Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.09.2025 - Design

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Ein Beitrag geteilt von Chloe Malle 🥐 (@chloemalle)


Chloe Malle wird die neue Chefin der Vogue und tritt damit die Nachfolge von Anna Wintour an, die das Magazin 40 Jahre lang fest im Griff hatte. Auf Alfons Kaiser (FAZ) wirkt diese Entwicklung "wie ausgedacht. Denn die Neununddreißigjährige ist die Tochter berühmter Eltern: Ihr Vater ist der französische Nouvelle-Vague-Regisseur Louis Malle, (...) ihre Mutter die amerikanische Schauspielerin Candice Bergen - die witzigerweise in der Serie 'And Just Like That' wie schon in 'Sex and the City' die Vogue-Chefin mit dem eisigen Namen Enid Frick spielt, also ihrer Tochter als Vorbild dienen kann." Allerdings hat sie auch handfeste Kompetenzen vorzuweisen: "Sie studierte Komparatistik an der Sorbonne und der Brown University, begann ihre Karriere beim New York Observer und kam schließlich 2011 als 'Social Editor' zur 'Vogue'. Als eine der wenigen Chefinnen der Modezeitschrift, die in 28 Länderausgaben erscheint, ist sie  als Autorin ausgewiesen - viele qualifizieren sich vor allem als Stylistinnen für die Aufgabe."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.08.2025 - Design

Die Luxus-Modemarken schmücken sich in diesem Jahr auffallend mit literarischen Signifiern, stellt Simon Ingold in der NZZ fest: Auf Taschen stehen dann schon mal die Titel großer Klassiker. "Weltliteratur als Accessoire - da reiben sich Leser wie Nichtleser verwundert die Augen. Die einen aus ungläubigem Wissen, die anderen aus seliger Ignoranz. (...) Ist Kultur plötzlich sexy geworden? Und ist das vielleicht sogar gut für sie? Einiges spricht dafür, dass es den Anliegen der Kultur nützt, wenn sie im Mainstream eine Rolle spielt, statt ein Mauerblümchendasein im Elfenbeinturm zu fristen. Anderseits: Verkommt sie in den glamourösen Inszenierungen nicht zur reinen PR-Massnahme, zu einer Art von dekorativem Wandschmuck? Vor allem aber stellt sich die Frage, was passiert, wenn Kulturproduktion auf ihre symbolisch-performative Ebene reduziert wird. Das treibt seit je die Gemüter der Kritiker, Historiker und vor allem der Kulturpessimisten um."

Außerdem sorgt sich Alice von Lenthe sich in der taz, dass mit dem Revival der Hotpants auch die Mode der Zehnerjahre zurückkehrt.
Stichwörter: Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.08.2025 - Design

Dominic Pietzcker mag nicht mehr auf den Straßen flanieren, so impertinent findet er "die schrille Ödnis des Mainstreams" angesichts der scheußlichen Textilien, die seine Mitmenschen den ihren dort präsentieren: "Die Schädigung des modischen Selbstempfindens scheint mittlerweile ... irreversibel", schreibt er in der NZZ. "Modisch betrachtet bietet dieser Sommer ein Defilee outrierter Geschmacksverirrungen. Spreizfüsse in Plastiksandalen, depilierte Speckrollen unter löchrigen T-Shirts mit Mandala-Aufdruck, dazu allerlei ornamentale Tätowierungen an Hals, Schläfe und Handrücken - der disparate Look querbeet durch alle sozialen Schichten hinterlässt einen eher verstörenden Gesamteindruck. ... Mangels Befähigung zu einem autonomen modischen Geschmacksurteil schlägt die Tendenz zur ästhetischen Selbstbeschädigung voll durch. Kleidung als Technik der Verhüllung - dieser wesentliche Aspekt der Mode droht gänzlich in Vergessenheit zu geraten."
Stichwörter: Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.08.2025 - Design

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Ein Beitrag geteilt von MAD PARIS (@madparis)


Tilman Krause hat für die Welt in Paris die dem Couturier Paul Poiret gewidmete Ausstellung im Musée des Arts Décoratifs besucht. Im frühen 20. Jahrhundert prägte dieser maßgeblich ein neues Frauenbild in der Mode: "Den ganzen kleinteiligen Kleiderbesatz mit seinen Passen und Paspeln, Biesen und Trallen, Schleifchen und Rüschen, die aus jeder 'gut angezogenen' Frau im späten 19. Jahrhundert einen überreich beladenen Tannenbaum gemacht hatten (und, nebenbei gesagt, ganze Heerscharen von Posamentierwarenherstellern und Kurzwarenhändlern in Lohn und Brot setzte), galt es runterzureißen. Abzuschaffen. Die neue Linie sollte eine klare sein. (...) Einmal zurück auf Null gesetzt, konnte nun der weibliche Körper wieder hochgebootet werden. Neu verpackt und abermals reich verziert. Aber eben anders. Paul Poiret (...) dachte sich die tollsten Finessen aus. Er ging auch auf Reisen und nahm sich vom Kleiderstil exotischer Völker, was er brauchte. Aber die klare Linie blieb. Bequemlichkeit setzte den Maßstab."
Stichwörter: Mode, Couture, Poiret, Paul

