Katja Kollmann macht für die taz eine Stichprobe in der Deutschen Oper und stellt fest, dass Zuschauer aus allen sozialen Schichten dort sitzen, auch Kassiererinnen, die laut Berlins regierendem Bürgermeister Wegner angeblich nicht in die Oper gehen: Nicht anwesend waren allerdings Versicherungskaufmänner, Unternehmensberater und Berufspolitiker. Auch die Bayreuther Festspiele müssen sparen, so dass es weniger Aufführungen zum 150-jähriges Jubiläum geben wird als geplant, berichtet Jan Brachmann in der FAZ und zitiert die Begründung der Festspiele: "Insbesondere die Tarifabschlüsse für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst (TV-L) sind von den Bayreuther Festspielen für das festangestellte und saisonal beschäftigte Personal entsprechend anzuwenden. Aufgrund des sehr hohen Personalkostenanteils am Gesamtetat wird es den Bayreuther Festspielen perspektivisch nicht gelingen, die hierfür benötigten zusätzlichen Finanzmittel aus eigener Kraft zu erwirtschaften". Die NZZ druckt eine RedeUlrich Khuons, der der Gottfried-Keller-Gesellschaft erklärte, warum Keller nicht fürs Theater taugt.
Besprochen werden Christina Tscharyiskis Inszenierung von Ferenc Molnárs "Liliom" am Berliner Ensemble (nachtkritik, Tsp) und Jan Bosses Inszenierung von Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" am Schauspielhaus Zürich (nachtkritik, NZZ).
"Früchte des Zorns." Volkstheater München. Foto: Arno Declair.John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" ist eigentlich ein "frühes Klima-Epos", stelltNachtkritikerin Anne Fritsch in Max Lindemanns Inszenierung am Volkstheater München fest. Das eigentlich fruchtbare Land Kaliforniens gibt nicht genug her für alle, die dort Arbeit suchen, bei Lindemann wird das zu einer "Modellanordnung menschengemachten Übels": "Dem Regisseur geht es weniger um Einfühlung als um Verstehen, um das Erkennen von Zusammenhängen. Hier gibt es keinen Theaterzauber. Für alle sichtbar werden an den Seiten Kostüme gewechselt, werden Bärte angeklebt und abgenommen. Wer nicht überlebt, geht nach seinem Bühnentod einfach zur Seite ab. Immer wieder treten die Spieler*innen aus ihren Rollen, um von den Seiten das Geschehen zu kommentieren und in größere Zusammenhänge einzuordnen. Diese Perspektivwechsel vom Individuellen zum Allgemeinen gibt es auch bei John Steinbeck, wie dieser Abend überhaupt erstaunlich nah an der Tonalität seiner Vorlage bleibt."
Besprochen werden: "Die Insel der Perversen" von Rosa von Praunheim in der Regie von Heiner Bomhard am Deutschen Theater (Tagesspiegel) und "Lichtspiel" nach dem Roman von Daniel Kehlmann am Volkstheater München (Artechock), die Regie übernimmt Christian Stückl.
Im SZ-Interview gibt Oliver Beckmann, geschäftsführender Direktor der Münchner Kammerspiele, Einblicke in die Finanzierung seines Hauses, das pro Saison circa 33,5 Millionen Euro zur Verfügung hat: "Der größte Posten sind die Personalkosten mit 22 Millionen Euro. Darunter fallen Tarifangestellte in der Technik und Verwaltung sowie alle, die über den Normalvertrag Bühne angestellt sind, also das Ensemble oder die Dramaturgie und die Öffentlichkeitsarbeit. (…) Für die Kunst, also für das, wofür wir eigentlich da sind, geben wir von 33,5 Millionen Euro rund fünf Millionen aus. Das ist, was wir zur freien Entscheidung haben." Weitere acht Millionen Euro gehen drauf für Zinsen, Abschreibungen und Verrechnungen mit der Stadt, so Beckmann.
