & Noni, das tazler Konstantin Nowotny "hocherfrischend" findet.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.04.2026 - Musik

"Mit neuer Kammermusik wird sicherlich kein Einfluss aufs Weltgeschehen genommen", sagt Anselm Cybinski, der in diesem Jahr erstmals die Wittener Tage für Kammermusik leitet, im FAZ-Gespräch gegenüber Jan Brachmann, "aber vielleicht kommt über sie ein Bewusstwerdungsprozess in Gang." Politische Bekenntnisse von Künstlern einzufordern hält er indessen für "falsch und gefährlich. Das käme einer Instrumentalisierung von Kunst gleich. Sollten wir Positionen vorfinden, die völkerrechtswidrig oder nicht verfassungskonform wären, müsste man natürlich sofort einschreiten. Aber was wir hier, einer emphatischen Idee von Kammermusik folgend, leisten können, ist eine Auseinandersetzung mit all diesen Fragen in deren ganzer Vielschichtigkeit. Das muss von uns nicht auktorial vorgegeben werden. Die Leute, die hier zusammenkommen, sind ja mündige Menschen."

Weitere Artikel: Die Agenturen melden, dass 1100 Musikschaffende - darunter die üblichen Gestalten wie Roger Waters, Macklemore und Co. - zum Boykott des Eurovision Song Contest aufrufen, weil auch Israel an dem Wettbewerb teilnehmen wird. Thomas Wochnik porträtiert im Tagesspiegel den japanischen Dirigenten Kazuki Yamada, der ab der Saison 2026/27 das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin leiten wird. Georg Rudiger porträtiert in der NZZ die Dirigentin Marie Jacquot, die heute Abend erstmals das Tonhalle-Orchester in Zürich dirigiert. Merle Krafeld spricht für VAN mit der Sopranistin Annette Dasch. Torsten Groß plaudert für die SZ mit Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl. Phil Hebblethwaite porträtiert für VAN den Gitarristen Sean Shibe.



Besprochen werden der im Kino gezeigte John-Lennon-Konzertfilm "Power to the People" (FR), ein Konzert von Fazil Say in Frankfurt (FR), Lucy Krugers neues Album "Pale Bloom" (FR), der Auftakt des Berliner Klavierfestivals mit Severin von Eckardstein (VAN) und Courtney Barnetts Album "Creature of Habit" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.04.2026 - Musik

Das oberöstereichische Mundart-Akrobatik-Akkordeon-Punk-Duo Attwenger hat mit "Wos" wieder zugeschlagen. Erneut greift "Markus Binder die im Land weitverbreitete Kulturtechnik des verbalen Kreistanzes und die Kunst der variantenreichen Wiederholung ganz im Geiste des Attwenger-Fans Ernst Jandl" auf, schreibt Christian Schachinger im Standard. "Attwenger 2026 bedeutet auch weiterhin lose an volksmusikalische Muster angelehnten, scheppernden und polternden und im Zeichen eines maximalen Minimalismus stehenden akustischen Läst. Er dient als zeitgemäße, elektrisch verstärkte Zündstufe für Konkrete Poesie. ... Die politische Grundhaltung ist und bleibt links. Insofern ist ihr Gizi, Läst und Grant auf die Lage des Landes seit ihrer Gründung vor 36 Jahren nicht geringer geworden."



Besprochen werden Slayyyters Album "Wor$t Girl in America" (Standard), Fleas Album "Honora" (FR) und neue Pop- und Rockalben, darunter Sofia Isellas EP "Something is a Shell", auf der laut Standard-Kritiker Christian Schachinger "in Bild und Ton ein Gesamtkunstwerk geboten wird, das sich mit dem Patriarchat, Gewalt und Sexismus beschäftigt".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.04.2026 - Musik

Besprochen werden das neue Album von Joe Jackson (Standard), ein Auftritt von Boko Yout in Köln (taz) und das Album "Minora Sky" des Jan Schreiner Large Ensembles (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.04.2026 - Musik

Ueli Bernays erinnert in der NZZ an Prince, der vor zehn Jahren gestorben ist. Besprochen werden ein Konzert von Igor Levit in Frankfurt (FR), ein von Christian Thielemann dirigiertes Konzert der Staatskapelle Berlin in Wien (Standard) und das neue Album von Apparat (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.04.2026 - Musik

Deutschrap ist im Wandel und legt seine rüde Hetero-Maskulinität zusehends ab, beobachtet Theresa Hannig in der FAZ: Immer mehr schwule Rapper und Rapperinnen erobern selbstbewusst die Bühne und die Charts. Und "wer Gefühle zeigt, ist nicht mehr schwach: Das verstehen auch immer mehr heterosexuelle männliche Rapper. Selbst muskulöse Jungs wie Disarstar (kahl rasiert und tätowiert) versuchen das homophobe und hypermaskuline Image des klassischen Straßenraps zu dekonstruieren. ... Unterdessen verbreiten sanfte Jungs wie LGoony Melancholie und Verletzlichkeit." Doch "womöglich ist es sogar ein Trend, sich als besonders sensibel und verständnisvoll zu präsentieren, um Frauen zu gefallen. Der 'Performative Male' hat also den Deutschrap erobert, was auch Apsilon weiß: 'Bucht mal eure Indie-Rapper, [...] die auf Feministen machen für ein bisschen Pussy.'"

Weiteres: "Es gibt überhaupt keine Musik mehr in Afghanistan", sagt die aus ihrer Heimat geflohene Musikerin Elena Yaqubee im taz-Gespräch: "Wenn wir nicht aufpassen, geht so viel kulturelles Wissen verloren. Musik zu machen, ist für mich eine Form des Widerstands." Die auch feuilletonistisch messbaren Wallungen um Justin Biebers minimalistischen (manche meinen: die Arbeit verweigernden) Auftritt beim Coachella Festival entlocken tazler Detlef Diederichsen nicht viel mehr als ein müdes Lächeln, viel wichtiger findet er es, mal darauf zu schauen, "dass das Coachella-Festival von der Anschutz Entertainment Group des rechts-religiösen MAGA-Unterstützers Philip Anschutz veranstaltet wird". Jochen Overbeck porträtiert in der Welt den Rapper Marteria. Der Musiker Maximilian Pongratz schreibt in der SZ einen Liebesbrief an das Akkordeon.

Besprochen werden ein Messiaen-Konzert des Tonhalle-Orchesters unter Kent Nagano (NZZ), ein Konzert des HR-Sinfonieorchesters mit armenischer Musik (FR) und Frank Schäfers Buch über Motörhead (FAZ).
Stichwörter: Deutschrap, Performative Male