Reicht auch das Faktum der Entzauberung der Welt bis in die Antike zurück und dauert die Herrschaft der Ideologie des Fortschritts bis in die Gegenwart an, so vertraut der Mensch doch immer einer Selbstpoetisierung, die ihn mehr vermögen lässt als er selbst vermag. Jüdisch-christliche, römisch-griechische, selbst neuzeitlich-aufklärerische Tradition ist maßgeblich gezeichnet von Positionen philosophischer, theologischer und religiöser Reflexion, die eine ganz spezielle Poesie entdecken lassen. Der Autor sammelte Epos und Tragödie, philosophische und theologische Texte aus Antike, Mittelalter, Neuzeit und jüngster Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2006
Wohlwollend äußert sich Uwe Justus Wenzel über Rainer Martens Traktat "Die Möglichkeit des Unmöglichen". Auch wenn ihm das Buch nicht immer leicht zu lesen scheint, lohnt sich seines Erachtens die Lektüre, fasziniert es doch immer wieder mit "überraschenden Gedanken". Die Intention des Autors sieht Wenzel in der Erhellung des grundlegend poetischen Charakters von Philosophie, Religion und Literatur, denen allesamt nur eine poetische Wirklichkeit innewohnt. Hier zeigt sich Wenzel etwas skeptisch. Er hält dem Autor entgegen, Gläubige würdigen keineswegs akzeptieren, dass Gott nur in ihrem Glauben lebe. Auch betrachtet er Ideen wie das vollkommene Gemeinwesen und den ewigen Frieden als real ausgearbeitete Begriffe, an denen die Wirklichkeit gemessen wird. Allerdings räumt er dann ein, dass Marten letztlich auf etwas anderes ziele, nämlich die Philosophie als Lebens- und Schreibkunst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2006
Als ordnenden, ideenreichen Kopf im Getümmel der Geschichtsphilosophie und ihrer großen Vertreter sieht Kurt Flasch den Autor Rainer Marten. Philosophie und Religion auf ihren poetischen Charakter hin zu untersuchen, hält er für einen Ansatz zu einer "neuen Philosophie". Der Ehrenrettung solcher Geistesgrößen wie Leibniz und Platon durch den Nachweis ihrer Poetizität folgt Flasch gebannt. Ebenso der bibelfesten Betrachtung religiöser Phänomene. Regt der Text, wie im Fall der allzu wörtlichen Platonlektüre, den Zweifel an, scheint Flasch auch davon noch zu profitieren. Dass manches offen bleibt, erklärt sich Flasch mit der Struktur des "gewichtigen" Textes. Mit der gedanklichen Prämisse vom poetisch lebenden Menschen scheint er im Ganzen gut zurechtzukommen.
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