Weitere Artikel: Nachdem Ida Müller und Vegard Vinge bekannt gaben, nicht die Interimsintendanz an der Berliner Volksbühne zu übernehmen (unser Resümee), findet Sophia Zessnik (taz) es an der Zeit, dass Joe Chialo "auch mal Verantwortung" übernimmt: "Er sollte aktiv auf die von den Kürzungen Betroffenen zugehen und die Krise managen, statt nur zu bedauern, was er zwar nicht direkt mitverantwortet, aber immerhin entschieden hat. Gerade wirkt es nicht so, als habe er einen Plan, wie es weitergehen soll..." Das Kinder- und Jugendtheater FELD in Berlin wurde erst kürzlich mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet, nun steht es aufgrund der Kürzungen im Kulturetat vor dem Aus, meldet die taz. Ebenfalls in der tazbesucht Karlotta Ehrenberg das Theaterensemble Papillons, eine von der Theatermacherin Christine Vogt geleitete Theatergruppe mit demenzkranken Menschen, die im F2 Theater im Pflegewohnheim in Berlin auftreten. Marina Davydova klagt gegen ihre Entlassung als Schauspieldirektorin bei den Salzburger Festspielen, meldet die SZ. Außerdem singt Roman Deininger in der SZ eine Hymne auf das Stuttgarter Ballett. In der nachtkritikerzählt der an der Produktion beteiligte Dramaturg Uwe Mattheiß von der Zusammenarbeit zwischen dem Nationalen Experimentaltheater "Kujtim Spahivogli" in Tirana und dem theater.punkt in Wien, die Sabine Mittereckers Inszenierung von Elfriede Jelineks Stück "SHADOW. (Eurydice says)" auf die Bühne gebracht haben.
Besprochen werden das Stück "Dance" der Dance Company der New Yorker Choreografin Lucinda Child, das aktuell im Rahmen der Performing Art Seasons im Haus der Berliner Festspiele gezeigt wird (Tsp) und Mikael Karlssons und Royce Vavreks Opern-Inszenierung von Ingmar Bergmans Film "Fanny und Alexander" am Théâtre de la Monnaie in Brüssel (FAZ).
Es läuft nicht gut für Joe Chialo. Nachdem Details der geplanten Kürzungen in seinem Ressort bekannt wurden, musste der Berliner Kultursenator viel Kritik einstecken - viele der Betroffenen fühlten sich überrumpelt. Die Kürzungen haben jetzt auch dazu geführt, dass Ida Müller und Vegard Vinge nicht, wie geplant ihre Interimsintendanz bei der Volksbühne antreten. Kein Wunder, findet Peter Laudenbach in der SZ: "Das für kommendes Jahr vorgesehene Sparvolumen der Volksbühne in Höhe von zwei Millionen Euro ist höher als ihr künstlerischer Programmetat." Will Chialo die Volksbühne auf ihre Abschaffung vorbereiten? Was ist eigentlich sein Plan, fragt Laudenbach. Es wäre "seine Aufgabe gewesen, die Berliner Kultureinrichtungen auf die drohenden Einsparungen vorzubereiten und gemeinsam mit ihnen so an ihren Strukturen zu arbeiten, dass sie auch mit knapperen Zuwendungen arbeitsfähig bleiben. ... Auch weil Chialo seit Amtsantritt vor anderthalb Jahren zwar andauernd von 'Exzellenz' und 'Resilienz' spricht, aber nichts für die Zukunftsfähigkeit der ihm qua Amt anvertrauten Institutionen getan hat, sind sie jetzt in einer desaströsen Situation."
Chialos eigene Bilanz ist im Eimer, kommentiert Simon Strauß in der FAZ: Der Senator "ist von den Aufgaben, die die Berliner Kultur an ihn stellt, überfordert. Er hat kein Gefühl für die Eigenarten ihrer verschiedenen Schauplätze, von ihrer Geschichte weiß er zu wenig oder nimmt sie nicht ernst genug. Und das Schwerwiegendste: Er hat keine Sprache gefunden, um über Berlins Kultur und mit ihren Akteuren zu sprechen. Denn nicht der Umstand, dass die Kultur in Berlin sparen muss, ist ein Skandal. Wenn beim Sozialen gekürzt wird, müssen auch Probebühnen geschlossen werden können, ohne dass gleich das Totenlicht angeht. Verheerend ist aber die Art, wie Chialo diese neuen Härten an die Kulturszene vermittelt: nämlich schulterzuckend." Für den Tagesspiegel analysiert Rüdiger Schaper die Situation.
