Giulio Romano (um 1499-1546), Tigerin im Sprung, um 1530, Feder in Braun mit Lavierung, 190 x 308 mm. Foto: André Mischke. Völlig hingerissen ist Stefan Trinks in der FAZ von der Ausstellung "Linie und Idee" im Martin von Wagner Museum der Würzburger Residenz. Er kann hier eine "staunenswerte Vielfalt der mit atemberaubend sicherem Qualitätsblick" vom Maler und Kunstsammler Martin von Wagner zusammengetragenen Zeichnungen aus Barock und Renaissance entdecken. Aus der immensen Sammlung, die von Wagner dem Museum 1857 vermachte, wurden nun 77 besonders "schräge" oder künstlerisch herausragende ausgestellt: "Giulio Romano fängt wie in einem fotografischen Schnappschuss eine 'Tigerin im Sprung' in einer lavierten Federzeichnung ein, die nicht nur vor gespannter Energie fast birst, vielmehr auch die Geschwindigkeit der Raubkatze anzeigt, indem ihre Zitzen vom Flugwind an die Seite des Körpers gedrückt werden. Am abgründigsten aber bleibt die 'Mumifizierte Katze' eines anonymen Florentiner Künstlers der Zeit, der die feline Mumie wohl der ägyptischen Katzengöttin Bastet ebenso wie Da Carpi seine Bronzerosse mit Leben füllt, indem er die Wiedergängerin vom Friedhof der Kuscheltiere ihr Köpfchen zur Rechten neigen lässt, als fixierte sie Beute."
Besprochen werden die Ausstellung "Verborgene Moderne. Faszination des Okkulten um 1900" im Leopold-Museum in Wien (NZZ), die Ausstellung "Carl Schuch und Frankreich" im Frankfurter Städel (SZ) und die Ausstellung "Emilio Vedova - Mehr als Bewegung um ihrer selbst willen" im Kunsthaus Dahlem (Tsp).
Stefan Trinks, für die FAZ auf der Art Week Tokyo, staunt, wie die japanische Kunstwelt es schafft, Natur und Kultur zukunftsweisend miteinander zu verbinden: "Kenji Yanobes 'Atom Suit Project: Nursery School 1, Chernobyl' von 1997 spricht Bände. Im abermals grellgelben Tiefseetaucheranzug sitzt der Künstler lange elf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in einem in panischer Hast verlassenen Kindergarten der benachbarten Stadt vor einer zerrupften Spielpuppe und macht damit zweierlei deutlich: Die Natur in Form von Schimmel an den Wänden und durch die Scheiben eindringender Gewächse braucht den Menschen nicht und wird ihn mühelos überleben. (…) Wenn dann noch die junge Künstlerin Tsuyoshi Ozawa wie Arcimboldo in der Renaissance eine 'Vegetable Weapon' aus Lauch und Salat bastelt, um die futuristische Gemüsewumme auf ein unsichtbares Ziel zu richten, verstärkt das den Eindruck dieses Grundzugs aktueller japanischen Kunst nur noch weiter: Natur plus Künstlichkeit ist gleich - Zukunft."
Weiteres: Jens Hinrichsen berichtet für Monopol vom Videokunst-Festival Loop in Barcelona, das dazu auffordert, ganz genau hinzusehen. Philipp Meier interviewt für die NZZ den Schweizer Künstler Luciano Castelli, der einst zu den Berliner Neuen Wilden gehörte.
Besprochen werden: Die Arbeiten von Kara Walker, die unter dem Titel "Dispatches from A- and the Museum of Half-remembered Histories" in der Galerie Sprüth Magers ausgestellt werden (Tagesspiegel) und die Yayoi Kusama-Retrospektive in der Fondation Beyeler in Basel (Welt).
