Aus dem Italienischen von Malte Osterloh. Maurizio Ferraris verfolgt Leben und Nachleben Nietzsches über 111 Stationen hinweg: durchs Engadin und entlang der Riviera, vom schicksalsträchtigen Turin bis zu den Ursprüngen in Sachsen - von der dionysischen 'ewigen Wiederkehr' bis zum Nihilismus und dem Tode Gottes. Jede Facette dieses faszinierenden Kaleidoskops aus Zitaten und Verweisen bringt eine neue Perspektive auf die intellektuelle Geschichte des 20. Jahrhunderts, auf Jim Morrison und Heidegger, den Heroismus des "Viva la muerte!" Millán-Astrays, die von Deleuze/Guattari ersehnte Revolution des Begehrens und die Erfindung der Antidepressiva. Ferraris entwirft eine Genealogie der Katastrophen des 20. Jahrhunderts, in denen der "Wille zur Macht" gespenstische Gestalt gewinnt - von den Stahlgewittern des 1. Weltkriegs bis zu Hitlers Untergang in Berlin. Es ist zugleich eine Phänomenologie des Geistes der tragischen und geräuschvollen Moderne aus der Perspektive desjenigen, der sich selbst (nicht ganz zu Unrecht) als den "stillsten Menschen" wähnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2016
Andreas Urs Sommer hätte sich von Maurizio Ferraris mehr erwartet. Auf Nietzsche und seine Nachfolger mit dem Holzhammer einzuprügeln, hält er für keine große Leistung. Schlimmer noch: Als Kronzeuge für Metaphysik und Nihilismus, wie ihn der Autor verkaufen will, taugt Nietzsche laut Sommer gar nicht. Ein Blick in die Forschungsliteratur hätte genügt, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, meint der Rezensent. So wird das Buch für Sommer zu einer Selbstentblößung des von Ferraris postulierten neuen Realismus, aus der Nietzsche eben nicht als Nihilist hervortritt, sondern als alles Irdische feiernder Realist.
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