Außerdem: Wolfgang Behrens schreibt auf nachtkritik über Dramaturgie und Grafikagenturen. Besprochen wird Alice Birchs Neufassung des Frederico-Garcia-Lorca-Stücks "Bernarda Albas Haus" im Deutschen Schauspielhaus Hamburg (taz Nord).
Szene aus "Macbeth". Foto: Monika Rittershaus Regisseur R.B. Schlather verlegt Verdis "Macbeth" in seiner Inszenierung an der Frankfurter Oper in die Gegenwart: Die Bourgeoisie trifft sich beim Weihnachtsbankett im Bungalow, zum Abspann laufen Bilder zerstörter Städte, die an Syrien oder Gaza erinnern, aber das scheint Schalther egal zu sein, meint Jan Brachmann (FAZ), der Schärfe vermisst, aber dafür Amüsement und vor allem Thomas Guggeis' hinreißendes Dirigat geboten bekommt: "Guggeis weiß Pausen schockierend zu dehnen, dichte Anschlüsse herzustellen und dem Horror der Füllstimmen zu lauschen: Wenn Lady Macbeth ihren Mann drängt, nach König Duncan auch noch Banquo abzumurksen, hören wir in den mittleren und tiefen Streichern geradezu das Gedärm der Bosheit knarzen. Die Gier nach Macht bekommt hier eine animalisch-leibliche Dimension, die rein durch die Musik ausgelotet wird. Wir werden den Verdauungsgeräuschen politischer Ambition ausgesetzt. Es ist Verdi, der aus dem Menschen - den Aristoteles als zoon politikon, als politisches Tier, beschrieb - eben das zoon, das Tier hervorholt." Ähnlich urteilt Judith von Sternburg in der FR: Es mag an "Raffinesse" fehlen, aber: "Es knistert im Haus, so soll eine Verdi-Premiere sein, dafür geht man in 'Macbeth'."
Szene aus "Julia und Romeo". Bild: Ingo Höhn An Wiener Aktionskunst eines Hermann Nitsch fühlt sich Martina Wohlthat in der NZZerinnert, wenn die isländischen Choreografinnen Erna Ómarsdóttir und Halla Ólafsdóttir in ihrer "Julia und Romeo"-Inszenierung am Theater Basel das Ensemble durch einen Kunstblut-Schlachthof waten, stöhnen und schreien lassen. Vorweihnachtlich ist das sicher nicht, aber der "Ballett-Exorzismus" gelingt, findet Wohlthat: "Die Tanzenden präsentieren sich nicht nur beim elektrischen Gitarrensolo in ihrer ganzen Körperlichkeit - nichts ist ihnen zu wuchtig oder zu häßlich. Sie springen, zucken, kriechen über die Bühne. Das Stück räumt überdies mit dem Klischee der stummen Tänzer auf, es verleiht ihnen eine Stimme. "
Weitere Artikel: Zwei Millionen Besucher haben das Musical "MJ - Das Michael Jackson Musical" bereits in London und den USA gesehen, nun hat Regisseur und Choreograph Christopher Wheeldon es auf die Hamburger Bühne gebracht, spart dabei die Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson aber aus, staunt Jana Hegemann in der SZ. Der Betriebswirt und Musikwissenschaftler Axel Hiller wird neuer Konzertchef der Salzburger Festspiele, meldet der Standard mit APA. Im FAZ-Interview spricht Ricarda Ciontos, der Leiterin des Festivals Nordwind auf Hamburgs Kampnagel, das dieses Jahr unter dem Motto "New Allies" stattfindet, über Heimat und Identität.
Besprochen werden außerdem die Adaption von Oliver Bukowskis TV-Serie "Warten auf'n Bus" an der Neuen Bühne Senftenberg (taz), Carlos Díaz Torres' Choregrafie "It Is Quiet In Hell" nach Gedichten César Vallejos im Frankfurter Gallus-Theater (FR), Sarah Kortmanns kabarettistischer Abend "The Show" in der Frankfurter Stalburg (FR), die halbszenische Übernahme der Salzburger "Orpheus"-Inszenierung von Christof Loy mit Cecilia Bartoli am Theater Basel (NZZ), Simone Dede Ayivis True-Crime-Performance "Autsch - Warum geht es mir so dreckig?" in den Sophiensälen Berlin (Tsp), Kirill Serebrennikovs Inszenierung "Legenden" am Hamburger Thalia Theater (FAZ) und der von dem Theatermacher Paulus Manker herausgegebene Band "Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit" (nachtkritik).
