Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.08.2025 - Design

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Tilman Krause hat für die Welt in Paris die dem Couturier Paul Poiret gewidmete Ausstellung im Musée des Arts Décoratifs besucht. Im frühen 20. Jahrhundert prägte dieser maßgeblich ein neues Frauenbild in der Mode: "Den ganzen kleinteiligen Kleiderbesatz mit seinen Passen und Paspeln, Biesen und Trallen, Schleifchen und Rüschen, die aus jeder 'gut angezogenen' Frau im späten 19. Jahrhundert einen überreich beladenen Tannenbaum gemacht hatten (und, nebenbei gesagt, ganze Heerscharen von Posamentierwarenherstellern und Kurzwarenhändlern in Lohn und Brot setzte), galt es runterzureißen. Abzuschaffen. Die neue Linie sollte eine klare sein. (...) Einmal zurück auf Null gesetzt, konnte nun der weibliche Körper wieder hochgebootet werden. Neu verpackt und abermals reich verziert. Aber eben anders. Paul Poiret (...) dachte sich die tollsten Finessen aus. Er ging auch auf Reisen und nahm sich vom Kleiderstil exotischer Völker, was er brauchte. Aber die klare Linie blieb. Bequemlichkeit setzte den Maßstab."
Stichwörter: Mode, Couture, Poiret, Paul

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2025 - Design

Man kann doch nicht ernsthaft eine Sandale namens "Oaxaca Slip On" auf den Markt bringen, sich dabei an den Mustern indigener Kulturen Mexikos bedienen und dann aus allen Wolken fallen, wenn aus diesen Kulturen erheblicher Missmut darüber aufkommt, schreibt der Mexiko-Korrespondent der taz, Wolf-Dieter Vogel. So geschehen gerade bei Adidas. Der Textilkonzern und der zuständige Designer Willy Chavarría haben sich zwar entschuldigt und unterstrichen, es handle sich dabei um eine Würdigung indigener Kulturen - aber so ein Nachreichen wirkt nach einem Shitstorm fahl. "Hört sich so an, als ob den Schuhproduzenten einfach mal durchgerutscht wäre, dass sie das Plagiat einer Sandale hergestellt haben, die bislang in der abgelegenen Sierra Norte, 100 Kilometer von Oaxacas Landeshauptstadt entfernt, produziert wird. So als ob so was noch nie vorgekommen wäre. Dabei gab es in den letzten Jahren in Mexiko zahlreiche Skandale um Raubkopien indigener Muster, und einige davon spielten ausgerechnet in der Region. So hat die französische Designerin Isabel Marant Blusen aus der Gemeinde Tlahuitoltepec kopiert, und das spanische Modeunternehmen Zara klaute Motive des Dorfes San Juan Colorado."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2025 - Design

Unbekannter Fotograf: Die Kostümdesignerin Irene Saltern. Sie emigrierte 1936 mit ihrem Mann in die USA und wurde eine der erfolgreichsten Kostümdesignerinnen Hollywoods, Fotografie Los Angeles 1937; Schenkung von Tom und Lynda Salinger


Das Jüdische Museum Berlin erinnert mit einer Ausstellung an mehr als sechzig erfolgreiche Designerinnen, die die Machtübernahme der Nazis zumeist nicht überlebten: Die Blumenbinderin Franziska Bruck zum Beispiel, die Grafikerin Elly Frank, die Perlenstickerin Ida Dehmel, die Malerin und Bildhauerin Agnes Meyerhof, die Goldschmiedin Paula Straus oder die Hutmacherin Paula Schwarz, erzählt in der FAZ ("Bilder und Zeiten") Peter-Philipp Schmitt: "Ihr Hutsalon in Berlin-Charlottenburg wurde 1939 liquidiert. Vor allem in den Zwanzigerjahren hatte sie einige der bekanntesten Stummfilmstars, etwa Dary Holm, Grete Mosheim und Ruth Weyher, mit ihren extravaganten Kreationen ausgestattet. Geblieben davon sind vor allem Bilder der jüdischen Modefotografin Yva (eigentlich Else Ernestine Neuländer-Simon). Wie Schwarz wurde auch sie von den Nazis ermordet, nicht in Theresienstadt, sondern wahrscheinlich im Vernichtungslager Sobibor."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.08.2025 - Design