Der Künstler Thomas Scheibitz hat keine Scheu sich mit Picasso oder seinen Lehrern wie A. R. Penck ausstellen zu lassen, erinnert Peter Richter in der SZ. Nun setzt er seine Werke in der Münchner Pinakothek der Moderne neben die des konstruktivistischen Dresdner Malers und Bildhauers Hermann Glöckner, und Richter staunt über ein Hommage an einen Künstler, der sich von keiner deutschen Diktatur vereinnahmen ließ: "Glöckner malte zur Nazi-Zeit lieber gegen kümmerlichen Lohn Firmennamen an Firmenmauern als soldatische Heroen und deutsche Mütter auf Leinwand wie so viele seiner Kollegen. Und er hielt auch unter den Sowjets und in der DDR daran fest, lieber die Abenteuerreiche des Nichtgegenständlichen zu erkunden, anstatt mutmachende Werktätige abzubilden. So entstanden wunderliche Faltungen, Strichkonstruktionen, große freihändige Schwünge mit dem Stift, Skulpturen, zur Not auch mit Bügeln, Stanniolpapier und was der Haushalt sonst so hergab."
Frida Kahlo: "El sueño (La cama)". 1940 Mit 54,7 Millionen Dollar ist Frida Kahlos Gemälde "El sueño (La cama)" das teuerste je versteigerte Kunstwerk einer Frau, und doch macht der Preis nur einen Bruchteil dessen aus, was etwa Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" 2017 bei einer Auktion erzielte. Auf Zeit Online fragt sich Justine Konradt, woran der Gender-Pay-Gap in der Kunstwelt liegt. Immerhin die Geschlechterparität im Hinblick auf Einzelausstellungen ist langsam ausgeglichen, vermerkt Katharina Rustler im Standard. Im Tagesspiegel versucht Christiane Meixner zu erklären, weshalb gerade dieses Werk so wertvoll ist, wurde das Werk doch 1987 noch für "nur" 51.000 Dollar versteigert: Aber der Kreis vermögender Sammler ist enorm gewachsen, weiß Meixner.
Weitere Artikel:Für die Welt spricht Cornelius Tittel mit der deutschen Kunstsammlerin Ingvild Goetz über ihre Sammlung und ihre ersten Ausstellungen. Auf den "Bilder-und-Zeiten"-Seiten der FAZ erinnert Thomas Combrinck an den Berliner Fotografen Waldemar Titzenthaler.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Die Pazzi-Verschwörung. Macht, Gewalt und Kunst im Florenz der Renaissance" im Berliner Bode-Museum (taz) und die Ausstellung "Hommage an Vittore Carpaccio. Ein restauriertes Meisterwerk und die Malerei Venedigs um 1500" in der Berliner Gemäldegalerie Berlin (FAZ).
Angenehm ist diese Reise nicht, zu der Kara Walker in ihrer aktuellen Ausstellung in der Berliner Galerie Sprüth Magers lädt, warnt Sebastian Frenzel bei Monopol vor. Denn die amerikanische Künstlerin blickt in ihren Collagen und Gemälden auf jenen Teil amerikanischer Geschichte, der gern verschwiegen wird, etwa in ihrer Arbeit: "The Second Thanksgiving", die daran erinnert, "dass bei diesem Nationalfeiertag Ende November neben Truthahn, Mais und Süßkartoffeln immer auch eine kräftige Portion Gründungsmythos serviert wird. Als die europäischen 'Pilgerväter' im Jahr 1620 im heutigen Massachusetts landeten, hätten sie den ersten Winter ohne Hilfe der einheimischen Wampanoag nicht überlebt, die ihr Essen mit den Ankömmlingen teilten und ihnen Anbautechniken beibrachten. Aus Dankbarkeit feierte man ein gemeinsames Fest, so jedenfalls geht die Erzählung. Dass die Kolonisten keine Dankbarkeit, sondern Völkermord, Sklaverei und Landraub brachten, wird bei diesem Familienfest bis heute unter den reich gedeckten Tisch gekehrt."
Besprochen werden die Ausstellung "Impressionismus in Deutschland" im Museum Frieder Burda in Baden-Baden, die der FAZ-Kritikerin Alexandra Wach auch die Erinnerung an lange unbeachtete Malerinnen wie Sabine Lepsius, Maria Slavona oder Dora Hitz verdankt und die große Gerhard-Richter-Retrospektive in der Pariser Fondation Louis Vuitton (Tsp, mehr hier).
