Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.09.2025 - Architektur

Seiichi Furuya, Berlin-Ost 1985, 1985. Courtesy Galerie Thomas Fischer, © Seiichi Furuya


Alle reden vom Bauturbo, aber passieren tut nix. Dafür sind Plattenbauten jetzt wieder en vogue, informiert uns Peter Richter in der SZ, wie einige Bucherscheinungen und jüngste Ausstellungen im Hamburger Bahnhof (hier) und in den Kunstwerken Berlin (hier) zeigen. Und jetzt eine Ausstellung im Kunsthaus Minsk in Potsdam, "die noch einmal ganz andere Aspekte des Themas in den Blick nimmt", zum Beispiel in Gestalt von Uwe Pfeifers Bilderserie aus den Siebzigern, "die diese neuen Habitate als Lebens- und Bildräume ausdrücklich ernst nehmen, sie aber gleichzeitig mit melancholischem Humor in das Licht der Romantik tauchen ('Wäscheleine im Nebel' sieht exakt so nach Caspar David Friedrich aus, wie das klingt)." Oder die Fotoserie mit der Sibylle Bergemann in Wohnzimmern der Plattenbauserie P2 in Berlin-Lichtenberg dokumentierte, wie die Bewohner die Platte unterwanderten: "Die meisten arbeiteten mit ihren Polstermöbeln, Kronleuchtern und Vorhängen geradezu verbissen gegen den industriellen Geist ihrer Plattenbauwände an. Eine Arbeit wie Gisela Kurkhaus-Müllers 'Marzahn' von 1982 zeigt, wie sehr diese optischen Verwandlungsversuche in Altbauten, Datschen oder Barockpaläste nicht zuletzt auf den Balkonen Blüten trieben."

Weitere Artikel: In Bilder und Zeiten (FAZ) freut sich Peter Kropmanns über die Wiederentdeckung des Pariser Jugendstilarchitekten Jules Lavirotte: Ihm und seiner Frau Jane ist derzeit eine Ausstellung in der Villa du Châtelet im französischen Évian-les-Bains gewidmet. Friedrich von Borries analysiert in einem Essay für die Zeit die Ästhetik der Trump-Regierung.
Stichwörter: Plattenbau, Das Minsk

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2025 - Architektur

Kurt Dornis, Zweite Schicht, 1986. Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, © Kurt Dornis, Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut

Seltene Einblicke in das Leben in ostdeutschen Plattenbauten erhält Lena Schneider (Tagesspiegel) im Potsdamer Minsk in der Ausstellung "Wohnkomplex". Kurator Kito Nedo erklärt: "Plattenbau war der Versuch einer Antwort auf eine soziale Frage, die sich heute auch stellt (...) Wie bezahlbaren Wohnraum schaffen, in dem Milieuunterschiede keine Rolle spielen? Dass diese erträumte Idylle schon zu DDR-Zeiten höchstens eine ambivalente war, zeigt die Reihe Hallenser Bilder von Uwe Pfeifer aus den 1970er Jahren. Menschenleere Straßen, Betonwände im Nebel. Die Fenster im dunklen Wohnkomplex leuchten warm, aber über allem liegt eine große Einsamkeit. Der Clown beim 'Kinderfasching im Neubauviertel' sieht traurig aus."

Weitere Artikel: In der SZ gibt Peter Richter ein Update zum knapp vierzig Jahre währenden Planungsdrama um die Bebauung des Berliner Molkenmarktes (unsere Resümees). Mitte 2026 sollen die Architekturwettbewerbe entschieden sein, verrät Bausenatorin Petra Kahlefeldt, bis 2029 wird man dann noch auf die Baugenehmigung warten müssen. Zumindest die Archäologen freuen sich, weiß Richter, denn in der Ausgrabungsstätte wurden bisher 700.000 Fundstücke geborgen, die im erst diesen Sommer eröffneten Museum Petri Berlin gezeigt werden.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.09.2025 - Architektur

Schon wieder ist Bauhaus-Jubiläumsjahr, ächzt der nicht-gerade-Bauhaus-Freund Dankwart Guratzsch in der Welt: 1919 in Weimar gegründet, zog es 1925 nach Dessau. Entsprechend stehen dort heute Jubelfeiern in Anwesenheit von Ministerpräsident Reiner Haseloff, EU-Kommissarin Ekaterina Zaharieva und Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner an - und abermals huldigt man der "Marke Bauhaus", ärgert sich Guratzsch, denn: "Erst der Propagandarummel, den Gropius um die Neugründung der Weimarer Kunstschule in Dessau entfachte, etablierte die Bauhaus-Ästhetik als neuen 'Baustil', der mit allen vorangegangenen Stilepochen brach. Bauhistorisch gesehen war das Geschichtsklitterung, um die 'Marke Bauhaus' (Philipp Oswalt) öffentlich durchzusetzen."