Szene aus "changes" an der Berliner Schaubühne. Foto: Arno Declair. Eine "Etüde der Verwandlungskunst" hat FAZ-Kritiker Simon Strauß in Maja Zades neuem Stück "changes" gesehen, das Thomas Ostermeier an der Berliner Schaubühne inszeniert hat. Es geht um ein Paar in der Ehekrise. Der Aufführung fehlt es zwar ein wenig an Tiefe, meint Strauß, toll findet er aber die raschen Rollenwechsel der beiden Schauspieler, die hier alle Figuren verkörpern. Eine Szene, die im Elefantenhaus spielt, hat ihn besonders beeindruckt: "Hier, auf dieser Bank, trifft sie, die immer zu wenig Zeit für alles hat, aber stets genug Zeit, um genau das zu sagen, ihren alten Vater. Jeden Tag kommt er her und schaut den Tieren trostsuchend in die Augen. Der Geruch von Alleinsein umgibt ihn, ein Mangel an Leben, und doch treibt ihn ein letzter Stolz, kurz vor seiner viel beschäftigten Tochter aufzustehen, um zu einem angeblichen Termin aufzubrechen. Es ist diese eine Szene im Elefantenhaus unter Aufsicht der altklugen Rüsseltiere, in der sich erfüllt, wovon die anderen Szenen träumen: ein Lebensbild en miniature zu sein. Abschied und Erinnerungsschmerz, Dauer und Umbruch, Anfang und Ende."
SZ-Kritiker Peter Laudenbach bekommt dagegen schon einen Vorgeschmack auf die Auswirkungen der Sparpolitik: Wirkliche "Kunst-Ambitionen" kann er nicht erkennen, die Figuren dienen "eher der unterhaltsamen Klischeebebilderung, als dass sie die Chance hätten, ein Eigenleben zu entwickeln." Über jeden Zweifel erhaben ist für Nachtkritikerin Christine Wahl das "Tatort-Traumpaar" Anna Schudt und Jörg Hartmann, der Rest sei leider zu flach geraten. Ähnlich sieht es Rüdiger Schaper im Tagesspiegel.
Besprochen werden auperdem K. D. Schmidts Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" am Staatstheater Mainz (FR), Arthur Romanowskis Recherche-Stück "Zusammenarbeit mit einem Toten" im Mousonturm Frankfurt (FR), Philipp Rosendahls Inszenierung von der "Der Sandmann" nach E.T.A Hoffmann (nachtkritik), Sandra Strunz' Adaption von Didier Eribons Roman "Eine Arbeiterin" am Hessischen Landestheater Marburg (nachtkritik), FX Mayrs Inszenierung von Gogols "Der Revisor" am Nationaltheater Mannheim (nachtkritik), Christiane Pohles Inszenierung von Mazlum Nergiz' Stück "Der Fluss" (nachtkritik), Martina Hefters Performance "Soft War" am Leipziger Schauspielhaus (FAZ), Meryl Tankards Choreografie "Kontakthof - Echoes of '78" nach Pina Bausch am Tanztheater Wuppertal (taz), Carolin Millners Inszenierung des dokumentarischen Stücks "Was bleibt. Das Leben der Familie Cohn" im Anhaltischen Theater Dessau (taz), die Performance "A Sky Like a Wall" in der Berlinischen Galerie (taz) und Martin Zimmermanns Choreografie "Louise" am Schauspielhaus Zürich (NZZ).
