Nach Niklaus Bernau gestern in der
FAZ (
unser Resümee) schaut sich auch Jan Grossarth in der
Welt das "Schwarzbuch der Denkmalpflege" entsetzt an: "Mindestens
knapp 600 Baudenkmäler werden demnach in Deutschland
Jahr für Jahr abgerissen". Oft werden Denkmalfachbehörden viel zu spät in Planungsverfahren einbezogen, manchmal aber auch einfach ignoriert, weiß Grossarth und räumt ein: "Trägt auch das
Gebaren der Ämter selbst zu Resistenz mancher Bürger bei? Denn die Denkmalschutz-Behörden treten, wie man hört, nicht immer als derart 'zahnlos' auf, wie es die Denkmalstiftung suggeriert. Ortsbegehungen, die vor Umbaugenehmigungen nötig sind, können freundlich und unterstützend über die Bühne gehen. Aber sie können auch
Assoziationen an herrschaftliche Visitationen wecken. Und das - oft in umständlichem Architektendeutsch formulierte - akademische Fachwissen der Denkmalpfleger kann aus Sicht der Haus-Eigentümer arrogant wirken. Das heißt, es lässt auch an Rücksichtnahme gegenüber deren Finanzausstattung und deren
Wohnbedürfnissen vermissen."
Vor dem Abriss war auch das von dem Stuttgarter Architekten
Rolf Gutbrod entworfene Gebäude der
deutschen Botschaft in Wien nicht geschützt, aber immerhin überzeugt der nun fertiggestellte Neubau der Leipziger Architekten
Schulz und Schulz Falk Jaeger in der
FAZ durch "dezente Repräsentativität": "Städtebauliche Einordnung, Kubatur, Wandgliederung und Material - die Fassaden sind mit grauem
Krastaler Marmor aus Kärnten verkleidet -, in allen wesentlichen Aspekten unterscheidet sich der Bau von der Nachbarschaft im Quartier. So betont er
selbstbewusst seine Sonderstellung, anders als die Vertretungen von Russland, China, Iran und Großbritannien in der Nachbarschaft, die eher unauffällig in historischen Palais oder angepassten Neubauten untergebracht sind. (…) Aufgrund der Nachbarschaft der
russischen Botschaft auf der anderen Straßenseite war schon während der Bauzeit die Einschränkung des Kranradius penibel zu beachten. Auch mussten technisch diverse Vorkehrungen gegen
Späh- und
Lauschangriffe getroffen werden. Dennoch können die östlichen Kollegen dem Botschafter ins Wohnzimmer schauen, solange der die Vorhänge offen lässt."
Weitere Artikel: Während das Stammhaus der
Frankfurter Schirn saniert wird, wird die Kunsthalle in die ehemalige Dondorf-Druckerei ziehen, die eigentlich abgerissen werden sollte. Dennoch gibt es jetzt erneut Streit,
weiß Isabella Caldart in der
taz: Denn das Kollektiv Die Druckerei, das gegen den Abriss protestierte, ist mit der Zwischennutzung nicht einverstanden: Man plante dort einen "selbstverwalteten, unkommerziellen Begegnungsort".