Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2025 - Architektur

Vor neun Jahren wurde die in der Edo-Zeit entstandene Burg von Kumamoto im Südwesten Japans bei einem Erdbeben schwer beschädigt, fast ebenso lange dauert die Reparatur - und könnte noch mindestens 27 weitere Jahre dauern, weiß Thomas Hahn in der SZ. Denn die Ingenieure stehen vor dem Problem, die Burg mit neuen Methoden erdbebensicher zu machen - dabei soll sie allerdings exakt aussehen wie früher: "Die Außenmauer bildeten 'Tsuki-ishi', große, aus Felsen gehauene Steine, die ineinanderpassten und deshalb auch ohne Zement zusammenhielten. (…) Die heruntergefallenen Tsuki-ishi werden gesammelt und sollen wieder genauso wie vorher zusammengesetzt werden. Alte Fotos und moderne Bildverarbeitungstechnik helfen bei diesem Mauerpuzzle, damit die rund 1700 großen alten Steine des Sockels wirklich wieder dahin kommen, wo sie schon vor 400 Jahren waren. Die Kiesschicht dahinter wird mit Gittern als Edelstahl und Polyethylen befestigt, damit das Geröll sich bei Erschütterungen nur in eine vorgegebene Richtung bewegt."
Stichwörter: Kumamoto

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2025 - Architektur

Nach Niklaus Bernau gestern in der FAZ (unser Resümee) schaut sich auch Jan Grossarth in der Welt das "Schwarzbuch der Denkmalpflege" entsetzt an: "Mindestens knapp 600 Baudenkmäler werden demnach in Deutschland Jahr für Jahr abgerissen". Oft werden Denkmalfachbehörden viel zu spät in Planungsverfahren einbezogen, manchmal aber auch einfach ignoriert, weiß Grossarth und räumt ein: "Trägt auch das Gebaren der Ämter selbst zu Resistenz mancher Bürger bei? Denn die Denkmalschutz-Behörden treten, wie man hört, nicht immer als derart 'zahnlos' auf, wie es die Denkmalstiftung suggeriert. Ortsbegehungen, die vor Umbaugenehmigungen nötig sind, können freundlich und unterstützend über die Bühne gehen. Aber sie können auch Assoziationen an herrschaftliche Visitationen wecken. Und das - oft in umständlichem Architektendeutsch formulierte - akademische Fachwissen der Denkmalpfleger kann aus Sicht der Haus-Eigentümer arrogant wirken. Das heißt, es lässt auch an Rücksichtnahme gegenüber deren Finanzausstattung und deren Wohnbedürfnissen vermissen."

Vor dem Abriss war auch das von dem Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod entworfene Gebäude der deutschen Botschaft in Wien nicht geschützt, aber immerhin überzeugt der nun fertiggestellte Neubau der Leipziger Architekten Schulz und Schulz Falk Jaeger in der FAZ durch "dezente Repräsentativität": "Städtebauliche Einordnung, Kubatur, Wandgliederung und Material - die Fassaden sind mit grauem Krastaler Marmor aus Kärnten verkleidet -, in allen wesentlichen Aspekten unterscheidet sich der Bau von der Nachbarschaft im Quartier. So betont er selbstbewusst seine Sonderstellung, anders als die Vertretungen von Russland, China, Iran und Großbritannien in der Nachbarschaft, die eher unauffällig in historischen Palais oder angepassten Neubauten untergebracht sind. (…) Aufgrund der Nachbarschaft der russischen Botschaft auf der anderen Straßenseite war schon während der Bauzeit die Einschränkung des Kranradius penibel zu beachten. Auch mussten technisch diverse Vorkehrungen gegen Späh- und Lauschangriffe getroffen werden. Dennoch können die östlichen Kollegen dem Botschafter ins Wohnzimmer schauen, solange der die Vorhänge offen lässt."

Weitere Artikel: Während das Stammhaus der Frankfurter Schirn saniert wird, wird die Kunsthalle in die ehemalige Dondorf-Druckerei ziehen, die eigentlich abgerissen werden sollte. Dennoch gibt es jetzt erneut Streit, weiß Isabella Caldart in der taz: Denn das Kollektiv Die Druckerei, das gegen den Abriss protestierte, ist mit der Zwischennutzung nicht einverstanden: Man plante dort einen "selbstverwalteten, unkommerziellen Begegnungsort".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2025 - Architektur

Gibt es seit 2024 nicht mehr: das Generalshotel am Flughafen Schönefeld. © Ralf Roletschek, Lizenz: GNU Free Documentation License, Version 1.2.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schlägt Alarm: Täglich werden in Deutschland Baudenkmäler zerstört oder beschädigt - oft mutwillig und unter Mitwirkung von Behörden. Schuld daran, erläutert Nikolaus Bernau, der in der FAZ das von der Stiftung vorgestellte "Schwarzbuch der Denkmalpflege" kommentiert, tragen auch unklare Zuständigkeiten, sowie die Tatsache, dass eine bundesweite Auflistung von Baudenkmälern nicht existiert. "Deswegen sei das 'Generalshotel' auf dem Flughafengelände in Schönefeld bei Berlin zerstört worden, steht in Saarbrücken das monumentale Finanzamt in Abbruchgefahr, ein vorzüglicher Bau der 1950er-Jahre. In Düsseldorf hat die Landesregierung zwar nach Protesten beschlossen, den aus Keramik gestalteten, abstrakten Außenschmuck des einstigen Audimax der Ingenieurshochschule erhalten zu lassen. Das Gebäude soll aber trotzdem abgerissen werden. Wie beides zusammengeht? Wohl gar nicht."

