Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.01.2026 - Design

Ilka Piepgras schreibt im Zeit Magazin zum Tod des Modedesigners Valentino (weitere Nachrufe bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2026 - Design

"Mit Valentino ist der Letzte der großen Couturiers abgetreten", schreibt Anne Goebel in der SZ. Er "stand ... für alles, was die Menschen an Mode fasziniert. Glanz, Gespür für den Zeitgeist, hohe Handwerkskunst und eine flirrende Nähe zu (altem und neuem) Geld. Er erfand ein Rot, das nach ihm benannt wurde, war Hofschneider von Jacqueline Kennedy, liebte die Oper und wurde nicht zuletzt deshalb zum Inbegriff des Luxus, weil er ihn selbst gerne zur Schau trug." Wobei seine Kleider "in der Grundstruktur überraschend schlicht waren: klassische Schnitte, perfekt ausbalancierte Proportionen. Dazu die Vorliebe für Einfarbigkeit, um raffinierte Details dann umso wirkungsvoller einzusetzen." Doch "wie Valentino Schleifen und kostbare Stickerei, Spitze, Chiffon oder ein korallenfarbenes Netz aus Perlen als Oberteil eher hintupfte als damit aufzutrumpfen, ist seit den ersten Entwürfen hohe Kunst."

"Um Frauen in schillernde Luxusgeschöpfe zu verwandeln, war ihm jedes Mittel recht", schreibt Marion Löhndort in der NZZ. In seinen Kleidern "prunkte der ungebremste Glamour der alten Schule. ... Der Hang zum Drama, den er in seinen aufwendigen Roben auslebte, war dem Modeschöpfer schon in die Wiege gelegt worden. Seinen Vornamen, unter dem er berühmt wurde, hatte Valentino Clemente Ludovico Garavani der Vorliebe seiner Mutter für den glutäugigen Stummfilmstar Rudolph Valentino zu verdanken." Das Zeit-Magazin bringt eine Bilderstrecke.
Stichwörter: Valentino, Mode, Modesigner

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.01.2026 - Design

Der Pelzmantel erlebt ein Comeback, beobachtet Silke Wichert in der NZZ. Erstaunlicherweise sind es oft sogar echte Pelze, auch wenn deren Trägerinnen und Träger rasch beteuern, nur Vintage aufzutragen. Aber auch Modemarken wie zum Beispiel Fendi greifen Pelz und Fell (allerdings meist in der Fake-Version) auf. "Was nun einerseits als Fortschritt gefeiert wird, ist andererseits auch ein Rückschritt, denn damit ist 'der Look' plötzlich zurück. Pelz tragen ist wieder cool, weil es in Wahrheit ja gar kein echter Pelz ist. Oder etwa doch? Wenn das Falsche täuschend echt wirkt, kann das Echte vermeintlich genauso gut fake sein. ... Gleichzeitig sehen Angehörige der Generation Z nicht mehr ein, warum sie zurückstecken sollen, während die Boomer alles ausgekostet haben. Im gegenwärtigen Dauerkrisenmodus scheint sich bisweilen die Haltung breitzumachen: Ist die Welt erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert."
Stichwörter: Mode, Pelz

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.12.2025 - Design

Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance De Travail Défilé # Hiver 94/95, Paris (Design: Helmut Lang, Bild: Jürgen Teller, MAK Helmut Lang Archive, LNI 566-11-21-2. Courtesy of hl-art)

Auf nach Wien, ruft uns Uwe Mattheiß in der taz zu. Dort gibt es mit "Séance de Travail 1986-2005" gerade eine dem Modedesigner Helmut Lang gewidmete Retrospektive im Wiener Museum für angewandte Kunst. Insbesondere Langs Arbeiten in den Neunzigern deuteten nach den überzeichnet-exzessiven Achtzigern "Schönheit als fragilen Zustand inmitten postindustrieller Tristesse. ... In reduzierten Formen und geschickten Proportionen umspielen Langs Stücke die Körper knapp, aber ohne Zwang. Die Wiener Schau zeigt bis in die Details von Accessoires und Unterwäsche, wie er um die Körper herum mit der Kleidung skulptural arbeitet, jede Linie neu denkt." Seine "Mode inszeniert sich nicht genderfluide in einem heutigen Sinn, zeigt sich aber deutlich verflüssigt. Hinter der vermeintlichen Uniformität der Entwürfe entsteht vielmehr Raum für neue Ambivalenzen und erotische Spielmöglichkeiten. Lang wird zum Designer einer Epoche, die Identität als individuellen schöpferischen Prozess denkt, der Befreiung verspricht und zugleich dem ökonomischen Kalkül unterwirft: Sei ganz du selbst, aber mach was draus!"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.12.2025 - Design

