Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

979 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 98

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.07.2025 - Design

Zwar ist sie 1999 nach Berlin gezogen, doch im Herzen ist Johanna Adorján immer Müncherin geblieben, schreibt sie in der SZ. Doch jetzt erkennt sie bei Besuchen ihre einst für Coolness und Lässigkeit stehende Heimatstadt fast nicht mehr wieder. Denn die Münchner haben die Bayern in sich entdeckt: "Inzwischen kann man um den Marienplatz herum nirgends mehr hingucken, ohne nicht in einem Schaufenster ein Dirndl zu sehen", zu beobachten ist im ganzen Stadtgebiet "eine ganzjährige Trachtenmodengeschäftsplage" ... Man kann nicht U-Bahn fahren ohne Menschen, oft junge, Hand in Hand, in Tracht am Bahnsteig stehen zu sehen. Warum? Aus Sicht eines Nicht-Ortsansässigen sehen Menschen in Tracht nicht gut aus in sonst banal großstädtischer Umgebung." Dabei ist "München, Oberbayern, Bayern einfach mit das Schönste, was es gibt auf der Welt. Mit den Seen und den Bergen und nicht nur der Nähe zu Italien, sondern mehr noch der Entfernung zu Preußen. Aber die Volkstracht manifestiert ein ultra-tradiertes Geschlechterbild: Mannsbild und Weibsbild. Dazwischen nichts. Und in den Trachtenmodeläden, in die ich aus Recherchegründen guckte, hing weit und breit nichts, das mit den Geschlechterbildern gespielt hätte. Überall dieselbe binäre Garnitur."

Außerdem schreibt Miriam Amro auf Zeit Online einen Nachruf auf den Flakon-Designer Peter Schmidt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.07.2025 - Design

FAZ-Kritikerin Petra Ahne ist nach dem Besuch der Ausstellung "Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne" im Jüdischen Museum Berlin sehr beeindruckt von dem Durchsetzungswillen der hier präsentierten Frauen, die sich gegen alle Widerstände - ob nun durch patriarchale Betonköpfigkeit oder den Irrsinn der Nazis - nicht beirren ließen. Franziska Bruck etwa, die "mit reduzierten Arrangements aus dem Blumenbinden eine Kunst machte und neben Kunden wie Max Reinhardt und Rainer Maria Rilke bald eine eigene Schule für Blumenschmuck hatte". Oder "Margarete Heymann-Loebenstein, die mit der Frauenfeindlichkeit am Bauhaus Bekanntschaft machte. ... Sie brach das Studium ab und bewies ihre Eignung auf ihre Weise. Geschirr, Vasen und Gebrauchsgegenstände der Marke Haël, die sie mit ihrem Ehemann gründete, fanden sich bald in jedem trendbewussten Haushalt, der den schwülstigen Stil des Wilhelminismus endgültig hinter sich lassen wollte. Die mit knalligen Glasuren kombinierten klaren Formen machen Objekte wie die feuerrote Wanduhr, die in der Ausstellung zu sehen ist, auch hundert Jahre später unübertroffen modern."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.07.2025 - Design

In "Bilder und Zeiten" der FAZ gratuliert Peter-Philipp Schmitt der Neuen Sammlung in München zum 100-jährigen Bestehen. Diese "war schon ein Designmuseum, als es den Begriff noch gar nicht gab. Sie ist somit auch älter als alle vergleichbaren Institutionen. Ursprünglich war sie ein Gegenentwurf zu alldem, was um die Jahrhundertwende als altbacken und überkommen angesehen wurde. ... Zum Jubiläum hat die Neue Sammlung 100 Objekte aus 100 Jahren zusammengetragen. Die Ausstellung im Stammhaus in München zeigt den Reichtum und die Vielfalt des Bestandes. Und sie zollt auch jenen Respekt, die lange nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekamen, weil sie als Frauen fast immer im Schatten berühmterer Männer standen. Gunta Stölzl etwa, die schon 1925 Werkmeisterin am Bauhaus in Dessau war, sie war sogar die erste Bauhaus-Meisterin. Trotzdem fand sie damals kaum und erst nach ihrem Tod wirklich Beachtung. ... Dabei leitete Stölzl mit der Weberei eine der erfolgreichsten und produktivsten Werkstätten am Bauhaus."

