Freiheit und Gleichheit sind die zentralen Werte der Moderne. Mit der Französischen Revolution setzt sich die Auffassung durch, dass sie nur gemeinsam bestehen können: Die Möglichkeitsbedingungen der Gleichheit sind auch die der Freiheit; wird die Freiheit unterdrückt, dann auch die Gleichheit. Dieser politischen Denkfigur spürt der französische Philosoph Étienne Balibar in seinen Studien nach. Er entwickelt dabei eine ganz neue Sicht der Französischen Revolution, die er nicht auf geschichtliche Vorläufer zurückführt, sondern als tatsächlich revolutionäres Ereignis denkt. Dort wird zum ersten Mal die wechselseitige Bedingtheit von Freiheit und Gleichheit behauptet, die Balibar mit dem Begriff "Gleichfreiheit" (égaliberté) zu fassen versucht. Die Idee der Gleichfreiheit wird zum zentralen politischen Motor der Moderne, indem die Menschen gegen die liberale Verkürzung der Freiheit auf Marktbeziehungen Gleichheit oder gegen die sozialistische Bevormundung im Namen der Gleichheit Freiheit einfordern. Mit der Gleichfreiheit ist somit kein bestimmter Endzustand in Aussicht gestellt, sondern ein unauflösliches Spannungsverhältnis in die Welt gesetzt, das immer wieder zur Überschreitung bestehender politischer Ordnungen antreibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.01.2013
Mit großem Interesse hat Rezensent Robin Celikates Etienne Balibars neues Buch "Gleichfreiheit" gelesen. In seinen politischen Essays gehe der französische Philosoph und Marxist der Frage nach, was es heiße, heute Bürger zu sein, berichtet der Kritiker. Balibar konstatiere eine nicht aufzulösende Spannung zwischen konstituierender und konstituierter Macht, so Celikates, der hier erfährt, dass der autonome Bürger nicht nur demokratisch regiert werden wolle, sondern auch auf sein Recht auf Selbstbestimmung bestehe. Dies führe nach Balibar zu einer Politik des Aufstands und einer Politik der Verfassung. Darüber hinaus liest der Rezensent hier interessante Thesen zur modernen Verschränkung zwischen Gleichheit und Freiheit: Die nur "formelle Gleichheit" der Vertragsparteien unter kapitalistischen Bedingungen verschleiere etwa deren faktische Ungleichheit und lasse auch die Freiheit der Arbeiter nicht unberührt.
Christof Forderer begrüßt diesen Band mit politischen Essays des französischen Philosophen Étienne Balibar. Diesen charakterisiert er als "illusionslosen Utopisten" und "Radikaldemokraten". Eines der zentralen Themen der vorliegenden Essays ist für ihn das Thema Staatsbürgerschaft. Balibars Konzept des Staatsbürgers setzt nach Forderer nicht an seinem juristisch-formalen Status an, sondern an seiner Fähigkeit zur politischen Intervention und zur gegenseitigen Anerkennung. Die Beziehung zwischen den Bürgern losgelöst von Staat und Nation sieht er dabei im Vordergrund. Forderer verschweigt nicht, dass die Lektüre keine leichte Kost ist. Gleichwohl scheint ihm Balibars offene Neukonzeption des Bürgers als bedenkenswerte Option.
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