In der FAZ porträtiert Niklas Maak den Designer und Unternehmer Rafael Horzon, der zwar vieles macht, was man aus der Ferne betrachtet mit Kunst oder Kunst-Pranks verwechseln könnte, nur dass er - so hat er es per Anwalt gegenüber Wikipedia durchgesetzt - nicht als Künstler bezeichnet werden darf. In Berlin hat er vor nicht allzu langer Zeit das Deutsche Design Museum gegründet und dabei fürs Erste nur sich selbst ausgestellt, ähnlich wie er zuvor die Wissenschaftsakademie Berlin gegründet hat, die im Wissenschaftsbetrieb für Irritationen sorgte, dann aber doch zum Hot Spot des Kuratorwesens avancierte. "Das ist das Interessante an der Methode Horzon: Ein Laden, ein Projekt, eine Institution wirkt zunächst wie eine Dada-Persiflage - und wird dann zu einer Realität oder einer 'Neuen Wirklichkeit'. ... Das Deutsche Design Museum ist ein ähnlicher Fall: Gestartet als Ort, um sich selbst eine Retrospektive einzurichten, wird das Museum gerade zu einer ernst zu nehmenden Adresse für die Auseinandersetzung mit der Frage, was 'Design' ist, kann und soll. "

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.08.2025 - Design

La comtesse Greffulhe dans sa robe fleur-de-lys par Nadar - 1896


Der glückliche Peter Kropmanns durfte für die FAZ "zwei umfangreiche, ja prachtvolle Pariser Ausstellungen" zu den Couturiers Charles Frederick Worth und Paul Poiret besuchen: Worth findet man im Petit Palais (hier findet man mehr Fotos zur Ausstellung), Poiret im Musée des arts décoratifs. Wobei Poiret das Wort "Couturier" gar nicht gefiel: "Hoch angerechnet wird ihm, dass er die Frauen vom Korsett befreite und mit der Höhe der Taille spielte. Seine Passion galt eng anliegenden, bis zu den Füßen reichenden Kleidern mit klaren, die Vertikale betonenden Schnitten." Er arbeitete oft mit Künstlern zusammen, "besonders mit Raoul Dufy oder Marie Vassilieff. Zu den prominentesten Kundinnen des gebürtigen Parisers gehörte die amerikanische Sammlerin Peggy Guggenheim. Poiret wandte sich auch der Innendekoration zu, von Aktivitäten als Maler oder Schriftsteller ganz zu schweigen: 'Ich bin Künstler, nicht ein Couturier', ließ er wissen. Inspiration vermittelten ihm das russische Ballett sowie Reisen etwa in den Maghreb."

Abendrobe aus Seide von Paul Poiret


Außerdem: Grit Thönnissen unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Designer Jeremy Scott, der die Bühnenkostüme für die neue Show "Blinded by Delight" im Friedrichstadt-Palast entworfen hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.07.2025 - Design

Rico Puhlmann, T-Shirts aus Baumwollstrick von Elaine Post Ltd. und Knitquake, 1971 (Rico Puhlmann Archive / Museum für Fotografie Berlin)

Brigitte Werneburg empfiehlt in der taz eine Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie der historischen Modefotografien von Rico Puhlmann. Indem dieser "die Trends des Street Styles wie Plateauschuhe, Kniestrümpfe oder riesige Goldkreolen sehr genau beobachtete, lieferte er einen direkten, unverstellten Blick auf die Jugendkultur, wie ihn die damalige Modepresse nicht kannte. Ihm war auch der modische Einfluss von New Hollywood mit Filmen wie 'Chinatown', 'The Clou' oder 'The Great Gatsby' vor allem auf junge Männer bewusst. Als echter Mode-Aficionado selbst Teil der Pop- und Subkultur konnte er ab 1980 mit seinem Engagement bei GQ an der Seite von Bruce Weber das Bild eines neuen, modernen Mannes entwerfen, der natürlich längst schon in den Straßen der internationalen Metropolen unterwegs war. Dank seines sportlich gestählten Körpers konnte der neue Mann Kleidung lässig tragen. Weiche, fließende Stoffe waren kein Tabu mehr. Ja, er durfte es sich selbst bequem machen, wie Puhlmanns Aufnahme von zwei regelrecht hingebetteten Männermodels 1982 in GQ zeigt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2025 - Design

Jürgen Kesting schreibt in der FAZ zum Tod des Designers Peter Schmidt, der seit den Siebzigern einen Kampf führte "gegen die alltägliche Hässlichkeit. Gegen Formlosigkeit. Gegen Gleichgültigkeit." Und damit erfolgreich wurde: Er gestaltete "Flakons für Jil Sander, für Laura Biagiotti, für Davidoff, Verpackungen für Kaffee und Schokolade, Logos für Konzerne oder seine Wahlheimat, Signaturen für Porzellan oder die neue Form einer Weinflasche, das Entree eines Theaters, das Logo eines Orchesters oder einer Stadt." Doch "es gab ein Lob, in dem für ihn mehr Zudringlichkeit steckte als im Tadel: wenn er 'Verpackungskünstler' gerühmt wurde. Ebenso ungern wollte er Designer genannt werden. Designerkleider, Designerbrillen - sie galten ihm als Werbefloskeln. Weil er wusste, was eine Ikone ist, fand er es absurd, wenn das Wort für einen Flakon verwendet wurde. Die Vorstellung, das Ansehen einer Person oder der Ruf eines Unternehmens könne durch 'zeitgemäßes Design' überschminkt werden, bezeichnete er als 'absurd, so ist das Leben nicht'.
Stichwörter: Schmidt, Peter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.07.2025 - Design