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2025 - Design

Man kann doch nicht ernsthaft eine Sandale namens "Oaxaca Slip On" auf den Markt bringen, sich dabei an den Mustern indigener Kulturen Mexikos bedienen und dann aus allen Wolken fallen, wenn aus diesen Kulturen erheblicher Missmut darüber aufkommt, schreibt der Mexiko-Korrespondent der taz, Wolf-Dieter Vogel. So geschehen gerade bei Adidas. Der Textilkonzern und der zuständige Designer Willy Chavarría haben sich zwar entschuldigt und unterstrichen, es handle sich dabei um eine Würdigung indigener Kulturen - aber so ein Nachreichen wirkt nach einem Shitstorm fahl. "Hört sich so an, als ob den Schuhproduzenten einfach mal durchgerutscht wäre, dass sie das Plagiat einer Sandale hergestellt haben, die bislang in der abgelegenen Sierra Norte, 100 Kilometer von Oaxacas Landeshauptstadt entfernt, produziert wird. So als ob so was noch nie vorgekommen wäre. Dabei gab es in den letzten Jahren in Mexiko zahlreiche Skandale um Raubkopien indigener Muster, und einige davon spielten ausgerechnet in der Region. So hat die französische Designerin Isabel Marant Blusen aus der Gemeinde Tlahuitoltepec kopiert, und das spanische Modeunternehmen Zara klaute Motive des Dorfes San Juan Colorado."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2025 - Design

Unbekannter Fotograf: Die Kostümdesignerin Irene Saltern. Sie emigrierte 1936 mit ihrem Mann in die USA und wurde eine der erfolgreichsten Kostümdesignerinnen Hollywoods, Fotografie Los Angeles 1937; Schenkung von Tom und Lynda Salinger


Das Jüdische Museum Berlin erinnert mit einer Ausstellung an mehr als sechzig erfolgreiche Designerinnen, die die Machtübernahme der Nazis zumeist nicht überlebten: Die Blumenbinderin Franziska Bruck zum Beispiel, die Grafikerin Elly Frank, die Perlenstickerin Ida Dehmel, die Malerin und Bildhauerin Agnes Meyerhof, die Goldschmiedin Paula Straus oder die Hutmacherin Paula Schwarz, erzählt in der FAZ ("Bilder und Zeiten") Peter-Philipp Schmitt: "Ihr Hutsalon in Berlin-Charlottenburg wurde 1939 liquidiert. Vor allem in den Zwanzigerjahren hatte sie einige der bekanntesten Stummfilmstars, etwa Dary Holm, Grete Mosheim und Ruth Weyher, mit ihren extravaganten Kreationen ausgestattet. Geblieben davon sind vor allem Bilder der jüdischen Modefotografin Yva (eigentlich Else Ernestine Neuländer-Simon). Wie Schwarz wurde auch sie von den Nazis ermordet, nicht in Theresienstadt, sondern wahrscheinlich im Vernichtungslager Sobibor."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.08.2025 - Design

In der FAZ porträtiert Niklas Maak den Designer und Unternehmer Rafael Horzon, der zwar vieles macht, was man aus der Ferne betrachtet mit Kunst oder Kunst-Pranks verwechseln könnte, nur dass er - so hat er es per Anwalt gegenüber Wikipedia durchgesetzt - nicht als Künstler bezeichnet werden darf. In Berlin hat er vor nicht allzu langer Zeit das Deutsche Design Museum gegründet und dabei fürs Erste nur sich selbst ausgestellt, ähnlich wie er zuvor die Wissenschaftsakademie Berlin gegründet hat, die im Wissenschaftsbetrieb für Irritationen sorgte, dann aber doch zum Hot Spot des Kuratorwesens avancierte. "Das ist das Interessante an der Methode Horzon: Ein Laden, ein Projekt, eine Institution wirkt zunächst wie eine Dada-Persiflage - und wird dann zu einer Realität oder einer 'Neuen Wirklichkeit'. ... Das Deutsche Design Museum ist ein ähnlicher Fall: Gestartet als Ort, um sich selbst eine Retrospektive einzurichten, wird das Museum gerade zu einer ernst zu nehmenden Adresse für die Auseinandersetzung mit der Frage, was 'Design' ist, kann und soll. "