Passend dazu schreibt Ingeborg Ruthe in der FR über einen bizarren Denkmalstreit rund um einen Altar im Naumburger Dom, der abgerissen werden soll, um den Status des Gotteshauses als Unesco-Weltkulturerbe zu erhalten. In Schweden wird derweil eine ganze Stadt aufgrund von Eisenerzabbau um fünf Kilometer verlegt, weiß Matthias Heine in der Welt: die berühmte Kirche des Ortes bleibt erhalten und wird in einer aufwändigen Prozedur zu ihrem neuen Standort transportiert.

Der Architekt Holger Kleine unterzieht die Bibel und insbesondere die Genesis in der FAZ einer originellen und dichten Relektüre; und zwar beschreibt er sie als einen "Gründungstext der westlichen Architekturphilosophie". Er denkt dabei weniger an - freilich gleichfalls analysierte - spektakuläre Episoden wie den Turmbau zu Babel und die Jakobsleiter, sondern vor allem an die vielen Passagen, die sich mit der Errichtung von Brunnen und Altären beschäftigen: "Komplementär sind (...) die psychosozialen Funktionen von Brunnen und Altar. Der eine ist die Keimzelle des öffentlichen Raums, der andere die Keimzelle des sakralen Raums. Es ist bemerkenswert, dass sich diese Aufgaben zunächst kaum überschneiden. Der Altar ist immer nur der Ort eines Einzelnen, der Einkehr und Zwiesprache mit Gott sucht; zu Orten familiärer, kollektiver und theatralischer Rituale werden sie erst später im Exodus. Umgekehrt ist der Brunnen nur für die ägyptische Magd Hagar ein Ort der Zwiesprache mit Gott, für die Hebräer ist er primär ein sozialer Ort."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2025 - Architektur

Laura Wurth erinnert in der taz auch an die weniger bekannten Bauten des im Juli verstorbenen Architekten Hinrich Baller und seiner früheren Frau Inken Baller.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2025 - Architektur

Von Sebastian Trommer - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32740210

In der taz macht Nikolaus Bernau einen Rundgang durch die Hufeisensiedlung in Britz und feiert dabei 100 Jahre "Berliner Moderne": Auch damals brauchte man günstigen Wohnraum. "Möglich war das ohne Qualitätsverluste nur durch eine atemberaubende Konzentration der PlanerInnen auf die Wohnungsgrundrisse. Sie war letztlich viel wichtiger als die viel debattierte Vorfertigung. Nicht mehr Platz, sondern die bestmögliche Ausnutzung auch der kleinsten Fläche waren ihr Ziel: Eine Erfindung wie die des kombinierten Besenschranks auf dem Balkon, der zugleich als Kühlungspuffer für den Speiseschrank in der Küche dient, ist einfach genial. So können Wohnungen mit Küche, Bad, Balkon und dreieinhalb Zimmern auf 67 Quadratmetern auch heute noch funktionieren."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2025 - Architektur

IBA-Wohnhaus Pohlstraße, Ecke Potsdamer Straße, Berlin-Tiergarten, 1982-1985. Foto: Gunnar Klack - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0


Der Architekt Hinrich Baller ist gestorben. Oft in Zusammenarbeit mit seiner Frau Inken Baller hat er zahlreiche markante Bauten in Berlin geschaffen, sein früherer Student Niklas Maak erinnert sich in der FAZ an ihn: "Baller hatte nicht nur Architektur, sondern auch Musik studiert, und das sah man seinen Entwürfen an. Er hasste rechte Winkel und wollte Schwingungen bauen. Er wollte die organische Moderne von Taut, Scharoun und Hermkes weiterdenken und die Belebungsenergien des Jugendstils neu erwachen lassen: Das Ergebnis waren Häuser, die sofort als 'typischer Baller' zu erkennen sind - mit wild aufschwingenden Balkonen, spitzen Ecken, viel Verglasung und tiefen Fenstern." Wer verstehen will, dass sozialer Wohnungsbau nicht langweilig sein muss, sollte genau hingucken, empfiehlt Maak: "Was dem Erfinder des Massenwohnungsbaus, dem Sozialutopiker Charles Fourier, vorschwebte, ein opulenter Palast für die Arbeiter, war auch ein Anliegen der Ballers: Großzügigkeit für alle."

