Hans Blumenberg, Carl Schmitt

Hans Blumenberg / Carl Schmitt: Briefwechsel

1971-1978. Und weitere Materialien

Klappentext

"Ich möchte Ihnen daher auch das nackte Faktum mitteilen, dass ich 1971 den Kontakt zu Carl Schmitt gesucht und gefunden habe. Darüber wird viel später mehr zu sagen sein", schreibt Hans Blumenberg 1977 an Jacob Taubes angesichts einer Kontroverse, die mit "Die Legitimität der Neuzeit" begonnen hatte. Schmitt hatte Blumenbergs Einwände gegen seine Theorie zwar ernst genommen, sie aber zugleich dezidiert zurückgewiesen. Ihre Fortsetzung fand die Auseinandersetzung in einem guten Dutzend bisher unpublizierten Briefen, die Blumenberg und Schmitt über die Grundlagen neuzeitlicher Weltsicht und Anthropologie, über Goethes "ungeheuren Spruch", aber auch über Geschichtsphilosophie, Eschatologie und Selbstmord wechselten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2008

Drei neu erschienene Bände von Briefwechseln des leider bedeutenden Nazi-Juristen Carl Schmitt bespricht in einer Sammelrezension Andreas Anter. Während die Briefwechsel Schmitts mit Ernst Forsthoff und Ludwig Feuchtwanger von gegenseitiger Wertschätzung zeugen (im Falle Feuchtwangers jedenfalls bis zum abrupten Abbruch mit dem Beginn des Dritten Reichs), bleibt bei den Briefen zwischen Schmitt und dem Philosophen Hans Blumenberg bei allem intellektuellen Respekt die Kluft, die die beiden trennte, immer klar. Im Kern der Auseinandersetzung liegt die Frage nach der - so Blumenbergs berühmter Buchtitel - "Legitimität der Neuzeit". Beide ziehen hier, so Anter, "alle Register ihrer Wissenschaft" und von "betörender Eleganz" seien vor allem manche von Blumenbergs Briefen. Den Kommentar zu diesem Band lobt der Rezensent als "kundig", wenn auch gelegentlich etwas "kolloquial".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2007

Ralf Konersmanns Begeisterung für diesen Briefwechsel ist eher verhalten und doch spürbar gewaltig. Die enorme Differenz der Positionen Blumenbergs und Schmitts macht ihm die Lektüre eindringlich bewusst und macht für ihn auch den "Reiz" dieser Korrespondenz aus, die er lieber nicht als "Gespräch" bezeichnen will. Um der Einzelheiten willen der Standortbestimmung beider Denker in der Auseinandersetzung miteinander, möchte Konersmann auf die Kommentare der Herausgeber und die Betrachtung der Briefe im weiteren Werkkontext nicht verzichten. Erst dadurch wird der Gerdankenabtausch (exemplarisch nennt Konersmann die Diskussion des Begriffs der Säkularisation) für ihn nachvollziehbar.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Ein umfangreicher Briefwechsel ist das nicht, der sich zwischen 1971 und 1978 zwischen Carl Schmitt, dem Kronjuristen der Nazis, und Hans Blumenberg, dem Epiker unter den deutschen Nachkriegsphilosophen, entspinnt. Fünfzehn Briefe, nicht mehr, macht fünfzig Seiten. Der Rest des mehr als 300 Seiten starken Buches ist Kontext, dessen Notwendigkeit der Rezensent Henning Ritter mit wenigen Ausnahmen bezweifelt. Im Briefwechsel geht es um das, was Blumenberg mit einem berühmt gewordenen Titel die "Legitimität der Neuzeit" genannt hat. Für illegitim, nämlich bloße uneigenständige Umbesetzung theologischer Modelle und Begrifflichkeiten in säkulare, hatte Carl Schmitt die neuzeitlichen Entwicklungen weg von der Religion gehalten. Da widerspricht Blumenberg, im Buch und in den Briefen. Diese aber zeugen, da zieht der Rezensent den Hut, von größter Genauigkeit und Höflichkeit in Sache und Ton, wenngleich sich der Widerspruch nie beseitigen lasse. Also gewiss ein "esoterischer Gedankenaustausch", an dem sich aber nicht zuletzt Blumenbergs "unübertroffene intellektuelle Grandezza" bewundern lasse.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2007

Der vorzüglich edierte Briefwechsel zwischen dem jüdischen Philosophen Blumenberg und dem für antisemitische Ressentiments bekannten Juristen Schmitt dokumentiert die Auseinandersetzung zweier Rhetoriker auf Augenhöhe, begeistert sich Rezensent Thomas Meyer. Interessant für die aktuelle Debatte erscheinen ihm weniger die verschiedenen Positionen der Kombattanten zur Säkularisationstheorie oder Politischen Theologie als ihr intellektueller Umgangsmodus. So gelingt es dem "entbergenden" jüngeren Blumenberg den "verbergend Älteren" auf einen Ton einzustimmen, der dem als schwierig bekannten Schmitt "tatsächlich Inhalte entlockt, die weitgehend frei von Ressentiments sind". Zudem ist Blumenberg als versierter und kunstvoller Briefeschreiber zu entdecken, der ohne es den Adressaten merken zu lassen, den Diskurs führt, so Meyer, und Schmitt "Platz für seine Verstiegenheiten einräumt". Dieser wiederum gehe Blumenberg auf den Leim, indem er teilweise eindeutiger als in seinen Schriften Stellung bezieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2007

Als bemerkenswert bezeichnet Jürgen Kaube in der FAZ am Sonntag diesen Briefwechsel zwischen zwei Denkern, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Dass er zustande kam, versteht sich seines Erachtens nicht von selbst, vor allem wenn man die Vorgeschichte der beiden bedenkt: hier der Staatsrechtler Carl Schmitt, einstiges NSDAP-Mitglied und Antisemit, da der Philosoph Hans Blumenberg, der als so klassifizierter "Halbjude" ins Konzentrationslager kam, aus dem er 1944 fliehen konnte. Der briefliche Gedankenaustausch verdankt sich nach Einschätzung Kaubes zum einen der wenig richterlichen Haltung Blumenbergs zum anderen einem gemeinsamen Thema: der Frage, ob die Neuzeit tatsächlich eine eigenständige Epoche markiere, was der theologisch-politisch argumentierende Reaktionär Schmitt anders als der philosophische Aufklärer Blumenberg vehement verneinte. Kaube ist diese in der Sache entschiedene, im Ton aber höflich geführte Auseinandersetzung gern gefolgt, die sich in gerade einmal fünfzehn Briefen niederschlug, die in vorliegenden Band mittels zahlreicher Textstellen in ihren Kontext gestellt werden.
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