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.08.2025 - Design

La comtesse Greffulhe dans sa robe fleur-de-lys par Nadar - 1896


Der glückliche Peter Kropmanns durfte für die FAZ "zwei umfangreiche, ja prachtvolle Pariser Ausstellungen" zu den Couturiers Charles Frederick Worth und Paul Poiret besuchen: Worth findet man im Petit Palais (hier findet man mehr Fotos zur Ausstellung), Poiret im Musée des arts décoratifs. Wobei Poiret das Wort "Couturier" gar nicht gefiel: "Hoch angerechnet wird ihm, dass er die Frauen vom Korsett befreite und mit der Höhe der Taille spielte. Seine Passion galt eng anliegenden, bis zu den Füßen reichenden Kleidern mit klaren, die Vertikale betonenden Schnitten." Er arbeitete oft mit Künstlern zusammen, "besonders mit Raoul Dufy oder Marie Vassilieff. Zu den prominentesten Kundinnen des gebürtigen Parisers gehörte die amerikanische Sammlerin Peggy Guggenheim. Poiret wandte sich auch der Innendekoration zu, von Aktivitäten als Maler oder Schriftsteller ganz zu schweigen: 'Ich bin Künstler, nicht ein Couturier', ließ er wissen. Inspiration vermittelten ihm das russische Ballett sowie Reisen etwa in den Maghreb."

Abendrobe aus Seide von Paul Poiret


Außerdem: Grit Thönnissen unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Designer Jeremy Scott, der die Bühnenkostüme für die neue Show "Blinded by Delight" im Friedrichstadt-Palast entworfen hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.07.2025 - Design

Rico Puhlmann, T-Shirts aus Baumwollstrick von Elaine Post Ltd. und Knitquake, 1971 (Rico Puhlmann Archive / Museum für Fotografie Berlin)

Brigitte Werneburg empfiehlt in der taz eine Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie der historischen Modefotografien von Rico Puhlmann. Indem dieser "die Trends des Street Styles wie Plateauschuhe, Kniestrümpfe oder riesige Goldkreolen sehr genau beobachtete, lieferte er einen direkten, unverstellten Blick auf die Jugendkultur, wie ihn die damalige Modepresse nicht kannte. Ihm war auch der modische Einfluss von New Hollywood mit Filmen wie 'Chinatown', 'The Clou' oder 'The Great Gatsby' vor allem auf junge Männer bewusst. Als echter Mode-Aficionado selbst Teil der Pop- und Subkultur konnte er ab 1980 mit seinem Engagement bei GQ an der Seite von Bruce Weber das Bild eines neuen, modernen Mannes entwerfen, der natürlich längst schon in den Straßen der internationalen Metropolen unterwegs war. Dank seines sportlich gestählten Körpers konnte der neue Mann Kleidung lässig tragen. Weiche, fließende Stoffe waren kein Tabu mehr. Ja, er durfte es sich selbst bequem machen, wie Puhlmanns Aufnahme von zwei regelrecht hingebetteten Männermodels 1982 in GQ zeigt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2025 - Design

Jürgen Kesting schreibt in der FAZ zum Tod des Designers Peter Schmidt, der seit den Siebzigern einen Kampf führte "gegen die alltägliche Hässlichkeit. Gegen Formlosigkeit. Gegen Gleichgültigkeit." Und damit erfolgreich wurde: Er gestaltete "Flakons für Jil Sander, für Laura Biagiotti, für Davidoff, Verpackungen für Kaffee und Schokolade, Logos für Konzerne oder seine Wahlheimat, Signaturen für Porzellan oder die neue Form einer Weinflasche, das Entree eines Theaters, das Logo eines Orchesters oder einer Stadt." Doch "es gab ein Lob, in dem für ihn mehr Zudringlichkeit steckte als im Tadel: wenn er 'Verpackungskünstler' gerühmt wurde. Ebenso ungern wollte er Designer genannt werden. Designerkleider, Designerbrillen - sie galten ihm als Werbefloskeln. Weil er wusste, was eine Ikone ist, fand er es absurd, wenn das Wort für einen Flakon verwendet wurde. Die Vorstellung, das Ansehen einer Person oder der Ruf eines Unternehmens könne durch 'zeitgemäßes Design' überschminkt werden, bezeichnete er als 'absurd, so ist das Leben nicht'.
Stichwörter: Schmidt, Peter