Weiteres: Adefunmi Olanigan fragt sich in der taz, wie ein von Anfang bis Ende nachhaltiger Produktionsprozess einer Jeans aussehen könnte.
Stichwörter: Bauhaus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2025 - Design

Beate Scheder, Ulrich Gutmair und Hilka Dirks werfen in der taz Schlaglichter auf die Berliner Fashion Week. "Der größte Konsens der Fashion-Week: Die Neunziger sind zurück", stellt Dirks dabei fest. "Ja, immer noch und nein, ohne gebrochene Pointe. Am konsequentesten zelebriert vom Genre-Grenzgänger Harry Nuriev mit seiner Edelstahl-CD-Installation im 032c red cube auf der Kantstraße. Bis Dienstag können sich Besucher in vom Künstler kuratierte Alben reinhören. Die werden nicht auf Kopfhörern, sondern im Laden gespielt: von Jeff Mills über Mark Ernestus' Ndagga Rhythm Force bis PJ Harvey kann sich bedient werden an allem, was ein bei WOM sozialisiertes Herz nur so höher schlagen lassen könnte. Passend dazu launchten 032c und Nuriev eine Capsule-Collection in Kollaboration mit Telekom Elektronic Beats. Ist das Kunst, Design, Mode, Merch oder nur Content? Wir wissen es auch nicht. Was fest steht: Anachronismus war nie so cool."
Stichwörter: Fashion Week Berlin

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2025 - Design

welt pdf: Für Jürgen Mayer H. ist alles Architektur - vom Hocker bis zum Hochhaus. Seine Entwürfe schlagen den Bogen von Star Trek zu Ketamin. Darunter: Deutschlands teuerste Immobilie.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2025 - Design

Verschiedene Spanschachteln Foto: © Vitra Design Museum / Alex Lesage, mit freundlicher Genehmigung des Shaker Museum, Chatham, New York

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet sich in einer Ausstellung der für die Designgeschichte durchaus einflussreichen Handwerkskunst der Shaker, einer kleinen protestantischen Sekte, die ihren Höhepunkt im 18. Jahrhundert erlebte, dann von England in die USA migrierte und heute so gut wie nicht mehr existent ist. "Für die Kuratorin der Schau, Mea Hoffmann, deren Sympathie für den Design-Ansatz der Shaker offensichtlich ist, 'bietet die Handwerkskunst der Freikirche eine Alternative zur heutigen Konsumkultur'", schreibt Ulf Meyer in der NZZ. "Ihrer Meinung nach wurden sämtliche Entwürfe der Shaker dem Mantra 'Ordnung ist Schönheit' untergeordnet. ... Liebhaber vergleichen die zeitlos schöne, klösterliche Shaker-Ästhetik bisweilen mit der Zen-Ästhetik in Japan. ... . Zweckmässigkeit galt den Shakern als gottgefällig und Ausdruck innerer Reinheit. Prunk und Luxus hingegen waren als Ablenkung vom Glauben verpönt. Die von ihnen geschaffenen Gegenstände sollten dienen, aber nicht beeindrucken."

Aus der Berliner Fashion Week ist die Luft auch irgendwie raus, findet Grit Thönnissen im Tagesspiegel: "Wahr ist, dass die Stadt sicher kein Modefieber mehr packt." Und bei der Veranstaltung selbst herrscht eher aufgekratzte Stimmung, hinzu kommen Parolen, die die Modewelt dazu aufrufen, sich den ökologisch zweifelhaften Verlockungen von Fast Fashion nicht zu ergeben. "Damit schlagen sich die Designenden also heute herum. Um überhaupt noch neue Kleidung entwerfen zu können, muss man schon das Gefühl haben, damit ein bisschen die Welt zu retten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2025 - Design

Dass das Bündner Museum Chur Alberto Giacomettis Bruder Diego nun als Künstler und nicht als Kunsthandwerker würdigt, findet Philipp Meier in der NZZ nur folgerichtig: Denn der stand dem Bildhauer, dem er häufig assistierte, in puncto Genialität in nichts nach. In der Schau zu sehen sind Stühle, Tische, Regale, Lampen, aus Bronze gefertigt und "von eleganter Schlichtheit", staunt Meier: "Zudem werden diese Möbel oft begleitet von einer botanischen Melodie: Blätter, Äste, Bäume. Oder auch belebt mit dem Orchester eines regelrechten Bestiariums: Diego Giacomettis Tierliebe reflektiert sich in wunderbar modellierten Eulen, Käuzen, Mäusen, Hirschen, Füchsen, Hunden und Katzen, die in seine Möbelkreationen integriert sind. Bücher las der virtuose Künstler-Designer kaum. Tierbücher aber waren es, die ihn inspirierten." 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Jaguar (@jaguar)


Einst schuf Jaguar die schönsten Autos der Welt, die einem James Bond gerade gut genug waren. Im sich neigenden Verbrennerzeitalter allerdings dümpelt die Marke vor sich hin, seufzt Gerhard Matzig in der SZ. Richten soll es nun das für Ende des Jahres angekündigte E-Auto, Modell "Type 00". Matzig ist nicht überzeugt: "Das 00-Ding sieht aus, als hätten das Batmobil und ein übergewichtiger Toaster eine Affäre mit Folgen gehabt. Als Publikum wünscht sich Jaguar offenbar geschlechtsneutrale Metropolenbewohner, denen Motor, Karosserie und das Fahren wumpe sind. Solange es dem Zeitgeist entspricht. Die Kampagne: zartes Rosa, bevölkert von AI-Menschen, die sich Heinz Hellmich im Film 'Alter weißer Mann' für eine Provinzfirma im Wokeness-Delirium hätte ausdenken können. Vom Bond-Film zu einer deutschen Vorort-Komödie."

