In vielen europäischen Ländern sind rechte Bewegungen im Aufwind. Oder mit den Worten Jan Zielonkas: Eine Konterrevolution ist in Gang gekommen. Im Jahr 1990 sah das noch ganz anders aus. Der Eiserne Vorhang war gefallen und Zielonkas Lehrer Ralf Dahrendorf begrüßte eine Revolution in Europa; es herrschten Euphorie und Aufbruchsstimmung.
Mittlerweile liegt die Europäische Union in Scherben, weil die politischen Eliten marktradikalen Ideen nachgelaufen sind und die liberale Demokratie verraten haben. Zielonka unterzieht die Entwicklungen einer unerbittlichen Analyse und formuliert ein starkes Plädoyer für eine offene Gesellschaft und eine Neuerfindung Europas.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2019
Günter Beyer lernt von Jan Zielonka, der in Oxford Europäische Politik lehrt, Europa einmal anders als durch die Brüsseler Brille kennen. Zielonkas Konzept der Konterrevolution, mit dem der Autor das Erstarken des Nationalismus beschreiben möchte, findet der Rezensent jedoch fragwürdig, weil sich nicht klar sagen lässt, was der Begriff eigentlich meint. Wenn der Autor den Rückzug des liberalen Europa bedauert, findet Beyer den "posthumen Schulterschluss" mit dem Ziehvater Ralf Dahrendorf zu offensichtlich. Und was Zielonka zu einem neuen Europa einfällt, scheint Beyer allzu nebulös.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.04.2019
Martin Tschechne hört aufmerksam zu, wenn der Europäer Jan Zielonka seinen liberalen Kollegen die Leviten liest und fordert, die Chancen von 1989 endlich zu nutzen. Der als Replik auf Ralf Dahrendorfs "Betrachtungen über die Revolution in Europa" verfasste Brieftext des polnischen Politikwissenschaftlers spart nicht mit Kritik an der liberalen Verschnarchtheit Europa, erkennt Tschechne, und schlägt neue liberale Strategien vor. Für den Rezensenten klingt das durchaus revolutionär, wenn Zielonka nach neuen Formen der Gemeinschaft ruft, Vielfalt und Unterschiede feiert und Grenzen niederreißen möchte. Ein Festival liberaler Ideen, so Tschechne betört.
Dies Buch des Oxforder Politologen ist interessant als liberale Kritik am Liberalismus - immerhin ist es als Brief an den 2009 gestorbenen Ralf Dahrendorf verfasst. Die Kritiker empfehlen es als Anregung und Ideenmaschine im Vorfeld der Europa-Wahlen. Der Marktliberalismus, der seit 1989 in der EU gepredigt worden sei war gerade der größte Fehler der Liberalen, so etwa der Rezensent Peter Sawicki in der Kritik des Deutschlandfunks. Zielonka präferiere bei weitem den Sozialliberalismus der siebziger Jahre, der die Freiheitswerte in der Idee des Sozialstaats grundiert habe. Die Diagnose ist scharf und polemisch. Sawicki hebt hervor, dass Zielonka es schaffe, die etablierten Strukturen zu kritisieren, ohne selbst in Populismus zu verfallen. Übrigens lehne Zielonka diesen Begriff auch als Beschreibung für die Demagogen in der Politik sowieso ab - er ziehe den Begriff der Konterrrevoultionäre vor. Leider so Sawicki wie vor ihm schon andere Kritike, seien Zielonkas eher dünn. Das Buch scheint sich zur Diagnose besser zu eignen als zur Therapie.
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