Klappentext

Selten sind persönliches Schicksal und deutsche Geschichte so eng verwoben wie bei Wolf Biermann. Ein Leben zwischen West und Ost, ein Widerspruchsgeist zwischen allen Fronten. Mit sechzehn ging er in die DDR, die er für das bessere Deutschland hielt. Hanns Eisler ermutigte ihn, Lieder zu schreiben, bei Helene Weigel assistierte er am Berliner Ensemble. Dann fiel er in Ungnade, erhielt Auftritts- und Publikationsverbot. Die Stasi observierte ihn rund um die Uhr, während er im Westen gefeiert und geehrt wurde. Die Proteste gegen seine Ausbürgerung 1976 gelten als Anfang vom Ende der DDR. Eindringlich erzählt Biermann vom Vater, der als Jude und Kommunist in Auschwitz ermordet wurde, von der Mutter, die ihn aus dem Hamburger Bombeninferno rettete, vom väterlichen Freund Robert Havemann, mit dem er das Los des Geächteten teilte. Er führt uns in die absurde Welt der DDR-Diktatur mit ihren Auswüchsen, aber auch ihren täglichen Dramen menschlicher Widerständigkeit. Und er erzählt von seinen in den Westen geschmuggelten, im Osten heimlich kursierenden Liedern, deren "Verskunst, robuste Rhetorik und gewaltige Sprachkraft" Marcel Reich-Ranicki lobte. Ein Zeitzeugnis.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.11.2016

Man kommt an Wolf Biermann nicht vorbei, meint Markus Schwering, man muss seine Autobiografie einfach lesen. Denn auch wenn sich der Achtzigjährige in seiner Rückschau selten um Objetivität oder Fairness bemüht, so werde in seiner Erzählung doch ein halbes Jahrhundert lebendig. Oder wie Schwering sich selbst korrigiert: Putzmunter wird es! Dafür sorge die "proletarische Biermann-Schnauze", die ganz wie Heine und Brecht das Hohe und das Niedere aufs Polemischste miteinander verbinde. Biermanns Aufwachsen unter Hamburger Kommunisten, seine frühen Jahre bei Brecht und die Schikanen der DDR - alles tritt dem Rezensenten noch einmal vor Augen. Auch verdankt er Biermann viele kluge Einsichten über das Kölner Konzert und seine Ausbürgerung etwa oder die "kritische Solidarität" der Linke zur DDR. Schwering stellt aber auch klar, dass Biermann Feindbilder braucht, um sich künstlerisch auf einen gewissen "Höhenkamm" zu hieven.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.11.2016

Marko Martin kanns nicht fassen, Wolf Biermann wird 80. Biermanns Autobiografie hat für den Rezensenten nichts Altherrenhaftes oder Gravitätisches, der Autor und Barde begegnet ihm darin schnoddrig und fröhlich sarkastisch wie immer, allerdings auch so großsprecherisch wie immer, sodass mancher Weggefährte Biermanns dem Rezensenten nur als Trabant um den Planeten Biermann erscheint. Das bedauert Martin, der gern mehr erfahren hätte über den Dichter Hans Sahl oder Reiner Kunze. Verstimmt ist er dennoch nicht, sondern freut sich lieber über die noch einmal frisch geschilderte Komplizenschaft Biermanns mit Robert Havemann, über aberwitzige Begegnungen (mit Ginsburg oder Sperber) und unerwartete Volten, Biermanns Wut und Traurigkeit und immer wieder Lebensgier. Ob man all das wirklich wissen will? Und ob, meint Martin, sofern einer so erzählen kann wie Biermann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2016

Mit dieser Autobiografie lernt Rezensent Ulrich Greiner nicht nur den außergewöhnlichen Menschen Wolf Biermann noch ein Stück näher kennen, sondern liest auch alles, was er wissen muss, um die deutsche Teilung in ihrer ganzen Tragödie zu verstehen. Geradezu als Meisterwerk der "literarischen Vergegenwärtigung" lobt der Kritiker das Buch, das ebenso witzig und passioniert wie präzise und sachlich von Biermanns langwieriger Abkehr vom Kommunismus erzähle. Allein, wenn der Autor beschreibt, wie er einem Freund, der sich später als eine Art Stasi-Doppelagent entpuppte, seine Tagebücher zum Verstecken gab und diese tatsächlich unversehrt zurückbekam, staunt Greiner über Biermanns Kunst der genauen und gerechten Porträtzeichnung. Dass Intimitäten ausgespart werden, Reue und Selbstkritik dafür aber reichlich Platz einnehmen, rechnet der Kritiker dem Autor hoch an.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2016

Die Autobiografie als "große Weltgeschichte" - darunter macht es Wolf Biermann nicht, stellt Willi Winkler fest. Dass Biermann einiges zu erzählen hat, spricht der Kritiker ihm gar nicht ab: Von dem in Auschwitz ermordeten Vater liest er hier ebenso wie von Biermanns Übersiedlung von Hamburg in die glühend verehrte DDR und seinem späteren Rauswurf. Dass sich der "Biograf des eigenen Lebens" an das erinnern darf, was er will, nimmt der Rezensent Biermann nicht mal übel. Dass er jedoch vielen Weggefährten jene Nachsicht verweigert, die er sich selbst zugesteht und diese kühl, rachsüchtig und rechthaberisch niederschreibe, stört Winkler erheblich. Nichtsdestotrotz hat er hier einige herrliche Anekdoten gelesen, die ihn nicht nur an den alten, sondern bisweilen gar an den jungen Biermann erinnern.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2016

Rezensent Jochen Hieber wühlt sich genussvoll durch 500 Seiten Wolf Biermann. Was der einflussreiche Musiker und Dichter, laut Hieber längst ein Mythos, über seine Familiengeschichte in der NS-Zeit und die eigene Existenz in der DDR zu erzählen hat, verschlingt Hieber förmlich. Anekdoten, Namen, klar, von Ginsberg bis Gysi, vor allem aber die glaubhafte Offenlegung der eigenen Existenz und Karriere, deutlich wie nie, meint Hieber, bekommt der Leser von diesem Autobiografen. Allerlei Kleinkram auch, prosaisch grau zudem wie die DDR selbst, räumt Hieber ein. Doch wie Biermann manche Schlacht im Buch erneut schlägt, scheint ihm lesenswert. Auch wenn der Autor eines nicht verrät: Wie es gelingen konnte, ausgerechnet in den Jahren des inneren Exils '69-'75 die besten Lieder und Gedichte zu schreiben.
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