Claudia Liebram fügt im Tagesspiegel hinzu: "Ein Wohnhaus in der Dessauer Straße in Kreuzberg fällt mit verwunschenen Erkerfenstern, filigranen Balkonen und die Durchmischung von Funktionalität und Ästhetik auf. Einige Projekte von Hinrich Baller sorgten zeitweise für heftige Debatten und Auseinandersetzungen. Besonders kontrovers war etwa das Hortgebäude der Spreewald-Grundschule in Schöneberg: Nach Fertigstellung musste das Gebäude wegen Baumängeln und fehlender Fluchtwege bald gesperrt werden." Monopol hat ein 2023 geführtes Interview mit Inken und Hinrich Baller noch einmal online gestellt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2025 - Architektur

In der Welt rät Jan Grossarth dringend zu einem Besuch im spanischen Cáceres, dem die deutsche Industriellentochter Helga de Alvear vor vier Jahren ein neues Museum gestiftet hat. Picasso, Klee oder Goya sind hier ebenso zu finden wie Ai Weiwei, aber auch die Architektur betört: "Die Architektur des Museumsbaus, verantwortet vom Madrider Büro Mansilla + Tuñón, schafft kein Spektakel, aber eine angenehme Atmosphäre. Das elegante, von schlanken Vertikalen geprägte Bauwerk ist wie ein Alter Ego des gegenüberliegenden Gründerzeitbaus. Die Ausstellung wechselt, der Fundus ist groß. Das Museum beherbergt eine der umfangreichsten privaten Sammlungen zeitgenössischer Kunst Europas, erklärt uns eine Mitarbeiterin - mehr als 3000 Werke."

Weitere Artikel: Seit drei Jahren steht das in den 1980er Jahren von dem Architekten Rudolf Weißer entworfene, längst sanierungsbedürftige Chemnitzer Schauspielhaus leer, inzwischen wird die Sanierung sogar in Frage gestellt, stattdessen wird ein Neubau angedacht, meldet Annette Menting in der FAZ. Sowohl der Bund deutscher Architekten und Architektinnen als auch das Chemnitzer Aktionsbündnis "C the Closed" protestieren dagegen.

Der Berliner Architekt Hinrich Baller ist gestorben, meldet der Tagesspiegel.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2025 - Architektur

Marcus Woeller besucht für die Welt das goldene Oval Office von Donald Trump, den neu dekorierten Cabinet Room und den mit Steinplatten bedeckten neuen Rosengarten.

Besprochen wird Johann Betz' Dokumentarfilm "Sep Ruf - Architekt der Moderne", der zur Zeit noch in der Mediathek von 3sat zu sehen ist (FAZ).
Stichwörter: Trump, Donald

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2025 - Architektur

Der Architekt und Künstler Pierre-Christophe Gam sammelt weltweit Träume von Menschen, um seine "Dream-Tanks" - öffentliche Räume für Träume - zu erschaffen. Ihn "faszinierte die Entdeckung, dass Kindheitserinnerungen stark an räumliche Komponenten gebunden sind. Architektur konstruiert also nicht nur den Raum unserer sozialen Interaktion, sondern auch unserer biografischen Orientierung", sagt er im taz-Gespräch mit Astrid Kaminski, in dem er auch skizziert, warum er Realität nur für einen Möglichkeitsraum hält und welches Ziel sein Traumprojekt verfolgt: "Interessant ist, dass sich bei aller Diversität unserer Existenzen nur die Nuancen der Träume voneinander unterscheiden, sie sich im Kern jedoch ähneln. Die Auswertung von mehr als 12.000 Traumprotokollen ist aufwendig, ich kann daher nur verkürzen, wenn ich einige Aspekte herausgreife: Der wichtigste ist der Wunsch nach kleinen, im Kern autarken Gemeinschaften."
Stichwörter: Gam, Pierre-Christophe

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.08.2025 - Architektur

Kevin Vennemann besucht Peter Zumthors Neubau des Los Angeles County Museum of Art für die NZZ und bestaunt den nun nach 19 Jahren fertiggestellten weitläufigen Bau, es befindet sich "die gesamte Ausstellungsfläche, die ungefähr doppelt so groß ist wie die des Kunsthauses Zürich, auf einem einzigen, über der Stadt schwebenden Stockwerk. Hier und dort gibt es kleine Räume, in denen sich kürzere Geschichten isoliert erzählen lassen. Sonst ist dieses eine Stockwerk, das von oben wie ein Tintenklecks aussieht oder wie ein Bumerang, ein einziger großer Raum ohne eindeutiges Zentrum. Rundherum zieht sich eine ununterbrochene, fast einen Kilometer lange Fensterfront, die das Museumsinnere in alle Richtungen zur Stadt hin öffnet. Man fühlt sich weniger wie in einem hermetischen Kunsttempel oder überhaupt wie in einem Gebäude, sondern mehr wie auf einem weiten, offenen Feld. Govan (der Museumsdirektor, d.Red.) schwärmt, dass man von überall in der Stadt auch ins Museum hineinsehen könne, das Museum sich der gesamten Stadt öffne. Er wird wissen, dass das nicht wirklich stimmt."
Stichwörter: Zumthor, Peter