NZZ-Kritiker Michele Coviello schult dank Digitalkuratorin Maren Burghard sein Auge für die Zukunft in der Ausstellung "New Realities" im Stadtmuseum Aarau: "In ihren KI-Bildern baut Burghard Fehler teilweise bewusst ein, andere macht die KI selber. Die Bilder lassen einen frösteln, sie verströmen etwas Glattes und Seelenloses. Aus einer Blumenvase schaut ein Tentakel eines Tintenfisches heraus. Und ist das eine Kaffee- oder doch eine Nähmaschine? Jedenfalls trägt das Gerät die Aufschrift 'veritas'. Aber wo liegt denn die Wahrheit? Sie ist sicher nicht das, was uns die KI zeigt - auch das will Burghard mit ihren Bildern beweisen. Jede KI ist nur so gut wie ihr Datensatz. Bei Bildmodellen ist es genauso. Und diese sind vor allem mit dem Material ihrer zahlungskräftigen Kunden gefüttert: vorwiegend weiß und männlich. ... Mansplaining dringt durch."
Gus Dirks: An Easter Hold-Up. Sonntagsseite vom 8. April 1900. Grimmwelt Kassel Ralph Trommer (taz) hat viel Freude in der Ausstellung "Ich, das Tier" in der Kasseler Grimmwelt, die anthropomorphe Tierdarstellungen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart zeigt - darunter Illustrationen des Franzosen Grandville, "die gängige Muster der Tierfabeln ad absurdum führten. Seine surrealen Szenen sind voller Mischwesen zwischen Pflanze, Tier und Mensch. In einer Lithografie zeigt er angelnde Fische, die im Wasser plantschende Menschen mit Schmuck, Tabak oder Urkunden ködern. Grandville hielt der damaligen Gesellschaft auf originelle Weise den Spiegel vor."
Weitere Artikel: Für die Zeit spricht Tobias Timm mit der amerikanischen Künstlerin Kara Walker, deren Collagen und Aquarellen derzeit in der Berliner Galerie Sprüth Magers zu sehen sind, über Trump, indigene amerikanische Geschichte und die neue Hässlichkeit von San Francisco. Da gerade Maurizio Cattelans Goldklo in New York (nur knapp über Goldwert) versteigert wurde, blickt Hanno Rauterberg ebenfalls in der Zeit auf die Geschichte der Toilette in der Kunst. Nicola Kuhn resümiert im Tagesspiegel ein Kolloquium "Kunsthandel der Moderne" in der Berlinischen Galerie bei der auch über die neuen Schiedsgerichte diskutiert wurde.
Bild: Nadja Buttendorf, Robotron - A Tech Opera, Videostill / video still, seit / since 2018 Fast vergessen, aber wahr: Auch die DDR entwickelte im Kombinat Robotron ab den 1960er Jahren volkseigene Computer, erinnert Tilman Baumgärtel in der taz - PCs wurden allerdings nicht gebaut. Dennoch beschäftigten sich in den 1960er und siebziger Jahren Künstler in der DDR mit Kybernetik und früher Digitalisierung, wie die Ausstellung "Robotron. Code und Utopie" in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst aktuell zeigt: "Da ist zum Beispiel A. R. Penck, der gleich mit mehreren Arbeiten vertreten ist, einmal mit einem ganzen Zyklus von Zeichnungen, in dem seine Strichmännchen schon an etwas hantieren, das wie ein Computerarbeitsplatz mit angeschlossenem Internet aussieht. Die Filzstiftzeichnung 'Computermodell' von 1970 scheint von kybernetischen Diagrammen und Lochkarten beeinflusst zu sein. Auch die Hommage an Claude Shannon, einem Pionier der Informationstheorie, die Ruth Wolf-Rehfeldt mit ihrer Erika-Schreibmaschine tippte, hat man nicht unbedingt kommen gesehen."