Szene aus "Soft War". Bild: Rolf Arnold Gerade erst ist Martina HeftersRoman "Hey guten Morgen, wie geht es Dir?" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden, schon bringt sie ihn unter dem Titel "Soft War" auf die Bühne des Leipziger Schauspiels - aber überzeugen kann sie Nachtkritikerin Katrin Ullmann nicht. Hefter, eigentlich Performancekünstlerin, steht selbst auf der Bühne und versucht "Abbitte" zu leisten, wenn sie dem Kolonialismus des Westens eine Mitschuld am Love-Scamming von Männern aus dem "Globalen Süden" gibt: Dabei will sie alles richtig machen und "politisch korrekt sein und auf keinen Fall rassistisch (wer will das schon?), will faktenreich argumentieren (369 Fälle von Love Scammern weist allein eine Statistik des LKA Sachsen im Jahr 2023 nach), Unrechtsgefühle nachweisen (das ist Betrug), Verletzbarkeit aufzeigen (da war ein Versprechen), aber zugleich die eigenen Privilegien (weiß, westlich) hinterfragen. Das ist für einen Theaterabend ganz schön viel und zugleich auch zu wenig - Haltung. Da geht vor lauter Behutsamkeit die Reibungsfläche verloren, verliert sich der feine Text, das freche Experiment in den vielen selbst gesetzten Ausrufungszeichen."
Die Berliner Zeitung hat mit einem wütenden Barrie Kosky über den Baustopp der Komischen Opertelefoniert: Für Kosky "ist die Sache glasklar: 'Die CDU will die Komische Oper schließen. Das muss auf den Tisch. Sie lügen, wenn sie sagen, dass sie das Haus in der Behrenstraße erhalten wollen! Ich denke, dass der Finanzsenator Evers und auch andere in der CDU schon lange davon träumen, nur zwei Opernhäuser in Berlin zu haben. Die Deutsche Oper im Westen und die Staatsoper Unter den Linden im Osten. Und die Komische Oper wird bestraft: für ihren Erfolg, für ihre DDR-Geschichte, dafür, dass dieses kleine Haus für Diversität und Vielfalt sorgt. Dass sie jetzt sagen, die Komische Oper sei ihnen wichtig, das ist Bullshit.'" Kosky weist im Gespräch auch darauf hin, dass das Problem nicht mal die Kürzungen im Kulturetat seien, sondern dass sie so kurzfristig kommuniziert wurden.
Weitere Artikel: Für die FRspricht Judith von Sternburg mit dem Bühnenbildner Etienne Pluss, der verantwortlich ist für das Bühnenbild von R.B. Schlathers Inszenierung von Verdis "Macbeth", die am Wochenende in Frankfurt Premiere feiert, über Zusammenarbeit mit Regie und Dirigat im Allgemeinen und mit Claus Peymann im Besonderen. Die russische Theaterkritikerin Marina Davydova verlässt die Salzburger Festspiele als Schauspieldirektorin, meldet unter anderem Christiane Lutz in der SZ: Laut Pressemitteilung sei das Vertragsverhältnis "infolge von Verstößen gegen vertragliche Dienstpflichten, insbesondere durch die weder angezeigte noch genehmigte Tätigkeit Marina Davydovas bei einem Berliner Theaterfestival" aufgelöst worden. In der FAS besucht Albrecht Selge den albanischen Tenor Saimir Pirgu, der in seiner Heimat Tirana in der Puccini-Oper "Tosca" auf der Bühne steht.
Besprochen werden eine Berliner Veranstaltungsreihe des Dokumentationszentrums Mena Prison Forum im Berliner HAU, die sich mit Gefängnis und Folter in Nahost beschäftigt (taz) und Matthias Ripperts Inszenierung von Lot Vekemans Stück "Blind" am Münchner Residenztheater (nachtkritik)
Szenen aus "Kontakthof - Echoes of '78" am Tanzthater Wuppertal. Foto: Ursula Kaufmann Meryl Tankard hat Pina Bauschs "Kontakthof" am Tanztheater Wuppertal inszeniert - und das besondere ist, dass die gleichen Tänzer wie bei der Erstaufführung 1978 auf der Bühne stehen und mit einer Filmaufnahme von damals verschnitten werden, freut sich Wiebke Hüster in der FAZ. Ein kraftvolles Stück, das nach 46 Jahren immer noch zu überzeugen weiß: "Wenn etwa die Tänzer Passagen tanzen, in denen ihre Partner von früher auf der Bühne fehlen, und man die Toten und Abwesenden gleichzeitig im Film sieht, die phantastische Silvia Kesselheim etwa."
