Hannah Arendt

Wahrheit gibt es nur zu zweien

Briefe an die Freunde
Cover: Wahrheit gibt es nur zu zweien
Piper Verlag, München 2013
ISBN 9783492055420
Gebunden, 464 Seiten, 29,99 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Ingeborg Nordmann. Hannah Arendt war ein "Genie für die Freundschaft" (Hans Jonas) und besaß eine Begabung für die Liebe. In ihren hinreißenden Briefen lernen wir nicht nur diese private Seite der großen Denkerin kennen, sondern auch die inspirierende Kraft der Freundschaft. Selten hat sich ein Mensch solch ein Universum der Freundschaft erschlossen wie Hannah Arendt. Darin findet die vor den Nationalsozialisten Geflohene Halt, davon erzählen ihre Briefe: Botschaften der Liebe an ihren Mann Heinrich Blücher und an Martin Heidegger, philosophische Gespräche mit ihrem Lehrer Karl Jaspers und ihrem wichtigsten jüdischen Freund Kurt Blumenfeld, Bekenntnisse zur Literatur an den jungen Schriftsteller Uwe Johnson. Mit ihrer Freundin Mary McCarthy tauscht sie sich nicht nur über Philosophie und Politik aus, sondern auch über die "uralten" Probleme zwischen Mann und Frau. "Wahrheit", schreibt Arendt an Blücher, "gibt es nur zu zweien". Wie viele Facetten das Gespräch unter vier Augen für sie hat, zeigt diese Auswahl ihrer schönsten Briefe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.04.2014

Was eine Ehe sein kann, vor allem aber, was im Dialog mit Freunden und Geliebten möglich wird, erfährt Ludger Lütkehaus anhand dieser Auswahl mit Briefen von Hannah Arendt an Studienfreunde, Freunde und Partner, von Dolf Sternberger über Karl Blumenfeld bis Uwe Johnson und Hermann Broch. Daran, dass die Korrespondenz einen integralen Teil des Werkes der Philosophin ausmacht, hat der Rezensent gar keinen Zweifel. Darüber hinaus geben ihm die Briefe einen Eindruck von dem Raum der Freiheit, den Arendt im Dialog mit ihren Briefpartnern eröffnete, sichtbar für Lütkehaus in Stil und Inhalt und einer Frische und Prägnanz der Texte, die dem Rezensenten bemerkenswert erscheinen. Dass der Band ausschließlich Arendts Briefe enthält, findet Lütkehaus allerdings gerade angesichts des von Arendt so gepriesenen dialogischen Prinzips bedauerlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2013

Zur Wahrheit reicht dieses Selbstgespräch nicht ganz, findet Matthias Kross, sei es auch mehrstimmig. Ansonsten ist der Rezensent jedoch begeistert von dem Lebensbild in Briefen, das Ingeborg Nordmann hier von Hannah Arendt entwirft. Äußerst klug entwirft, wie Kross findet. Obgleich die Herausgeberin kein neues Material präsentiert - laut Kross liegt die Originalität im Arrangement von Briefen und Momenten aus Arendts Denktagebüchern - offenbart das Buch dem Rezensenten Erstaunliches: Die grundsätzliche Menschenliebe Arendts etwa, ihr Wille zur Freundschaft, allen Differenzen zum Trotz. Dass diese Erkenntnis möglich ist, auch ohne die Antwortbriefe zu kennen, ist für Kross das Verdienst dieser klugen Edition, mit ihren präzisen Sach- und Personenerläuterungen und Kurzbiografien.