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Sehr erkenntnisreich ist die Ausstellung "Catwalk: The Art of the Fashion Show" im Vitra Design Museum in Weil am Rhein geraten: "En passant wird der atmosphärische und gesellschaftliche Wandel sichtbar", schreibt Dorion Weickmann in der SZ, und dies insbesondere auch darin, wie Karl Lagerfeld für seine Modeschauen in den Zehnerjahren motivisch aufgriff, was gerade die Debatten bestimmte. "Im Rückblick fällt auf, wie unbeschwert noch die Sechzigerjahre daherkamen. 1967 tanzten und tippelten Mary Quants Minirock-Mannequins vor amüsierwilligen Hanseaten in der Hamburger Galerie Neuendorf - fast alle mit Glimmstengel unterwegs. Schon in den Siebzigern sinkt die Stimmung, bis sich zur Jahrtausendwende eine Art Angstkorridor öffnet. Das Gefühl des Kontrollverlusts hat keiner so präzise eingefangen wie der geniale Alexander McQueen: Den Schlusspunkt seiner Prêt-à-porter-Schau für Frühjahr/Sommer 1999 setzte ein einsames Model, dessen schneeweiße Robe von zwei Einarmrobotern per Farbkanonade bespritzt wurde. Eine surreale Szene, die unser KI-Problem - wer beherrscht wen und wie lange noch? - vorwegzunehmen scheint."

Hier eine Aufnahme davon: 

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.12.2025 - Design

Wer heute ganz vorne und ganz oben mitspielt, lässt das nicht mehr mit seinem Kleidungsstil raushängen, beobachtet Meral Ziegler in der Jungle World. Im Gegenteil: Farbtöne, die einst mit der Arbeiterklasse verbunden waren, sind nun das Signum, dass man es geschafft habe. "Die Ästhetik der Hyperreichen, die sich als diskrete Einfluss Nehmende inszenieren, als Gewinner des kapitalistischen Systems, die Prunk nicht nötig haben, ist in ein zurückgenommenes, bodenständiges Braun getunkt, dem seit diesem Jahr 'ein Hauch von Glamour' zugeschrieben wird. Eine appropriierte Farbwelt, die einmal für eine Klasse stand, der es kaum möglich war auszuscheren, wird nun von der Herrschaft als Mode stilisiert, die ein fast schon egalitäres, ein auf Leistung basierendes Aufstiegsversprechen verkauft, wohl wissend, dass nur weil man sich anzieht wie die Pressesprecherin von Donald Trump, man in der Regel dennoch am zugewiesenen Platz ohne Aufstiegschancen verbleibt."

Detlev Schöttker erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ an Willy Fleckhaus, den legendären Buchgestalter des klassisch gewordenen Suhrkamp-Looks in der Nachkriegsmoderne.
Stichwörter: Mode, Braun, Reiche Menschen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2025 - Design

Mit Genuss liest tazlerin Brigitte Werneburg den kürzlich erschienen Prachtband "Costume Jewelry" zur Geschichte des Modeschmucks, in der sich allerlei "Kapriolen" finden: Dieser "Bildband strotzt vor Früchten und Blumen, Masken, Köpfen und Tieren, und natürlich ist auch der Weihnachtsbaum vertreten".

