Martin Heidegger

Gedachtes

Gesamtausgabe, III. Abteilung: Unveröffentlichte Abhandlungen. Band 81
Cover: Gedachtes
Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783465035565
Gebunden, 360 Seiten, 59,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Paola-Ludovika Coriando. Der unter dem Titel "Gedachtes" stehende Band 81 der Gesamtausgabe vereinigt in sich vier Teile. Der Erste Teil "Frühe Gedichte - Briefe - Gedachtes" enthält Texte verschiedener Art, die Martin Heidegger seiner Braut und späteren Ehefrau Elfride Petri zugedacht hat: frühe Gedichte, frühe Briefe und spätere Texte vom Charakter dessen, was er "Gedachtes" im Unterschied zum Gedicht genannt hat. Der Zweite Teil "Aus der Erfahrung des Denkens" ist ein von Heidegger Ende der dreißiger und in den vierziger Jahren eingerichtetes und in 16 Abschnitte untergliedertes umfangreiches Manuskript von Textstücken im Stile des "Gedachten". Der Dritte Teil "Gedachtes für das Vermächtnis eines Denkens" ist eine Sammlung von Texten, die Heidegger seiner Ehefrau zu deren 80. Geburtstag am 3. Juli 1973 übereignet hat und die in den anschließenden Jahren noch erweitert wurde. Im Vierten Teil "Vereinzeltes" sind einzelne Textstücke aus der Zeit der Zweiten Hälfte der dreißiger Jahre bis in die letzten Lebensjahre Heideggers zusammengetragen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2008

In einem sehr schönen, allerdings auch sehr verdichteten Text bespricht Botho Strauß Martin Heideggers Gedichtband "Gedachtes" und setzt sich dabei natürlich zugleich auch mit Heideggers Denken auseinander. Unmöglich, dem in einer kurzen Notiz gerecht zu werden. Trotzdem: Strauß sah seine "kommunikative Intelligenz" einer Feuerprobe ausgesetzt und kann jedem anderen empfehlen, sich diesem Purgatorium auszusetzen: Dieses Feuer verbrenne einen Haufen "zeitgeschichtlichen Mülls". Denn gerade Heideggers Unaktualität, die nur zum kleineren Teil in einer "ertraglosen und konventionellen" Klage über den "Unheilsstand der Dinge" bestehe, zum größeren aber in der "klassischen Schönheit seines Philosophie" weist für Strauß in die Zukunft. Es ist ein "gedichtetes Denken", das sich der grenzenlosen Politisierung widersetze, der gefälligen Verständlichkeit, der Äußerlichkeit, und da Strauß zu Unrecht als raunend denunziert sieht. Die poetische Kraft dieser sich an Hölderlin anlehnenden Gedichten bemisst Strauß vorsichtig. Denn auch wenn er in ihnen auf eine "Erst-Sprache" zurückgegriffen sieht, in der Denken und Dichten noch nicht unterschieden seien, konstatiert er doch auch das Fehlen sinnlicher Details oder "absichtsloser Metaphern", einen Willen, Suggestion zu erzwingen und eine den Texten "eingeschriebene Wollust", interpretiert zu werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2007

Diese Gedichte, die der Philosoph Martin Heidegger nicht als Gedichte, sondern als "Gedachtes" verstanden wissen wollte, waren nicht der Öffentlichkeit, in die sie nun treten, sondern einzig seiner Ehefrau zugedacht. In der Öffentlichkeit aber, auch als Gedichte, machen sie sich, wie der hier rezensierende Literaturwissenschaftler Heinz Schlaffer fast schon staunt, gar nicht schlecht. Das Vorbild Hölderlin, dem sich Heidegger als Philosoph so obsessiv widmete, klinge zwar aus des Philosophen gedachten Gedichten durchaus heraus; aber beinah behaupten sie sich gegen Hölderlins Werk. Manche jedenfalls. Gerade die Verächter der Heidegger'schen Philosophie dürften mit ihnen sogar mehr anfangen können, mutmaßt Schlaffer, als mit dem philosophischen Werk, schließlich sei in der Lyrik, anders als im Denken, das Hermetische nicht Zumutung, sondern eventuell sogar Tugend. Andererseits finde sich auch im lyrisch Gedachten jene für den Philosophen typische Zone der Ununterscheidbarkeit zwischen tiefem Ernst und unfreiwilliger Komik. Als Beispiel zitiert Schlaffer diese Zeilen: ""Erstehe die Jähe, / denn sie ist die Nähe. / Wahre die Wahrnis, / denn sie ist die Sparnis."
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