Noch bis vor kurzem blickten viele neidvoll auf das ehrgeizige EU-Land, das durch die Erschließung der osteuropäischen Märkte über Nacht reich wurde. Politische und wirtschaftliche Stabilität der neutralen Alpenrepublik schienen so sicher wie das Amen im Wiener Stephansdom.
Doch das hat sich geändert. Die einst so geschätzte und in vielem bewunderte Alpenrepublik wird sich selbst und Europa zum Problem. Der ungehemmte Populismus hat die politisch-sachliche Atmosphäre vergiftet. Nur wenige Stimmen fehlten am Ende 2016, dann hätte erstmals ein Rechtspopulist in Westeuropa das höchste Amt im Staate bekleidet. Den beiden Volksparteien, die das Land im Alleingang abwechselnd regiert haben, droht der radikale Machtverlust. Der errungene Wohlstand durch die Osterweiterung ist gefährdet, Unternehmen und Banken hängen durch, die Arbeitslosigkeit steigt. Längst ist die fremdenfeindliche FPÖ zur stärksten politischen Kraft aufgestiegen. Kein Wunder, denn statt Überzeugungen und Prinzipien prägen Opportunismus und Ränkespiele das Land. Österreich wird zum Testfall für Deutschland und Europa.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.05.2017
Rezensentin Cathrin Kahlweit staunt, dass ein so sanftmütiger Mensch wie Hans-Peter Siebenhaar nun eine derart harte, entschiedene, traurige und "ätzende" Abrechnung mit seiner Wahlheimat vorlegt. Und doch kann die Kritikerin dem Autor bei seinem kenntnisreichen und durchaus begründeten "Rundumschlag" gut folgen. Zwar entdeckt Kahlweit im ersten Teil, in dem der Autor über das zur Modernisierung unfähige Zweiparteiensystem, die gegen die Menschenrechte verstoßende Flüchtlingsobergrenze oder über den österreichischen Nationalismus schimpft, die ein oder andere "redundante" Passage. Wenn der Korrespondent des österreichischen Handelsblatts allerdings ausführt, weshalb Österreich wirtschaftlich hinterherhängt und dabei die "Liebesdienerei" gegenüber Autokraten wie Wladimir Putin oder das Landgrabbing von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz anprangert, kann die Kritikerin die Wut des Autors gut nachvollziehen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…