Wie kaum ein zweiter Philosoph hat Sartre das Lebensgefühl der Nachkriegszeit zum Ausdruck gebracht. Seine Philosophie der Freiheit schien Handlungsspielräume zu eröffnen. Sein Konzept der engagierten Literatur fand breite Resonanz. Vor allem aber verkörperte Sartre die Gestalt des kritischen Intellektuellen, der sich in die jeweils aktuellen Probleme der Gesellschaft einmischt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2008
"Trauerarbeit" erkennt die Rezensentin Ingrid Galster in dem, was Peter Bürger in diesem Bändchen leistet: Die Ablösung von einst sehr verehrten Jean-Paul Sartre. Bürger liest dafür akribisch genau Sartres Kriegstagebücher und klopft sie darauf hin ab, wie sich aus den hier entwickelten Gedanken sein philosophisches Großwerk "Das Sein und das Nichts" geformt hat. Und das hat Bürger offenbar erschüttert. Denn wenig bleibe von der Freiheit und der Wahl, für die Sartre doch eigentlich steht, wir nehmen einfach die Fährnisse hin und tun so "als ob" wir uns für sie entschieden hätten, um daraus etwas Positives zu ziehen. Das ist für Bürger keine Entscheidungsfreiheit, sondern nur "unverbindliches Spiel und leerer Schein", erklärt uns die Rezensentin, die damit noch d'accord zu gehen scheint. Eindeutig zu weit geht ihr Bürger aber, wenn er Sartre in die Nähe des Faschisten Drieu La Rochelle rückt und in ihm Ähnlichkeiten mit einer antisemitischen Figur aus einer Vorkriegssatire erkennen will.
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