Zwar ist sie 1999 nach Berlin gezogen, doch im Herzen ist Johanna Adorján immer Müncherin geblieben, schreibt sie in der SZ. Doch jetzt erkennt sie bei Besuchen ihre einst für Coolness und Lässigkeit stehende Heimatstadt fast nicht mehr wieder. Denn die Münchner haben die Bayern in sich entdeckt: "Inzwischen kann man um den Marienplatz herum nirgends mehr hingucken, ohne nicht in einem Schaufenster ein Dirndl zu sehen", zu beobachten ist im ganzen Stadtgebiet "eine ganzjährige Trachtenmodengeschäftsplage" ... Man kann nicht U-Bahn fahren ohne Menschen, oft junge, Hand in Hand, in Tracht am Bahnsteig stehen zu sehen. Warum? Aus Sicht eines Nicht-Ortsansässigen sehen Menschen in Tracht nicht gut aus in sonst banal großstädtischer Umgebung." Dabei ist "München, Oberbayern, Bayern einfach mit das Schönste, was es gibt auf der Welt. Mit den Seen und den Bergen und nicht nur der Nähe zu Italien, sondern mehr noch der Entfernung zu Preußen. Aber die Volkstracht manifestiert ein ultra-tradiertes Geschlechterbild: Mannsbild und Weibsbild. Dazwischen nichts. Und in den Trachtenmodeläden, in die ich aus Recherchegründen guckte, hing weit und breit nichts, das mit den Geschlechterbildern gespielt hätte. Überall dieselbe binäre Garnitur."

Außerdem schreibt Miriam Amro auf Zeit Online einen Nachruf auf den Flakon-Designer Peter Schmidt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.07.2025 - Design

FAZ-Kritikerin Petra Ahne ist nach dem Besuch der Ausstellung "Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne" im Jüdischen Museum Berlin sehr beeindruckt von dem Durchsetzungswillen der hier präsentierten Frauen, die sich gegen alle Widerstände - ob nun durch patriarchale Betonköpfigkeit oder den Irrsinn der Nazis - nicht beirren ließen. Franziska Bruck etwa, die "mit reduzierten Arrangements aus dem Blumenbinden eine Kunst machte und neben Kunden wie Max Reinhardt und Rainer Maria Rilke bald eine eigene Schule für Blumenschmuck hatte". Oder "Margarete Heymann-Loebenstein, die mit der Frauenfeindlichkeit am Bauhaus Bekanntschaft machte. ... Sie brach das Studium ab und bewies ihre Eignung auf ihre Weise. Geschirr, Vasen und Gebrauchsgegenstände der Marke Haël, die sie mit ihrem Ehemann gründete, fanden sich bald in jedem trendbewussten Haushalt, der den schwülstigen Stil des Wilhelminismus endgültig hinter sich lassen wollte. Die mit knalligen Glasuren kombinierten klaren Formen machen Objekte wie die feuerrote Wanduhr, die in der Ausstellung zu sehen ist, auch hundert Jahre später unübertroffen modern."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.07.2025 - Design

In "Bilder und Zeiten" der FAZ gratuliert Peter-Philipp Schmitt der Neuen Sammlung in München zum 100-jährigen Bestehen. Diese "war schon ein Designmuseum, als es den Begriff noch gar nicht gab. Sie ist somit auch älter als alle vergleichbaren Institutionen. Ursprünglich war sie ein Gegenentwurf zu alldem, was um die Jahrhundertwende als altbacken und überkommen angesehen wurde. ... Zum Jubiläum hat die Neue Sammlung 100 Objekte aus 100 Jahren zusammengetragen. Die Ausstellung im Stammhaus in München zeigt den Reichtum und die Vielfalt des Bestandes. Und sie zollt auch jenen Respekt, die lange nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekamen, weil sie als Frauen fast immer im Schatten berühmterer Männer standen. Gunta Stölzl etwa, die schon 1925 Werkmeisterin am Bauhaus in Dessau war, sie war sogar die erste Bauhaus-Meisterin. Trotzdem fand sie damals kaum und erst nach ihrem Tod wirklich Beachtung. ... Dabei leitete Stölzl mit der Weberei eine der erfolgreichsten und produktivsten Werkstätten am Bauhaus."

Weiteres: Adefunmi Olanigan fragt sich in der taz, wie ein von Anfang bis Ende nachhaltiger Produktionsprozess einer Jeans aussehen könnte.
Stichwörter: Bauhaus