Stichwörter: Schmuck, Modeschmuck

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.12.2025 - Design

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Noch einmal sehr bewusst wird Standard-Kritikerin Katharina Rustler beim Besuch der Helmut-Lang-Retrospektive im Wiener Museum für angewandte Kunst, dass dessen Shows "keine einfachen Modepräsentationen waren, sondern künstlerische Performances. ... Auf dem Boden aufgedruckte, detaillierte Sitzpläne lassen das Publikum der Ausstellung zum Publikum der Modenschau werden. ... Die auf Bildschirmen in Schwarz-Weiß gezeigten Models laufen einem direkt entgegen. ... Behind-the-Scenes ist bei Lang Teil des Konzepts, der Mensch im Vordergrund. Aus diesem Grund werde die Kleidung nicht einfach auf Schaufensterpuppen oder Kleiderbügeln gezeigt, sagt Kuratorin Marlies Wirth. Solche Präsentationen seien dem in New York lebenden Modemacher ein Graus. Langs geradlinige, coole, ungewöhnlich geschnittene Outfits werden an Menschen vorgeführt, weswegen die Ausstellung von originalem Foto- und Videomaterial lebt."
Stichwörter: Mode, Lang, Helmut, Mak Wien

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2025 - Design

Pantone hat mal wieder entschieden: Das weißliche "Cloud Dancer" ist die Farbe des Jahres 2026. "Es ist eine in leichtem Greige abgetönte Schattierung, könnte man sagen, nachdem noch im Vorjahr 'Mocha Mousse', ein etwas uneindeutiges Braun, die Erinnerung an Schokolade und Kaffee mit dem erdigen Eindruck eines Spaziergangs in der Natur verbinden sollte", schreibt Marie Schmidt in der SZ, die sich von der Entscheidung an Christian Krachts Roman "Air" erinnert fühlt, in dem unauffällig reine Farben immer wieder eine auffällige Rolle spielen. "Pantone allerdings erklärt beide Farben nicht als 'kalt und steinern und sauber', wie Kracht die Umwelt seines Romans. Sondern mit einer Semantik der Behaglichkeit, Weichheit, des Schützenden. ... Zwischen dem Kalt-Sauberen und dem Wollig-Warmen des Beige-Grau-Braun-Spektrums, in dem sich unsere Zwanzigerjahre gerne sehen würden, ist der kleinste gemeinsame Nenner doch offensichtlich der: Sie sind Gefühlswelten entfernt von der flimmernden Neonhölle der global digitalisierten Wirklichkeit." Bei Florian Illies (Zeit Online) kommen angesichts der Pantone-Entscheidungen der letzten Jahre indessen allmählich "Zweifel an der Weltdeutungskompetenz des Hauses" auf. 


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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2025 - Design

Hochzeitskleid der Herzogin Hedvig Elisabeth Charlotta (spätere Königin von Schweden). Foto: Göran Schmidt, Livrustkammaren/SHM (CC BY 4.0)


Marion Löhndorf (NZZ) schwelgt in rauschenden Roben mit Reifröcken im "Marie Antoinette Style", die das Victoria and Albert Museum zeigt. "Sie leuchten in Pastellfarben, in Seide, mit Blumen bestickt. Marie-Antoinette liebte das Zarte, Hingehauchte - der Schwere dieser einschnürenden Gewänder zum Trotz. Doch nur wenige Stücke, die sie selbst getragen hat, sind erhalten. Die meisten im Victoria and Albert Museum in London gezeigten Kleider stammen nicht aus ihrem Besitz, sondern sind Beispiele für den Stil und den Stilwandel, den sie prägte. Nach den hochgetürmten, reich dekorierten Perücken - einmal trug sie eine Galeone darauf - läutete die modebewusste Königin eine Phase des relativen Downsizing ein. Manchen ging das zu weit", ein Porträt von ihr im weißen Mousselinekleid musste verschwinden, weil es "zu sehr nach Unterwäsche" aussah. Vielleicht wurde sie also gar nicht wegen ihrer Verschwendungssucht hingerichtet, sondern im Gegenteil, weil sie dem Publikum nicht genug Glamour bot? Wie auch immer, die Darstellung ihres Todes in der Schau ist eher ein Tiefpunkt, findet Löhndorf.

Weiteres: Lesenswert außerdem - wenn auch schon einen Monat alt - ein Gespräch von Tim Blanks mit den Designern Raf Simons (Prada) und Pieter Mulier (Alaia) über Belgien, belgische Mode und die belgische Modeszene. Besprochen wird außerdem eine Ausstellung über die Kunst der Fashion Show im Vitra Design Museum in Weil (FAS).