Weitere Artikel: Die Nachtkritikresümiert eine Debatte, die sich um die Benennung der "Pinocchio"-Inszenierung von Emel Aydoğdu am Staatstheater Wiesbaden als 'Familienstück' statt als 'Weihnachtsmärchen' dreht und nimmt sie zum Anlass, mal zu schauen, wie es mit dieser speziellen Sparte der Vorweihnachtsstücke in anderen Theatern aussieht. Die russische Exil-Theatermacherin Marina Davydova wird von ihrem Posten als Schauspielchefin der Salzburger Festspieleentlassen: Neben "Verstößen gegen vertragliche Dienstpflichten" soll das Direktorium auch mit der Leistung Davydovas nicht zufrieden gewesen sein, meldet der Standard.
Besprochen wird Nurkan Erpulats Inszenierung von Nora Abdel-Maksouds "Café Populaire Royal" im Maxim Gorki-Theater (Welt).
Besprochen werden ein Vortrag von Norbert Abels zum 100. Todestag von Giacomo Puccini im Frankfurter Haus am Dom (FR), das von Uta Nawrath und Benni Cromme gemeinsam mit Kim Willems entwickelte Labortheaterformat "Survival Kid" im Theaterhaus Frankfurt (FR) und Martin Kukučkas und Lukáš Trpišovskýs Inszenierung der Oper "Platée" von Jean-Philippe Rameau an der Prager Staatsoper (FAZ).
Adonis am Schwetzinger Winterbarockfestival, Jonas Müller und Theresa Immerz, Foto: Susanne Reichardt Über 300 Jahre nach der Erstaufführung kommt Sigismund Kussers Oper "Adonis" wieder auf die Bühne. Und zwar im Rahmen des Schwetzinger Winterbarockfestivals, das sich hier, freut sich Robin Passon in der FAZ, ein weiteres Mal um die Pflege Alter Musik verdient macht. Die "Adonis"-Aufführung überzeugt dank des geschickten musikalischen Arrangements des Dirigenten Jörg Halubek sowie eines gut aufgelegten Bühnenensembles: "Die Titelpartie wird vom jungen Bariton Jonas Müller gesungen, dessen helles Timbre den glockenklaren Venussopran von Theresa Immerz ideal ergänzt. Wenn sich die beiden zu ihren Melodiebögen auf der Liege räkeln, irisiert das ganze Rokokotheater vor Liebesglut. Zum Zentrum des Bühnengeschehens mausern sich aber João Terleira und Sreten Manojlović als Cupido respektive Vulcanus. Beweglich wie seine Koloraturen turnt dieser störrische Amor auf Leitern, wird zum Tanzbären und jubelt wie Cristiano Ronaldo während der betrübte Schmied ihm im Rhythmus des Continuo neue Pfeile schmiedet."
Antje Pfundtner hat am Staatstheater Hannover unter dem Titel "Der Wunde Punkt" einen performativen Theaterabend zum Thema Scham konzipiert. Jens Fischer war für die taz Nord dabei und ist angetan: "Scham entsteht aus dem negativen Abgleich des eigenen Denkens oder Verhaltens mit der moralischen und ästhetischen Norm des heimatlich-sozialen Milieus, wenn man sich mit dem urteilenden Blick der anderen sieht. Das Theater ist also ein idealer Ort, genau das zu fokussieren: Angeschautwerden ist für die Bühnenkunst zentral. In Hannover wird es ums Zurückschauen ergänzt, das auf Papphockern im Raum verteilte Publikum will man zum Mitmachen anregen. Dabei provoziert das Ensemble mindestens Momente der kleinen Schwester der Scham, der Peinlichkeit. Eine Zuschauerin wird ausfindig gemacht, die kürzlich Geburtstag hatte, um sie dann vor der ihr fremden Publikumsgruppe mit all den Kindergeburtstagsliedern immer und immer wieder hochleben zu lassen."
Außerdem: Petra Schellen interviewt für die taz Nord den Regisseur Gernot Grünewald über ein Projekt am Hamburger Thalia zum Trauma des Heimatverlusts.
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