Außerdem: In der Welt beklagt sich Boris Pofalla, dass der öffentliche Raum immer mehr von Rucksäcken bestimmt wird.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2025 - Design

Eine Ära geht zu Ende: Demna verlässt Balenciaga und geht zu Gucci. Zum Abschied gibt es eine kleine Ausstellung in Paris, "die deshalb interessant ist, weil sie einem viel über die Gegenwart erklärt", schreibt Johanna Adorján in der SZ. Der Designer hat nicht weniger als "die Silhouette unserer Zeit" geschaffen: "Vieles daran geht ins Klobige. Schuhe sehen aus, als könne man sie auch als Boote benutzen. Jacken sind so geräumig, dass man damit nicht durch jede Tür passt. Hosen so weit, dass sich eine Familie mit mehreren Kindern darin verstecken könnte. Strumpfhosen werden unten plötzlich zu spitzen Stöckelschuhen, man trägt sie als Hose. Kappen sind wichtig. Kapuzen erst. Das Kleidungsstück unserer Tage ist der Hoodie. Und zwar in XXXL, der Träger sollte darin komplett verschwinden. Und alles möglichst in der Farbe, in der wir uns die Zukunft ausmalen, also schwarz. Die moderne Silhouette wirkt zugleich abwehrend und tarnend. Wer sie trägt, will nicht angesprochen werden und kommt gut allein klar. Aber, und das gehört eben auch dazu: unter diesem Panzer aus Stoff, Leder oder Latex pocht ein romantisches, zartes Herz."
Stichwörter: Demna, Balenciaga, Gucci, Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.06.2025 - Design


Hannes Hintermeier erzählt in der FAZ von seinem Besuch in der Austellung "Wer hat die Hosen an?" im Wiener Weltmuseum, die in 120 Exponaten - 60 davon Hosen - die Geschichte der Hose erzählt. "Es ist eine Begehung des Themas Hose in Zeit und Raum geworden - und in allen Klimazonen. Vollständigkeit wurde nicht angestrebt, die Universalhose unserer Tage, die Jogginghose, wird beiläufig abgehandelt; ausgerechnet die im Alpenraum identitätspolitisch unverzichtbare Lederhose hat man weggelassen." Stattdessen "zu sehen sind Meisterwerke der Textilkunst aus Kulturen rund um den Erdball, darunter eine Hose aus Robbenfell, die mit Eisbärenfellstücken geflickt wurde; eine Tunban-Hose aus Rinds- und Schafleder für den persischen Ringkampf Zurkhaneh; eine pantalón de charro, die Ziegenfellhose mexikanischer Viehhirten, bestickt mit Gold und Silber, vom Typ her eine Überhose mit zwei getrennten Hosenbeinen, die von einem Gürtel und einem Hakenverschluss zusammengehalten werden. Man kann jenseits praktischer Lösungen an der Hose auch viel Überbau befestigen - Machtfragen, Genderfragen, Tabufragen. Die Schau tut dies mit Nachdruck."
Stichwörter: Mode, Hose

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.05.2025 - Design

Wer schöner leben und schöner wohnen will, sollte auch schöner sterben dürfen, meint Beate Scheder in der taz. Das funktionale, aber unansehnliche Flügelhemd, in dem in Hospitälern und Altenheimen die letzte Reise angetreten wird, ist ihr jedenfalls ein Dorn im Auge. "Das Bedürfnis, sich mit Schönem zu umgeben und selbst schön zu sein, verschwindet nicht einfach, nur weil man schwach und krank ist. Vielleicht wächst es sogar noch, wenn der Lebensraum aufs Bett zusammenschrumpft." Abhilfe schafft die Zürcher Designerin Bitten Stetter, die mit ihrem Label finally Pflegehilfsmittel gestaltet. "Ihr 'Turnarounder' legt den Po nicht frei und lässt sich bequem an der Seite zusammenbinden. Es gibt ihn uni und in zwei aufeinander abgestimmten Farben, in Lila und Eisblau zum Beispiel. Gefertigt ist er aus anschmiegsamer Biobaumwolle, die von Gebrauch zu Gebrauch noch weicher werden soll. Und er hat an den Ärmeln, da wo es nicht drückt, Taschen zum Verstauen von Taschentüchern oder dem Handy. Tragen lässt er sich klassisch mit der Öffnung nach hinten oder andersherum wie ein Kimono."
Stichwörter: Pflege, Mode