Vittorio Hösle

Eine kurze Geschichte der deutschen Philosophie

Rückblick auf den deutschen Geist
Cover: Eine kurze Geschichte der deutschen Philosophie
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406648649
Gebunden, 320 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Vittorio Hösle bietet in diesem Buch eine Übersicht über die deutsche Philosophiegeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Er beginnt mit einer Erörterung der Frage, inwieweit es überhaupt legitim ist, den Gang der deutschen Philosophiegeschichte von den restlichen europäischen Philosophiegeschichten abzusondern, und endet mit verhaltener Skepsis hinsichtlich des Überlebens deutscher Philosophie im 21. Jahrhundert. Der Sonderweg deutscher Philosophie beginnt im Mittelalter mit Meister Eckhart und Nicolaus Cusanus. Eine neue Pointierung wird durch die Reformation gewiesen, die gerade wegen ihrer antiphilosophischen Polemik einen Neubeginn des Denkens ermöglicht und die für Deutschland so charakteristische Verbindung von Philosophie und Philologie hervorbringt. Leibniz, Kant und die Fundierung der Geisteswissenschaften im späten 18. Jahrhundert sind Voraussetzungen der Synthese des Deutschen Idealismus, auf die mit Schopenhauer, Feuerbach, Marx und Nietzsche eine rasche Auflösung des Christentums ebenso wie der bisherigen Vernunftmetaphysik folgt. Die Neubegründungen der Philosophie bei Frege und im Logischen Positivismus, bei den Neukantianern und in der Phänomenologie Husserls werden als die wirkungsmächtigsten Versuche des frühen 20. Jahrhunderts dargestellt; auf sie folgt die Philosophie des Nationalsozialismus (Martin Heidegger, Arnold Gehlen, Carl Schmitt) und schließlich diejenige der Bundesrepublik (Hans-Georg Gadamer, Karl-Otto Apel, Jürgen Habermas und Hans Jonas). Das Buch ist eine auf gründlicher Kenntnis der Primärquellen beruhende Gesamtinterpretation der deutschen Philosophie. Zugleich versteht es sich als Rückblick auf den "deutschen Geist".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2014

So ganz versteht Thomas Meyer zwar bis zum Schluss von Vittorio Hösles "Kurzer Geschichte der deutschen Philosophie" nicht, was denn das Deutsche am deutschen Geist sein soll, den der Philosoph seit dem achtzehnten Jahrhundert am Werk sehen will - zumal er vollkommen unnötig ist, um die einzelnen Ausführungen über Hegel, Heidegger und Co. gewinnbringend zu lesen, findet der Rezensent. Auch erscheint es Meyer voreilig, dass Hösle die so entworfene "partikulare deutsche Denkwelt" als ehemals größenwahnsinnig abstempelt, um sie dann aufgrund ihrer mangelnden Präsenz auf dem gegenwärtigen internationalen Philosophieparkett dann gänzlich zu verabschieden. Aber das Buch ist toll geschrieben und liefert viele Reibungsflächen, lobt der Rezensent, der es deshalb auch Skeptikern ans Herz legt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Weniger der vom Autor behauptete Sonderweg der deutschen Philosophie scheint für Achim Vesper in diesem Band belegt zu werden als der Sonderweg der Philosophiegeschichtsschreibung durch Vittorio Hösle. Wenn Hösle zwischen Albertus Magnus und der heutigen Philosophielandschaft nur die von ihm besonders geschätzten Vertreter berücksichtigt, Leibniz, Kant, Fichte, Herder, Husserl etwa, der große Rest erhält allerhöchstens Nebenrollen, meint Vesper, wird Philosophie als kollektives Ereignis für den Rezensenten nicht erkennbar. Die Aufklärung wird bis auf Kant und Lessing ganz ausgeblendet, schimpft Vesper, ebenso wichtige Philosophen, wie Thomasius oder Tetens. Dass Hösles Argumentation meistens über Opposition von Extrempositionen funktioniert, ist ein weiterer Punkt, mit dem sich Vesper nicht zufrieden gibt. Geschichte, meint er wohl, findet immer auch im Dazwischen statt.
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