Weiteres: Endlich werden auch die Kunsthändlerinnen gewürdigt, freut sich Dorothea Zwirner in der Welt. Dennoch bleibt es unfassbar, dass Berthe Weill so schnell vergessen wurde, prägte sie als Galeristin die Kunst der europäischen Avantgarde doch maßgeblich mit, wie derzeit eine Ausstellung im Pariser Musée de l'Orangerie zeigt: "Als 'Notre-Dame des Fauves' war Berthe Weill eine Vorkämpferin der wilden jungen Maler um Matisse, noch bevor diese beim Herbstsalon 1905 ihren Gruppennamen erhielten." Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Rotes Gold - Das Wunder von Herrengrund" im Sponsel-Raum des Neuen Grünen Gewölbes, Dresden (FAZ).
"Heuchlerisch" findet Isabel Heusser in der NZZ die Debatte um die Sammlung des Waffenfabrikanten Bührle und der fraglichen Provenienz der gesammelten Kunstwerke (unsere Resümees): "Selbstverständlich ist es wichtig, die Herkunft der Werke sauber abzuklären. Wie groß der Nutzen dieser weiteren Untersuchung ist, ist allerdings fraglich. Die Kritik an der Bührle-Sammlung dürfte kaum abreißen. Denn im rot-grünen Zürich ist allein der Umstand eine Ungeheuerlichkeit, dass im Kunsthaus das Erbe eines Waffenhändlers gezeigt wird. Schon vor fast zehn Jahren schlugen zwei Stadtparlamentarier der Grünen vor, eine Flugabwehrkanone aus Bührles Fabrik vor dem Chipperfield-Bau aufzustellen, um ein 'Ausrufezeichen' zu setzen. Jahre später brachte der damalige Stadtrat der Alternativen Liste, Richard Wolff, diese Idee wieder auf. Seine Partei verlangte von der Stiftung, die Werke dem Museum als Schenkung zu überlassen."
Dass Friedrich Merz sich bei einer privaten Stiftung ein Gemälde für sein Büro geliehen hat, findet Nicola Kuhn im Tagesspiegel reichlich befremdlich: "Zur fragwürdigen Angelegenheit wird des Kanzlers Bilderwahl, wenn man erfährt, dass der Leihvertrag mit der in Bonn ansässigen privaten Stiftung für Kunst und Kultur geschlossen wurde, deren Vorsitzender der Impresario Walter Smerling ist. Sie unterhält das Museum Küppersmühle in Duisburg, dessen Präsentationen vornehmlich auf Leihgaben privater Sammler zurückgehen." Smerling hat erst vor wenigen Wochen die Unterstützung des Kulturstaatsministers Weimer für eine Schau zur 250-Jahr-Feier der US-Unabhängigkeit gesucht: "Die Politik der kurzen Wege, von einer Etage des Kanzleramts zur anderen, hat hier demnach nicht verfangen. Aus Mangel an finanzieller Unterstützung muss Smerling nun seine Jubiläumsschau auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, wie er auf Nachfrage mitteilt."
Birgit Rieger interviewt Marion Ackermann, die Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ebenfalls für den Tagesspiegel, zum Thema Sicherheit in den Berliner Museen. Ideal ist die Situation wie im kürzlich beraubten Louvre auch hier nicht: "Man darf nie behaupten, es kann nichts passieren. Sicherheit ist ein Prozess. Man muss permanent daran arbeiten. Auch die Methoden der Verbrecher werden immer ausgefeilter. Die Frage ist, wie viel der Gesellschaft die Sicherheit der Museen wert ist? Allein eine Vitrine der höchsten Widerstandsklasse kostet enorm viel Geld."
Weiteres: Ulf Erdmann Ziegler macht sich für Monopol Gedanken über die Paris Photo. Frauke Steffens berichtet in der FAZ von der Wiedereröffnung des Breuer Buildings in Manhattan, einst Museum, jetzt Auktionshaus. Wie Gerüche den Besuch eines Kunstmuseums verändern, eruiert Uwe Ebbinghaus ebenfalls für die FAZ im Kunstpalast Düsseldorf und in der Ausstellung "Die geheime Macht der Düfte."