Brigitte Franzen tritt im April 2026 die Nachfolge von Annemarie Jaeggi als Direktorin des Berliner Bauhaus Archivs an. Im FAZ-Gespräch mit Niklas Maak spricht sie über Zukunftspläne, weicht aber der Frage nach dem Umgang mit der Geschichte des Bauhauses aus: "Man kann jetzt nicht sagen: Mein Gott, im Bauhaus gab es ja Leute, die später Nazis waren, also müssen wir uns vom Bauhaus verabschieden. Die Frage ist, wie kann man damit kritischer als bisher umgehen? Es hat vor gar nicht allzu langer Zeit ein Projekt zum Bauhaus im Nationalsozialismus gegeben, das war sehr wichtig. Ich finde auf vielen Ebenen interessant, was die Kontinuitäten innerhalb Deutschlands angeht, im Westen wie im Osten. Wie entwickeln sich die einzelnen Lebensentwürfe und Biographien: Wer war Freund und wurde dann Feind? Gerade die Frage, wie die DDR mit diesem Erbe umging, finde ich wahnsinnig interessant."
Stichwörter: Bauhaus, Franzen, Brigitte

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.09.2025 - Architektur

Wolfgang Jean Stock porträtiert in der FAZ den Südtiroler Architekten Walter Angonese, der versucht, mit seinen Bauten einen Gegenpol zu schaffen zur auch architektonischen Verschandelung, die in der Gegend der Übertourismus mit sich bringt. Einen Bibliotheksbau in Kaltern etwa begreift er als eine "gesellschaftspolitische Setzung. (…) Der hell leuchtende, skulptural gestaltete Baukörper erhebt sich als turmartiger Abschluss des historischen Zentrums eindrucksvoll über einem steilen Hang. Charakterisiert wird er durch ein großes, bis zum Boden reichendes Dach, das die vier Geschosse in einer Stahlkonstruktion umhüllt. Für einen intensiven Bezug zu ihrer Umgebung sorgen die rundum verglasten Räume der Bibliothek wie auch kleine Terrassen für den Aufenthalt im Freien. Vom Ort aus präsentiert sich das Gebäude durchsichtig und einladend - und im Inneren wurde die gewünschte wohnliche Atmosphäre erreicht."

Außerdem: Auch Peter Richter in der SZ, Rainer Haubrich in der Welt und Hanno Rauterberg in der Zeit rufen dem Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann nach. Siehe für die ersten Nachrufe hier.
Stichwörter: Angonese, Walter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2025 - Architektur

In der FAZ schreibt Matthias Alexander den Nachruf auf den Architekten und Stadtplaner Hans Stimmann, der im Alter von 84 Jahren gestorben ist. Von kurz nach der Wende bis 2006 bekleidete er das Amt des Senatsbaudirektors von Berlin: "Er wollte den alten Stadtgrundriss so weit als möglich wiederherstellen ('Kritische Rekonstruktion'), um den Osten und den Westen der Stadt auch im Stadtbild wieder miteinander zu verbinden. Zu diesem Zweck formulierte er klare Vorgaben: Er vertraute auf die einigende Kraft des Blockrands und der Traufhöhe von 22 Metern, und er setzte auf die vormoderne Gestalt steinerner Fassaden. Dass Investoren und Architekten, die vor dem inneren Auge das Berliner Stadtbild schon mit gewaltigen Spektakelbauten aufgemöbelt sahen, darüber nicht amüsiert waren, focht Stimmann nicht an, im Gegenteil, es motivierte ihn, seine Maximen durchzusetzen, dabei um keinen Kniff verlegen, von der Zusammensetzung der Wettbewerbsjurys bis hin zur Verwaltungspraxis." 

