Im Rahmen von
Jan Böhmermanns Ausstellungsprojekt
im Haus der Kulturen der Welt in Berlin wäre am 7. Oktober auch ein Auftritt des Rappers
Chefket vorgesehen gewesen. Da dieser auf
Instagram mit einem Shirt zu sehen war, das mit einer Palästinakarte ohne Israel bedruckt war, äußerte Kulturstaatsminister
Wolfram Weimer (der wiederum selbst tags darauf mit Böhmermann die Bühne teilt) öffentlich und intern Bedenken, dass ausgerechnet am 7. Oktober
antisemitischen Positionen eine Bühne gegeben würde. Böhmermann sagte den Auftritt des Rappers nach anfänglichem Protest dann doch schließlich ab.
Ein Fehler, findet Jens Balzer auf
Zeit Online. Chefkets Hemd findet er zwar auch nicht gut und die Einplanung für den 7. Oktober instinktlos. Aber Balzer hat in Chefkets Schaffen keinen Antisemitismus gefunden. Dieser sei "ist offenbar nur
irgendein beliebiges Ziel, das sich gerade anbot, um eine bestimmte Form der Meinungs- und Deutungshoheit durchzusetzen". Balzer vermutet, Weimer versuche vor allem "seine Autorität als Aufsichtsrat des Hauses der Kulturen der Welt gegen dessen freie Programmgestaltung durchzusetzen". Dies "beschädigt aber nicht nur
die Freiheit der Kunst", sondern "auch den bitter nötigen Kampf gegen den - popkulturellen und anderen - Antisemitismus gerade dort, wo er
weit dringlicher wäre." Ähnlich
sieht es Daniel Bax in der
taz: Weimar "hat deutlich gemacht, was er von der Kunst- und Meinungsfreiheit hält:
nichts".
Claudius Seidl fragt sich in der
SZ, warum Chefket überhaupt eingeladen wurde: "Welcher
konzeptionelle Gedanke" dahinter "gesteckt hat, ist nicht zu erkennen". Ähnlich
geht es taz-Kritikerin Laura Ewert mit der Ausstellung im HdKdW. Sie kann beim besten Willen
keine "
Metaebene" erkennen: "Im Innern steht eine große Büste von Helmut Kohl aus Butter, eine Rauchkabine wie in Flughäfen, nur mit echten Zigaretten, in der man auch
ganz echt rauchen kann. (Über diese Unvernunft sind dann alle ganz aus dem Häuschen!). Es gibt eine Maschine, die alle 28 Minuten ein Kuscheltier schreddert, wenn man nicht 20 Euro zahlt und ein Foto von sich macht, das im Internet landet. Auf Grabsteinen stehen Geburtstage, Name und geschätzte Vermögen der reichsten deutschen Männer. Und dann gibt es noch
Nacktbilder von Merz, die eine KI errechnet hat."
Weitere Artikel: Karl Fluch
erzählt im
Standard die Geschichte von
Carol Kaye, der "
berühmtesten unbekannten Bassgitarristin der Welt", die zwar auf rund zehntausend Aufnahmen und in zahlreichen Evergreens zu hören ist, eine Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame aber ablehnt, weil sie "sich als Jazz- und nicht als Rock-Act sieht, nicht als Solokünstlerin, sondern als Teil eines Studioteams". Dass der puerto-ricanische Sänger
Bad Bunny die Halbzeitshow beim
Super Bowl 2026 spielen wird, ist "relativ laut brüllende Positionierung gegen Präsident Donald Trump", stellt Jakob Biazza in der
SZ fest. Kai Müller
verneigt sich im
Tagesspiegel vor dem Berliner
Trio Gewalt, das mit seiner kompromisslosen Verweigerungshaltung zwar auf den Pop-Olymp zielt, diesen aber auch genau deswegen immer wieder verfehlt. Melanie Biedermann
porträtiert in der
Zeit die Popmusikerin
Kings Elliot. Helene Slancar
sorgt sich im
Standard um die
Zukunft des K-
Pop. In der
SZ gratuliert Christian Mayer
Ralph Siegel zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden ein Hamburger Abend mit
Jan Delay und
Benjamin von Stuckrad-
Barre zu Ehren von
Udo Lindenberg (
taz), ein Konzert der
Wiener Philharmoniker unter
Fabio Lusi (
Standard),
Aruán Ortiz' Klavier-Album "Créole Renaissance" (
FR), ein Konzert von
Maxim Lando in Frankfurt (
FR), ein Open-Air-Konzert in Berlin-Kreuzberg mit der Punkband
ZSK (
taz) und neue Popveröffentlichungen, darunter
Lady Wrays "Cover Girl" ("eine souveräne Bestätigung als Spitzendame auf dem Feld des Neo-Soul",
schwärmt Karl Fluch im
Standard).