Dass das Thema KI auf der Paris Photo im Grand Palais weitgehend ignoriert wird, erstaunt Marcus Woeller (Welt) zwar. Und auch gewagte Positionen sucht er vergeblich - dennoch überzeugt ihn die Messe etwa durch die Retrospektive mit Arbeiten von Sophie Ristelhueber, deren Arbeiten einmal mehr zeigen, wie wichtig es ist, "Fotografie als Dokumentar und künstlerischer Verstärker der Wirklichkeit zu verteidigen". Die Pariser Galerie Jérôme Poggi hat "über sechzig Fotografien von Sophie Ristelhueber zu einer monumentalen Bildfläche gefügt. Man sieht vom Krieg gezeichnete Menschen, verwundete Landschaften, geheimnisvolle Stillleben. Vier Wochen lang war Ristelhueber im Herbst 1991 mit Flugzeug und Hubschrauber über die Wüste Kuwaits geflogen, um die Spuren des Krieges zu fotografieren, der ein halbes Jahr zuvor dort getobt hatte. Manche dieser Spuren stehen in der Landschaft wie abstrakte Skulpturen. Auf den Aufnahmen ist kaum auszumachen, ob man Trümmer oder architektonische Reste sieht."
Besprochen werden die Ausstellung "Great Transformation" mit Werken von Lena Schramm in der Frankfurter Galerie Hanna Bekker vom Rath (taz), die Ausstellung "Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst" im Museum Barberini in Potsdam (SZ, mehr hier) und die Raoul Hausmann-Ausstellung "Vision. Provokation. Dada." in der Berlinischen Galerie (FAZ, mehr hier)
Ausstellungsansicht, Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung - Norbert Miguletz "Tiere sind auch nur Menschen" ist die aktuelle Ausstellung im Frankfurter Liebighaus mit lebensechten Tierskulpturen von August Gaul benannt - und der Titel ist hier Programm, stellt Sylvia Staude in der FR fest - entwarf der Bildhauer seine Werke doch mit so viel Hingabe, als gestalte er Menschen: "Gleich zu Anfang setzen Kurator Vinzenz Brinkmann und Projektleiter Jakob Salzmann ein Zeichen: Die Porträtbüste des Orang-Utans 'Jumbo' ließen sie direkt neben einer Büste Marc Aurels aufstellen, als wäre der Primat ebenfalls ein römischer Denker gewesen. Und alles, was August Gauls Kunst auszeichnet, ist hier schon zu sehen, die Liebe zum Detail, unter anderem in jedem zotteligen Fellstrang, besonders aber der Ausdruck der tiefliegenden Augen, der durchaus grüblerisch, vielleicht auch melancholisch gedeutet werden kann."
In der tazrät Katharina Granzin zum Ausflug in den Kunstverein Schwerin, wo derzeit unter dem Titel "8 erweiterte portraits" Fotografien der Österreicherin Cora Pongracz im Dialog mit anderen Fotografinnen ausgestellt werden. Pongracz, die zum Kreis des Wiener Aktionismus gehörte, nahm sich in der Porträtserie als Autorin völlig zurück: "Pro porträtierter Person sollten es genau sieben Fotos sein, davon zwei, auf denen die Frauen sich in selbstgewählter Pose fotografieren ließen, und weitere fünf mit frei assoziierten Motiven, denen sich die Abgebildeten persönlich verbunden fühlten. Die Porträtierten wurden zu Gestalterinnen des eigenen Bildes. Auf der formalen Ebene wird aber auch deutlich, dass die Fotografin ihrerseits lustvoll mit den stilistischen Möglichkeiten fotografischer Gestaltung spielte. Zwischen spontaner Schnappschussästhetik und hochgradig stilisierter Künstlichkeit ist alles dabei. Etliche der porträtierten Frauen präsentierten sich vor Pongracz' Kamera nackt oder halbnackt, schließlich glaubte frau sich in den siebziger Jahren endlich sexuell befreit."
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