Stimman habe "entscheidend mit auf den Weg gebracht, dass die 'europäische Stadt' wieder Gestalt annahm, niemals fertig, gewiss, sondern als Aufgabe für Gegenwart und Zukunft", meint Bernhard Schulz im Tagesspiegel. Besonders für die Zukunft, wenn man sich das Ergebnis anguckt.
Stichwörter: Stimmann, Hans

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.09.2025 - Architektur

Jan Grossarth ist für die Welt in den Musterstädtchen unterwegs, die Elon Musk in Texas für seine Mitarbeiter und Anhänger bauen lässt. Grossarth findet die minimalistischen Tiny Houses doch reichlich futuristisch, aber auf gruselige Weise: "Lässt sich schon von einer eigenen Musk-Architektur sprechen? Oder einer Nicht-Architektur? Die erste Bauphase lässt keinerlei Ambitionen erkennen, die auf ästhetische Qualitäten, Dauerhaftigkeit, Bürgerlichkeit ausgerichtet wären. (…) In Musk Town kreist die bauliche Gestaltung um Musk, und die Ansiedlungen dienen anscheinend dem Zweck, die Mission möglichst schnell verwirklichen zu können. Die resignierte Kleinbürgerlichkeit der Wohnhütten steht ironischerweise in maximalem Kontrast zu Musks menschheitsbewegenden Zukunftsvisionen. Einzelne Prestigebauten (oder ihre Entwürfe) setzten hingegen Zeichen. Sie nehmen symbolischen Anklang an Raumschiffen, UFOs, Batman und verströmen einen Hauch der Grease-Nostalgie der 1950er-Jahre."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.08.2025 - Architektur

Endlich ist nun ein Ideenwettbewerb für das geplante Haus der Demokratie nahe der Paulskirche in Frankfurt abgeschlossen: Bürger werden nun die Pläne begutachten und einen Favoriten küren, freut sich Christian Thomas, der sich für die FR schon mal einen Überblick verschafft hat: "Ob Steildach mit einer Öffnung in Form einer monumentalen Fledermausgaube (Atelier Lorentzen Langkilde Aps) oder ein zweigeschossiger, transluzider Aufbau mit einer Kuppel in Anlehnung an die flache Kalotte der Paulskirche, auf die eine Loggia den Blick freigibt (Unique Assemblage): Beim 'Haus der Demokratie' hat man so einiges im Sinn, konzeptionell womöglich so etwas wie eine mentale Anstalt des Verfassungspatriotismus, bei dem Dach so etwas wie eine Schaubühne hinweg über den Paulsplatz und die Skyline der Stadt. Wollte man tiefer einsteigen in den Wettbewerb, träfe man unter den 128 Teilnehmern und Teilnehmerinnen auch auf die Büros Behnisch und Böhm, bei ihnen auf Ikonen der deutschen Nachkriegsarchitektur, Antipoden zudem, seit langem geleitet von den Söhnen. Die Behnisch-Tradition wird fortgesetzt durch Transparenz und membranartige Leichtigkeit, eine Pavillonmuschel, schön geschwungen. Zeitlos? Oder aus der Zeit gefallen?"

Weitere Artikel: Vor drei Jahren, pünktlich zum 300-jährigen Bestehen, wurde die alte Bibliothèque Nationale in Paris saniert wiedereröffnet. Tilman Krause hat sie nun für die Welt besucht und ist hingerissen.
Stichwörter: Haus der Demokratie

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.08.2025 - Architektur

Schimmel, undichte Fenster, ausfallende Heizungen - der Pariser Louvre muss dringend generalsaniert werden, weiß Matthias Krupa in der Zeit. Zugleich läuft derzeit ein Architekturwettbewerb, denn auf der Ostseite des Gebäudes soll nicht nur ein zweiter Eingang entstehen, sondern unter dem zentralen Innenhof auch ein neuer Trakt eigens für die Mona Lisa. Vor allem der neue Eingang hatte zu Protesten geführt, aber Museumsdirektorin Laurence Des Cars beruhigt: "Die Besucherinnen und Besucher sollen unterirdisch geführt werden, die Kolonnaden bleiben unangetastet. Der Denkmalschutz wird beteiligt und hat sein Einverständnis signalisiert. Des Cars betont den Unterschied zur Pyramide: Gesucht werde ein Architekt oder eine Architektin mit einer Handschrift, aber keine spektakuläre Geste. 'Die Zeit hat sich verändert, wir sind nicht mehr in den 1980er-Jahren', sagt sie. Hinzu komme die ökologische Verantwortung, der jede neue Architektur gerecht werden müsse. Die Direktorin träumt von einem 'grünen Gürtel' rund um den Louvre, von Bäumen, Blumen, möglichst viel Natur."

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Für Lars Fleischmann (taz) ist es ein Glücksfall, dass Zara Pfeifer ans Architektur- noch ein Fotografiestudium anschloss: Davon kann er sich derzeit einmal mehr in der Ausstellung "Wo Wien wohnt" im Österreichischen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig überzeugen. Zu sehen sind dort unter anderem Aufnahmen aus ihrer Arbeit "Du, meine konkrete Utopie", die sich mit dem Wiener Wohnpark Alterlaa beschäftigt: "Dafür begleitete sie zwischen 2013 und 2017 mehrere Bewohner*innen durch die Wohnblöcke, besuchte nicht nur die schon vielfach fotografierten Pools, die auf den Dächern der Hochhäuser Abkühlung versprechen, sondern auch die Hobbyräume. Die Architektur der Wohnblöcke birgt eine Besonderheit: Die Blöcke sind an ihrer Basis breiter als oben, weswegen sich im Inneren der unteren Etagen Räume ergeben haben, die von den Bewohner*innen als Keramikstudio, Verein für Selbstverteidigung und zur allgemeinen sportlichen Betätigung genutzt werden. Diese soziale Komponente, die anderen Großsiedlungsbauten abgeht, fängt Pfeifer in präzisen und empathischen Analogaufnahmen ein."

Für die Welt schaut sich Jan Grossarth Bloomberg-Fotos an, die erste Eindrücke von Elon Musks geplanter Siedlung "Starbase" in Texas zeigen. "Die anarcho-kapitalistische Vision kümmert sich augenscheinlich wenig um die Gestaltung des Hier und Jetzt", seufzt er und fühlt sich eher an "zweckfunktionalistische Camps" erinnert: "Die sterile, enge Bebauung mit Kleinst-Bretterhäusern mit dunkler Lasur erinnert an einfachste Wohncontainer. Stahltreppen führen vom Rollrasen herauf zu ihren Eingängen, und auf jedem dieser Wohnblöcke ist ein kleiner Freisitz für ein bis zwei Personen montiert, für die Freizeit. Andere Formen lehnen sich an die großen Zeiten der USA, die 1960er-Jahre, an. Die metallischen Caravans in langer Reihe, die ein anderes YouTube-Video zeigt, erinnern auch an nostalgische Foodtrucks, dienen hier aber Schlafzwecken."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.08.2025 - Architektur

Hanno Rauterberg mag die Architektur der deutschen Gegenwart nicht. Einfalls- und lieblos werden die ewig gleichen Kästen in die Gegend geklotzt, schimpft er in der Zeit und wünscht sich, dass die verantwortlichen Architekten zur Strafe in den von ihnen verbrochenen Gebäuden selbst wohnen müssen. Ein Blick auf vergleichsweise fantasievolle Gründerzeitfassaden zeigt: Das war nicht immer so. Dennoch möchte der Autor sich nicht auf die Seite der Nostalgiker schlagen. Was aber wäre stattdessen vonnöten? Leider bleibt Rautenbergs Text da doch arg pauschal: "Wahre Architektur beginnt ja erst dort, wo sie sich vom nackten Zweckdenken löst. Wo sie ein Gespür für Geborgenheit entwickelt, für Eigensinn oder die Freude am Spiel. Nur wenn Architekten sich wieder trauen, ihre Bauten als soziale Körper zu begreifen, die etwas erzählen wollen, das Auge unterhalten, das Gemüt bewegen, werden sich auch wieder Bauherren finden, denen es um mehr geht als nur um Profit. So wie einst in der Gründerzeit. Nur mit den gestalterischen Möglichkeiten von heute."

Außerdem: Anh-Lingh Ngo ruft in der taz dem streitbaren Architekturtheoretiker Nikolaus Kuhnert, Mitherausgeber von Arch+ und Gegner neohistorischen Bauens, nach.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2025 - Architektur

Laura Helena Wurth erinnert in der wochentaz an die Architektin Astra Zarina, die das märkische Viertel in Berlin mitgestaltete: "In Berlin traf Zarina auf einen starren, bürokratischen Apparat, dem das Einhalten von Bauvorschriften und Normen wichtiger war als klug durchdachte Abweichungen. So sah man in ihren ersten Entwürfen für den Teil des Märkischen Viertels, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Douglas Philipp Haner planen sollte, Wohneinheiten, die eine Art Innenhof formten und ebenerdige Ladenzeilen: eine Durchmischung und ein Nebeneinander von Leben, Wohnen und Arbeiten. Doch die damaligen Berliner Bauherren verstanden das neue Viertel als Blaupause am Reißbrett, in dem sich die verschiedenen Lebensbereiche kaum berühren sollten: Es sei 'Brutalität, mit der wir da Lyrik gemacht haben', beschrieb Düttmann das Viertel noch 1967 gegenüber dem Tagesspiegel."
Stichwörter: Märkisches Viertel